Lies schlägt zehn Prozent Abschüsse von Wölfen vor

Der Umgang mit dem Wolf ist ein umstrittenes Thema - geplagte Schafhalter kämpfen um ihre Existenz. Minister Lies schlägt einen gezielten Abschuss für das Land vor.
Ein Wolf steht in einem Gehege vom Wildpark Neuhaus im Solling. © Swen Pförtner/dpa/Archiv

In der Diskussion um den Umgang mit den Wolfsrudeln in Niedersachsen hat Umweltminister Olaf Lies einen jährlichen Abschuss von zehn Prozent vorgeschlagen. Dann würde die Population immer noch steigen. «Man darf den Wolf nicht vermenschlichen», sagte der SPD-Politiker am Montag bei einer Fachtagung in Visselhövede (Landkreis Rotenburg). Wenn der Herdenschutz nicht greife, müsse konsequent gehandelt werden. Nicht mehr als 500 Tiere vertrage das Land. Derzeit leben etwa 400 Wölfe in Niedersachsen.

Für wolfsfreie Zonen setzte sich Marco Mohrmann von der CDU ein. Man könne sich skandinavische Länder zum Vorbild nehmen, wo Abschüsse klarer geregelt seien. Der Vizepräsident des Landvolks, Jörn Ehlers, forderte neben einer sofortigen Bestandsregulierung einen höheren Schadenersatz bei Schäden für die Schafhalter.

Niedersachsen verzeichnet neben Sachsen und Brandenburg die meisten Wölfe. Zum Ende des Sommers wurden für das Land 44 Wolfsrudel und 4 Einzelwölfe bestätigt, wie es im Wolfsmonitoring heißt. In 30 Rudeln habe es mindestens 63 Welpen gegeben. Das macht besonders Schafhaltern zu schaffen, die oftmals um die Existenz kämpfen.

In den vergangenen Jahren wurden im Land etwa 700 bis 800 gerissene Nutztiere pro Saison gemeldet, darunter vor allem Schafe, Rinder und Ziegen. Nicht alle Risse wurden in der Statistik vermerkt.

Das Landvolk fordert stellvertretend für Weidetierhalter und Jäger ein sogenanntes aktives Wolfsmanagement, also die gezielten Abschüsse «nicht nur für die Abwehr von Gefahren für Menschen», sondern unter anderem auch für den Schutz von Weidetieren, zur Erhaltung von Weidelandschaften und zum Schutz des übrigen Tierartenspektrums. Die Wölfe vermehrten sich jährlich etwa um 30 Prozent, führte Sebastian Kuhlmann, Geschäftsführer des «Aktionsbündnisses aktives Wolfsmanagement», an.

Vor vielen Jahren sei es unvorstellbar gewesen, dass der Wolf an die Küste kommt, inzwischen sei das Realität. «Wir wollen unsere Kulturlandschaft nicht mit Zäunen verschandeln», betonte Kuhlmann. Mit der Aufnahme ins Jagdrecht habe man in Niedersachsen bereits ein Ziel erreicht. Die nächsten Ziele seien eine Entbürokratisierung und weitere Schritte auf EU-Ebene.

Weidetierhalter wollen auf ihre Situation mit Mahnfeuern am Freitagabend aufmerksam machen. «Die europäische Strategie einer Koexistenz der Weidewirtschaft mit diesem Raubtier ist grandios gescheitert und muss neu diskutiert werden», sagte Wendelin Schmücker, Vorsitzender des Fördervereins der Deutschen Schafhaltung.

© dpa
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