Kläranlagen beklagen Lieferengpässe bei Chemikalien

Die gestiegenen Energiepreise belasten die Produktion in der Chemiebranche. Viele Stoffe sind knapp. Nun fehlt es an Salzsäure, was Folgen für die Umwelt haben könnte. Kläranlagen müssen umplanen.
Nachklärbecken im Klärwerk. © Jan Woitas/dpa/Archivbild

Zahlreiche Kommunen, Abwasserbetriebe und Wasserverbände sind derzeit von Lieferengpässen von bestimmten Chemikalien zur Reinigung des Abwassers betroffen. Sogenannte Fällmittel - Eisen- oder Aluminiumsalze - binden normalerweise bei der Wasserreinigung im Abwasser gelöste Phosphate und verhindern damit, dass diese in hoher Konzentrationen in Flüsse gelangen. Die knappe Salzsäure ist ein Grundprodukt für die Herstellung von Fällmitteln. Ganz ohne Fällmittel wären kommunale Kläranlagen gezwungen, Abwässer mit hohem Phosphatgehalt in die Flüsse einzuleiten.

Betroffen ist auch die Kläranlage im Landkreis Lüneburg, an die rund 150.000 Haushalte angeschlossen sind. «Unsere Vorräte an Eisenchloridsulfat reichen noch für rund drei Wochen aus», sagte Geschäftsführer Lars Strehse. Mit Hochdruck arbeite das Unternehmen daran, Alternativen für die Reinigung zu finden. Erfolgreich verliefen bisher Labortests zum Einsatz von Aluminiumsulfat. «Wir wollen noch diesen Monat im großen Stil mit dem Einsatz des alternativen Fällmittels beginnen», sagt er. Von Aluminiumsulfat würden erheblich größere Mengen benötigt als von Eisenchloridsulfat. Zudem sei der Bedarf auch in anderen Betrieben hoch, so dass die Einkaufspreise dementsprechend gestiegen sind.

«Ganz ohne Fällmittel müssten die Abwässer mit höherem Phosphatgehalt in die Ilmenau eingeleitet werden, so dass zulässige Grenzwerte überschritten werden könnten», erklärte Strehse. Bei übermäßigem Phosphatgehalt kann es zu verstärktem Wachstum von Algen und anderen Wasserpflanzen kommen, der Sauerstoffgehalt im Gewässer sinkt.

«Wir sind in engem Austausch mit den Herstellern und unterstützen bei der Vernetzung aller relevanten Akteure. Absolute Priorität hat dabei die direkte Produktion von Fällmitteln, die bisher als Nebenprodukt eines chemischen Produktes entstehen», sagte Umweltminister Olaf Lies. «Wer für die sichere Aufbereitung von Abwässern verantwortlich ist, muss alles dafür Nötige in ausreichenden Mengen in Deutschland erwerben können. Wegen der akuten Mangellage haben wir per Erlass Lösungswege an die Unteren Wasserbehörden versandt, um diese und die Kläranlagenbetreiber rechtlich zu unterstützen.»

Zusätzlich zum Erlass seien Hinweise an die Anlagenbetreiber mit versandt worden. Der Betreiber wurde darauf hingewiesen, den Fällmittel-Einsatz so zu reduzieren, dass sich die Ablaufwerte knapp unterhalb des Überwachungswertes einstellen. Weiterhin soll der Anlagenbetreiber die Möglichkeit prüfen, ob die Abwasserreinigung auf alternative Fällmittel umgestellt werden kann.

© dpa
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