Tödliche Schüsse an Ampelkreuzung: Zehn Jahre Haft

Zahlreiche Menschen beobachten an einer belebten Kreuzung in Hannover, wie ein Mann ein Auto mit einer Holzlatte attackiert und danach Schüsse fallen. Der Schütze soll jetzt lange ins Gefängnis. Seine Verteidiger sehen den Fall anders.
Eine Figur der blinden Justitia. © Christoph Soeder/dpa/Symbolbild

Die Schüsse fielen mittags an einer belebten Kreuzung in Hannover: Nach einem Streit zwischen den Insassen zweier Autos ist ein 30-Jähriger tot, auch auf dessen Beifahrer wird geschossen. Für das Verbrechen am 3. Juni 2021 ist am Mittwoch ein 33-Jähriger zu einer Gefängnisstrafe von zehn Jahren verurteilt worden. Nach Überzeugung des Landgerichts Hannover zielte der Angeklagte bewusst auf die beiden Männer. Dies wertete die Kammer als Totschlag und versuchten Totschlag. Die Staatsanwaltschaft hatte eine siebenjährige Freiheitsstrafe gefordert.

Das Urteil ist laut einer Gerichtssprecherin noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert - sie ist davon überzeugt, dass der 33-Jährige in einer Notwehrsituation handelte. Seine Anwälte halten ihn wegen seiner posttraumatischen Belastungsstörung infolge von Kindheitserlebnissen im Kosovo-Krieg zudem für vermindert schuldfähig.

Der Prozess hatte bereits Ende November unter hohen Sicherheitsvorkehrungen begonnen. Laut Anklage war an der roten Ampel zunächst der Beifahrer des späteren Todesopfers ausgestiegen und hatte mit einer Holzlatte auf den Wagen des Angeklagten eingeschlagen, um diesen zum Aussteigen zu zwingen. Beide sollen schon in der Vergangenheit Streitigkeiten gehabt haben.

Der 33-Jährige schoss anschließend nach Überzeugung des Gerichts zweimal mit einer Pistole auf den Angreifer. Der Mann konnte hinter einem Lieferwagen in Deckung gehen, blieb unverletzt und flüchtete. Anschließend habe der Angeklagte auf den Fahrer des neben ihm haltenden Wagens geschossen und den 30-Jährigen tödlich verletzt. Nach der Tat flüchtete der Schütze zunächst vom Tatort, stellte sich jedoch einige Tage später der Polizei. Seitdem sitzt er in Untersuchungshaft.

Im Fall des Angriffs mit der Holzlatte auf das Auto sei eine Notwehrlage zwar anzunehmen, sagte die Sprecherin. Allerdings waren zwei Schüsse auf den Angreifer nach Bewertung des Gerichts nicht verhältnismäßig. Von dem getöteten Autofahrer sei überhaupt keine Bedrohung ausgegangen, bei ihm sei auch keine Waffe gefunden worden.

In seinem letzten Wort entschuldigte sich der Angeklagte der Sprecherin zufolge insbesondere bei den Familienangehörigen des Opfers. Das Geschehen sei die höchste Strafe seines Lebens, sagte er. Wenn er könnte, würde er die Zeit zurückdrehen.

© dpa
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