Afrikanische Schweinepest in Betrieb im Emsland ausgebrochen

03.07.2022 Jetzt ist es passiert: Die Afrikanische Schweinepest ist auch in Niedersachsen ausgebrochen - in einem Betrieb im Emsland. Von der Sperrzone sind viele weitere Betriebe betroffen. Es ist der erste Fall der Tierseuche in dem Bundesland. Überraschend kam er nicht.

Schweine warten in einen Anhänger auf den Transport zum Schlachthof. © Lars Klemmer/dpa

Die hochansteckende Afrikanische Schweinepest hat Niedersachsen erreicht. Die Krankheit brach in einem Betrieb mit 280 Sauen und rund 1500 Ferkeln in Emsbüren im Landkreis Emsland aus. Das nationale Referenzlabor, das Friedrich-Loeffler-Institut, bestätigte den Befund des Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, wie das Landwirtschaftsministerium am Samstag in Hannover mitteilte. Dies ist nach Ministeriumsangaben der erste Fall in Niedersachsen. Auch in einem Schweinemastbetrieb in Brandenburg wurde die Tierseuche nachgewiesen. Die Schweinepest ist für Menschen ungefährlich und nicht ansteckend.

«Es war leider nur eine Frage der Zeit, wann die Schweinepest auch Niedersachsen erreicht», sagte Ministerin Barbara Otte-Kinast. «Alle Experten haben seit Jahren davor gewarnt. Nun ist es leider Realität geworden», erklärte die CDU-Politikerin. Am Sonntagmorgen wurde begonnen, die Tiere zu töten. Die «Bestandsräumung» sollte voraussichtlich den ganzen Tag dauern. «Das ist für den Tierhalter ein ganz harter Schlag», betonte Otte-Kinast. Die Kontaktbetriebe werden recherchiert.

Die Eintragsursache war zunächst unbekannt, auch gibt es keine «heiße Spur», wie Otte-Kinast sagte. Um den Betrieb wurde für mindestens 30 Tage eine Sperrzone in einem Radius von insgesamt zehn Kilometern eingerichtet. In diesem Gebiet liegen 296 Schweinebetriebe, in denen insgesamt rund 195.000 Schweine gehalten werden. Von den betroffenen Betrieben in der Sperrzone werden Stichprobenuntersuchungen in den Beständen vorgenommen.

Die Sperrzone erstreckt sich auch auf Gebiete des angrenzenden Landkreises Grafschaft Bentheim, allein dort sind 70 Betriebe mit rund 63.300 Schweinen betroffen, wie der Landkreis mitteilte. Der Ackerbau ist nach Ministeriumsangaben außen vor, weil der Fall im Stall aufgetreten sei und derzeit keine Wildschweine betroffen seien. Der betroffene Betrieb im Emsland könne mit einer Entschädigung aus der Tierseuchenkasse rechnen.

«Unser wichtigstes Ziel ist es nun, die weitere Ausbreitung zu verhindern, damit wir keinen Flächenbrand erleben. Achten Sie auf die Einhaltung der Biosicherheit in ihrem Betrieb», sagte Otte-Kinast an die Landwirtinnen und Landwirte gewandt. Sie warnte vor «Seuchen-Tourismus» im Emsland, das Virus sei stabil und bleibe in der Umwelt lange infektiös. Die Landkreise Emsland und Grafschaft Bentheim wollen entsprechende Verfügungen veröffentlichen, die am Dienstag in Kraft treten sollen - von da an dürfen etwa keine lebenden Schweine mehr in die Sperrzone gebracht werden.

Die Afrikanische Schweinepest ist eine ansteckende Viruserkrankung bei Haus- und Wildschweinen, die fast immer tödlich verläuft und unheilbar ist. Es gibt keine Möglichkeit, die Schweine durch eine vorbeugende Impfung zu schützen. Die Erkrankung kann direkt von Tier zu Tier übertragen werden oder indirekt vom Menschen über kontaminierte Gegenstände wie Kleidung und Schuhe sowie Futter, auch in andere Gebiete. In der Regel geht sie mit Fieber einher, die Tiere stellen das Essen ein und sterben schnell.

Der erste Fall in Deutschland war im September 2020 bestätigt worden, bei einem Wildschwein in Brandenburg. Mitte Juli 2021 wurde die Krankheit erstmals auch in einem Schweinemastbetrieb in Deutschland registriert. Seitdem stellte man Ausbrüche in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Baden-Württemberg fest.

Der Nachweis schrecke die gesamte niedersächsische Landwirtschaft auf, schrieb die agrarpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion im Landtag, Karin Logemann: «Seit dem Bekanntwerden der Fälle im Baltikum und in Polen 2014 mussten wir mit dieser Nachricht rechnen. Nach dem Preisverfall für Schweinefleisch und der ohnehin sinkenden Zahl der Tierbestände ist für die Branche jetzt der Worst Case eingetreten.» Es müsse schnellstmöglich geklärt werden, wie der Virus-Eintrag erfolgt sei, um die weitere Ausbreitung zu verhindern.

Das Landvolk Niedersachsen erklärte, es gebe einen Kontaktbetrieb im Raum Freren, dort liefen die Untersuchungen. «Was lange befürchtet wurde, ist eingetreten, bisher ohne klar erkennbare Ursache», sagte Landvolk-Vizepräsident Jörn Ehlers. Das Aufstellen eines Schutzzaunes sei vorerst nicht nötig, weil es sich nicht um einen Ausbruch bei Wildschweinen handele.

Auch in Brandenburg gibt es einen neuen Ausbruch in einem schweinehaltenden Betrieb, laut Landvolk gibt es keinen Zusammenhang mit dem Ausbruch in Niedersachsen. Mecklenburg-Vorpommerns Landwirtschaftsminister Till Backhaus mahnte schweinehaltende Betriebe «dringend, alle Maßnahmen zu ergreifen, die vermeiden können, dass der Mensch die Seuche in die Ställe trägt». Er rief die Jäger auf, sogenanntes Schwarzwild, also Wildschweine, zu bejagen. «Nur so besteht die Chance, das aktive Seuchengeschehen in den Beständen einzudämmen», betonte der SPD-Politiker. Er forderte, der Bund muss die Länder stärker unterstützen.

Greenpeace forderte ein Umdenken in der Haltung: Massenkeulungen zeigten, dass das bestehende «Schweinesystem in Deutschland» strukturell, ökonomisch und ethisch am Ende sei. Die massive Konzentration von zu vielen Tieren auf wenig Raum «bringt nicht nur enorme Tierschutz- und Umweltprobleme mit sich», schrieb der Landwirtschaftsexperte Martin Hofstetter. Tierseuchen könnten sich besonders schnell ausbreiten. An den Wurzeln des Übels sei nichts verändert worden. «Wir müssen das bestehende hoch spezialisierte tierschutzwidrige Schweinesystem beenden und die Tierhaltung - insbesondere in den Intensivregionen - schnell und drastisch zurückfahren.»

© dpa

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