Speiseöl im Tank: Ab Bremen fliegen mit «grünem Kerosin»

10.05.2022 Auch die Luftfahrtbranche sucht nach Wegen, die CO2-Emissionen zu senken. In Bremen können Flugzeuge künftig einen Kraftstoff tanken, der aus alten Ölen und Fetten gewonnen wird.

Am Flughafen wird ein Airbus-Großraumtransportflugzeug mit dem nachhaltigem Kraftstoff befüllt. © Sina Schuldt/dpa

Der Airbus-Großraumtransportflieger Beluga XL macht es vor, möglichst viele Airlines sollen folgen: Das Fliegen mit nachhaltigem Kraftstoff. Am Flughafen Bremen ist am Dienstag erstmals eine Beluga vor dem Weiterflug nach Toulouse mit 36 Prozent «Sustainable Aviation Fuel» (SAF) der finnischen Firma Neste betankt worden. «Und es geht noch mehr», ist Sebastian Peters, Chef der weltweiten Logistik für Airbus-Zivilflugzeuge, überzeugt. «Sogar 100 Prozent sind möglich.»

In Bremen ist Airbus Erstkunde. Die Beluga-Flugzeuge sind bereits für eine Beimischung von 50 Prozent SAF zum herkömmlichen Kerosin zertifiziert. Ziel ist es, bis Ende dieses Jahrzehnts eine Zertifizierung von 100 Prozent SAF zu erreichen. Die Maschinen-Triebwerke können den nachhaltigen Treibstoff problemlos verwenden.

Für dessen Herstellung werden hauptsächlich gebrauchte Speiseöle sowie industrielle Abfallfette genutzt. Dadurch würden im Lebenszyklus bis zu 80 Prozent der CO2-Emissionen im Vergleich zu herkömmlichem Kerosin gespart. Der Treibstoff wird von Neste in Belgien hergestellt, per Lkw nach Bremen geliefert und am Flughafen separat gelagert. Er steht künftig allen Airlines zur Verfügung.

«Das ist ein großer Meilenstein für den Flughafen Bremen, Airbus Bremen und Airbus insgesamt», sagte Bremens Häfen-Staatsrat und Flughafen-Aufsichtsratschef Tim Cordßen- Ryglewski. Bremen förderte die Investition zur Anpassung des Tanklagers mit 550.000 Euro. Auch am Standort Hamburg nutzt Airbus bereits SAF.

Das Problem ist derzeit noch der Preis, denn SAF ist noch zwei- bis dreimal so teuer wie Kerosin. Es geht darum, die Nachfrage zu steigern und so die Kosten zu senken. «Am Anfang ist es teurer, es wird aber mehr produziert werden und dann wird es günstiger. Das ist die Zukunft», sagte Flughafen- Geschäftsführer Marc Cezanne.

Das Besondere in Bremen ist die Lagerung des SAF in Reinform. An anderen Standorten wird der Kraftstoffe dem herkömmlichen Kerosin bereits beigemischt. In Bremen wird er separat gelagert. «Wir können derzeit 50 Kubikmeter SAF direkt lagern», so Flughafen-Betriebsleiter Christian Knuschke. Dies seien knapp 50 Tonnen Treibstoff. Langfristig gibt es aber Kapazitäten von bis zu 650 Kubikmetern.

Ende März hatte Airbus einen ersten A380-Flug mit SAF-Flugzeugtreibstoff durchgeführt. Der Flug des A380-Testflugzeug vom Flughafen Blagnac in Toulouse dauerte etwa drei Stunden, wobei ein Rolls-Royce Trent 900-Triebwerk mit 100 Prozent SAF betrieben wurde. Im Dezember 2019 startete eine Beluga in Hamburg mit dem Einsatz von SAF.

Die Beluga wird in Bremen von nun an regelmäßig mit SAF als Beimischung betankt. Die Maschine bringt Flugzeugflügel vom Broughton in Großbritannien nach Bremen zur technischen Ausstattung und transportierte sie dann weiter zur Endmontage nach Toulouse. Das Großraumflugzeug ist mehrmals in der Woche in Bremen.

Im Jahr 2020 betrug die SAF-Produktion laut Airbus rund 190.000 Tonnen. Dies sei weniger als 0,1 Prozent des gesamten Kraftstoffverbrauchs der Branche. Neste produziert nach eigenen Angaben aktuell 100.000 Tonnen SAF pro Jahr. Die Produktion soll aber auf 1,5 Millionen Tonnen bis Ende 2023 erhöht werden.

© dpa

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