Deiche, Moore und Wasser: Wo der Klimawandel fordernd ist

Ob höhere Deiche, Rückhalteflächen für Wasser oder wiedervernässte Moore: Das Maßnahmen-Bündel, um Folgen des Klimawandels zu begegnen, ist groß. Für die Umsetzung ist in Niedersachsen vor allem eine Behörde gefordert - doch ausgerechnet dort droht ein Personalengpass.
Olaf Lies (SPD), Umweltminister von Niedersachsen, sitzt im Plenarsaal des Niedersächsischen Landtags. © Mia Bucher/dpa/Archivbild

Der Küstenschutz und das Wassermanagement in Niedersachsen sollen in den kommenden Jahren noch stärker auf die Anpassung an die erwarteten Folgen des Klimawandels ausgerichtet werden. «Wir werden in den nächsten Jahren viele Milliarden investieren müssen, um den Folgen des Klimawandels zu begegnen, weil wir die Infrastruktur, die wir haben, umbauen müssen», sagte Umweltminister Olaf Lies am Mittwoch in Norden (Landkreis Aurich). Er äußerte sich bei der Präsentation des Jahresberichts 2021/2022 des Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN), der auf vielen Feldern bereits die Klimafolgen-Anpassung betreibt.

- Küstenschutz: Mit höheren Deichen und modernisierten Sperrwerken wie der neuen Hadelner Kanalschleuse sollen Niedersachsens Küsten für künftig erwartete höhere Wasserstände gerüstet werden. «Wir haben da einen großen Handlungsbedarf in ganz Niedersachsen, insbesondere an der Elbe», sagte der Leiter des NLWKN-Geschäftsbereiches Planung und Bau, Jörn Drosten. Deshalb sollen an der Elbe nördlich von Hamburg, wie bereits andernorts, 26 Kilometer Deich in den nächsten Jahren um bis zu 1,5 Meter erhöht werden. Für die höheren Deiche werden allerdings auch bis zu neun Meter Fläche in der Breite benötigt - ein Problem, da diese Flächen teils wertvoll für den Naturschutz sind.

Um Deiche dennoch anpassen zu können, stellte Lies Ausnahmen beim Biotopschutz in Aussicht. «Wir haben den Naturschutz und den Küstenschutz. Ich glaube, an dieser Stelle ist das überwiegende öffentliche Interesse des Küstenschutzes so groß zu bewerten, dass wir Ausnahmen vom Biotopschutz machen können.»

- Grundwasser: Auch die Wasserwirtschaft muss laut Lies in den kommenden Jahren an die Folgen des Klimawandels angepasst werden. Studien zeigten bereits, dass künftig in Niedersachsen Hochwasser häufiger auftreten könnten - gleichzeitig aber auch Trockenphasen zunehmen und länger dauern könnten, berichtete die Leiterin des Geschäftsbereichs Wasserwirtschaft, Stephanie Gudat. Nach den trockenen Jahren 2018 und 2019 hätten sich die Grundwasserstände im Westen und Nordwesten des Landes etwas erholt. «Ganz anders sieht es im Osten Niedersachsens aus», sagte die Expertin. Dort sei nun - noch vor Sommerbeginn - eine knappe Grundwasserversorgung zu erwarten.

Umweltminister Lies sprach sich daher dafür aus, das aktuelle System der Binnenentwässerung, das überflüssiges Wasser etwa in die Nordsee leitet, in ein intelligentes Wassermanagementsystem umzubauen. Dabei gehe es darum, Wasser in trockenen Phasen möglichst lang für die Grundwasserneubildung in der Fläche zu halten und bei extremem Niederschlag möglichst schnell abzuführen, sagte Lies.

- Moorschutz: Beim Klimaschutz sollen künftig vor allem die Moore als wichtige Kohlenstoffspeicher stärker in den Fokus rücken. Bei der von der EU geförderten so bezeichnete Wiedervernässung der Hannoverschen Moorgeest seien bereits erste Erfolge zu verzeichnen, sagte Lies. Allerdings habe es zu lang gedauert, um sich mit den vielen einzelnen Flächeneigentümer des insgesamt 2243 Hektar großen Gebietes zu verständigen. «Da müssen wir uns Gedanken machen, wie das zukünftig schneller gelingt.» Mit einer Potenzialanalyse soll zudem nun landesweit erhoben werden, welche Moorflächen für eine Wiedervernässung in Betracht kommen.

- Personal: Sorgen bereitet dem Landesbetrieb die Stellenplanung. «Wir haben einen großen Generationswechsel vor uns», sagte Direktorin Anne Rickmeyer. Etwa die Hälfte der rund 1500 Beschäftigten werde in den kommenden 10 bis 15 Jahren in den Ruhestand verabschiedet. Deshalb werde intensiv daran gearbeitet, über Ausbildung und Qualifizierung das Wissen, das für die Klimafolgen-Anpassung benötigt werde, im Betrieb zu halten. Da viele Stellen befristet seien, sei es zudem schwer, Mitarbeiter dauerhaft zu halten.

© dpa
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