Ursache für Schweinepest-Ausbruch noch nicht gefunden

Der Ausbruch der gefürchteten Schweinepest in einem Sauenbetrieb im Emsland vor rund drei Wochen hat die Branche geschockt. Aber die Behörden reagierten routiniert - jahrelange Vorbereitung hat sich ausgezahlt.
Schweine warten in einen Anhänger auf den Transport zum Schlachthof. © Lars Klemmer/dpa/Archivbild

Mit der Inbetriebnahme eines gemeinsamen Zentrums zur Tierseuchenbekämpfung in Nordhorn haben die Landkreise Grafschaft Bentheim und Emsland am Mittwoch einen weiteren Schritt bei der Bekämpfung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) gemacht. Anfang Juli war auf einem sauenhaltenden Betrieb in Emsbüren (Landkreis Emsland) das für Tiere hochgefährliche Virus festgestellt worden. Die Tiere - 280 Sauen und 1500 Ferkel - mussten getötet werden. Trotz intensiver Untersuchungen steht bislang nicht fest, wie der Krankheitserreger auf den Betrieb gekommen war, sagte der Leiter der Kreisveterinäramtes in der Grafschaft Bentheim, Hermann Kramer. Es handele sich um einen vorbildlich geführten Betrieb, Hinweise auf ein schuldhaftes Verhalten gebe es nicht. Auf anderen Betrieben wurde der Erreger noch nicht gefunden.

Die Behörden in beiden Landkreisen hätten auf den Ausbruch schnell reagiert, betonte Kramer. Um den Seuchenbestand wurde eine Schutzzone mit einem Radius von rund drei Kilometern festgelegt sowie eine Überwachungszone, die auch in die Grafschaft Bentheim hineinreicht. In diesen Bereichen gelten strenge Auflagen für die Tierhalter; die Tiere müssen in Ställen gehalten werden, auch Transport und Vermarktung sind eingeschränkt. Im Emsland sind 182 Betriebe mit 131.000 Tieren betroffen, in der Grafschaft Bentheim weitere 70 Betriebe mit rund 63.000 Schweinen.

Der Landrat der Grafschaft Bentheim, Uwe Fietzek (CDU), wies auf die großen wirtschaftlichen Folgen der Tierseuche für die Region hin. Es greife zu kurz, von der Afrikanischen Schweinepest nur als eine für Tiere gefährliche Krankheit zu sprechen. «Ein Ausbruch hätte für die betroffenen Betriebe und Familien katastrophale Folgen», sagte er.

Schon seit 2003 gebe es in Niedersachsen Notfallpläne für den Fall eines Tierseuchenausbruchs, sagte Kreisveterinär Kramer. Vorbild für einen systematischen Aktionsplan beim Ausbruch einer Tierseuche seien die Niederlande gewesen. Mit den Nachbarlandkreisen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen gebe es einen intensiven Erfahrungs- und Datenaustausch. Auch mit beiden Bundesländern gebe es unterjährig Arbeitstreffen zu dem Thema. Die Weser-Ems-Region in Niedersachsen, das Münsterland und Ostwestfalen-Lippe gehören zu den Landstrichen in Deutschland mit den größten Tierbeständen.

Schon seit 2007 testet der Landkreis den Wildschweinbestand in der Region auf das ASP-Virus, sagte Kramer. Bislang seien keine kranken Tiere festgestellt worden. Allein in diesem Jahr seien im Bereich der nun eingerichteten Überwachungszone 41 Proben von Wildschweinen untersucht worden. Auch Ort in den Wäldern, wo sich kranke Tiere gerne zurückzögen, habe der Landkreis mit Hilfe der Jägerschaft im Blick. «Die eine Sorge ist, dass über kranke Wildschweine die Afrikanische Schweinepest in die Ställe kommt, die andere Sorge, dass aus den Ställen der Erreger in die Wildschweinpopulation gelangt.»

Das Logistikzentrum zur Tierseuchenbekämpfung befindet sich im Nordhorner Stadtteil Klausheide an einem Flugplatz. Die Grenze zum Nachbarkreis Emsland ist in der Nähe. Genutzt wird ein Flugzeughangar, der im Seuchenfall schnell aus- und eingeräumt werden kann.

Mit dem Mittwoch begann der Landkreis Grafschaft Bentheim, in den schweinehaltenden Betrieben in der Überwachungszone stichprobenartig die Tiere auf den Krankheitserreger zu untersuchen. Pro Stall werden von 29 Tieren Blutproben genommen, die anschließend im Labor untersucht werden, erklärte Kramer.

Die Proben werden im Logistikzentrum entgegengenommen und registriert. Anschließend werden die Fahrzeuge gründlich in einer vom Technischen Hilfswerk bereitgestellten Schleuse gereinigt und desinfiziert. Die Einwegschutzkleidung der Veterinäre wird entsorgt, die Tierärztinnen und Tierärzte müssen sich anschließend duschen. Damit soll verhindert werden, dass das ASP-Virus in der Region verbreitet wird.

© dpa
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