9-Euro-Ticket stark nachgefragt

Zehntausende haben sich in Niedersachsen und Bremen bereits das 9-Euro-Ticket für Bus und Bahn gekauft. Die Politik hofft, dass damit bald auch ein Intercity zu den Nordseeinseln genutzt werden kann.
Ein Zug fährt ein. © Christian Charisius/dpa/Symbolbild

Das neue 9-Euro-Ticket für den Nahverkehr wird in Niedersachsen und Bremen gut angenommen. Zehntausende Menschen in der Region haben sich mit dem vom Bund subventionierten Fahrschein eingedeckt. Auf einigen Strecken führte das Angebot den Verkehrsanbietern zufolge am Mittwoch bereits zu volleren Zügen, allerdings längst nicht überall. Eine erste Belastungsprobe könnte das Pfingstwochenende werden. Außerdem könnte eine Intercity-Strecke an die Nordsee doch noch für das Ticket freigegeben werden.

Die Nordwestbahn ging ersten Schätzungen zufolge von phasenweise rund 50 Prozent mehr Fahrgästen im Weser-Ems-Netz aus, auch in Bremen seien einige Züge brechend voll gewesen, sagte ein Sprecher. Betroffen seien insbesondere Strecken, die von Berufspendlern genutzt werden. Für das Pfingstwochenende rechnet die Nordwestbahn vor allem in Richtung Norden mit einer stärkeren Auslastung durch Urlauber und Ausflügler.

Zu Störungen im Nahverkehr hat das große Interesse nach ersten Erkenntnissen der Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) nicht geführt. «Wir hören bisher aus ganz Niedersachsen von reibungslosem Betrieb», sagte ein LNVG-Sprecher. Es zeichne sich aber ab, dass mehr Menschen als üblich ein Fahrrad mitnehmen wollten. Der Sprecher wies daher darauf hin, dass Rollstuhlfahrer und Kinderwagen im Zweifel Vorrang hätten, wenn die Züge voll seien. Die Fahrradmitnahme ist im 9-Euro-Ticket nicht inklusive.

Auch die Deutsche Bahn sprach von einem «ruhigen Betriebsstart» am ersten Tag des Tickets. Überrascht zeigte sich die Bremer Straßenbahn AG (BSAG), dass es zunächst «überhaupt keine Auffälligkeiten» in ihren Bahnen gegeben habe, obwohl zahlreiche 9-Euro-Tickets verkauft worden seien. Zur Rush Hour seien einige Fahrzeuge gut gefüllt gewesen, das sei aber auch in den vergangenen Tagen schon der Fall gewesen. «Wir warten auf die Welle», sagte ein BSAG-Sprecher.

Die BSAG zählte alleine im Vergleich zum Vortag rund 10 000 verkaufte Tickets, inklusive des Vorverkaufs lag die Zahl sogar bei rund
85 000. Auch beim Verkehrsverbund Bremen/Niedersachsen (VBN) schnellte die Zahl am Montag noch einmal deutlich nach oben: von
21 000 digital verkauften 9-Euro-Tickets im Vorverkauf auf rund
28 000 bis zum Mittag. Der Verkehrsverbund GVH der Region Hannover hatte rund 90 000 vorverkaufte Tickets gemeldet.

Unterdessen führt Niedersachsens Landesregierung weiter Gespräche mit der Deutschen Bahn über eine Freigabe der für Touristen interessanten Bahnstrecke von Bremen nach Norddeich-Mole. Dort setzt die Bahn auch ICs ein, in denen auf diesem Abschnitt aber normalerweise auch Nahverkehrstickets akzeptiert werden. Dafür zahlen Bremen und Niedersachsen der Bahn pro Jahr einen niedrigen einstelligen Millionenbetrag, wie die niedersächsische Landesnahverkehrsgesellschaft (LNVG) mitteilte.

Damit auch das 9-Euro-Ticket dort gilt, verlangt die Bahn laut Verkehrsminister Bernd Althusmann jedoch 5,24 Millionen Euro für drei Monate. Der CDU-Politiker bezeichnete das Anfang der Woche als nicht nachvollziehbar. Er würde sich wünschen, «dass die DB den Fahrgästen entgegenkommt und hier eine pragmatische Lösung anbietet», sagte er schon am Montag. Sein Ministerium appellierte am Mittwoch erneut an die Bahn, die Nutzung mit dem 9-Euro-Ticket zu ermöglichen. Die Bahn erklärte, sie sei «auch weiterhin zu Gesprächen bereit». Bisher sei die Anerkennung des Tickets aber nicht beauftragt worden.

Für Touristen ist die Bahnstrecke als Zubringer zu mehreren Nordseeinseln interessant, unter anderem nach Norderney und Juist. Pendler, die schon vor dem 9-Euro-Ticket ein Nahverkehrs-Abo für die Region hatten, können die Strecke damit weiterhin nutzen.

© dpa
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