Metall-Tarifverhandlungen erneut vertagt: Warnstreiks drohen

Die vor einigen Wochen gestartete Metall-Tarifrunde entwickelt sich zu einer der schwierigsten seit langem. Gewerkschaft und Arbeitgeber sind uneins, wie man mit Inflation und Energiekrise umgehen soll. Die IG Metall erwartet ein Angebot - sonst werde der Ton deutlich rauer.
"Warnstreik" steht auf einem Transparent. © Paul Zinken/dpa/Symbolbild

Der Tarifkonflikt in der niedersächsischen Metall- und Elektroindustrie schaukelt sich weiter hoch. Gewerkschaft und Arbeitgeber brachen ihr zweites Treffen am Dienstag nach nur etwas mehr als einer halben Stunde ergebnislos ab. Voraussichtlich kommen sie Ende Oktober wieder zusammen - kurz vor dem Auslaufen der Friedenspflicht. Danach könnten erste Warnstreiks folgen, deren Vorbereitung die IG Metall nun bereits andeutete. Sie kritisierte, es gebe immer noch kein Tarifangebot des Verbands Niedersachsenmetall.

«Wir sind sehr enttäuscht über das Verhalten der Arbeitgeberseite», sagte der Bezirkschef der Gewerkschaft, Thorsten Gröger, der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. «Seit vier Wochen haben wir unsere Forderungen ausführlich erläutert. Aber es lag auch heute wieder nichts auf dem Tisch, was verhandelt werden konnte.»

Sein Gegenüber Torsten Muscharski sprach von schwierigen Beratungen. «Aber wir haben durchaus Ideen präsentiert, wie ein Rahmen gestaltet sein könnte.» Vorschläge, in den neuen Tarifvertrag «Komponenten der Differenzierung und Variabilisierung» aufzunehmen, habe die IG Metall nicht näher diskutieren wollen. Gemeint sind flexible Bestandteile wie Öffnungsklauseln für Firmen, die in einer bedrohlichen Lage sind.

Die Positionen der Tarifpartner liegen nach wie vor weit auseinander. Während die IG Metall acht Prozent mehr Geld für die Beschäftigten verlangt, um die Kaufkraft gegen die Inflation zu stabilisieren, verweist der Verband auf die Kostenlast bei Energie und Rohstoffen.

«Wir haben deutlich gemacht, dass die Beschäftigten eine deutliche Erwartungshaltung an ihre Arbeitgeber haben bei der Frage, wie sie mit den Preisen klarkommen sollen», sagte Gröger. Niedersachsenmetall sei jetzt aufgefordert, schnellstmöglich ein Tarifangebot vorzulegen. Die Zeit werde für viele Haushalte knapp, ebenso die Zeit zwischen dem für Ende Oktober anberaumten Fortsetzungstermin und möglichen Warnstreikbeschlüssen: «Das bringt uns in die Situation, dass wir uns mit der Vorbereitung von Auseinandersetzungen befassen müssen.»

Nach Wahrnehmung Muscharskis sind separate Lösungen für besonders von der Energiepreis-Inflation getroffene Betriebe unerlässlich. Solche Öffnungen habe die IG Metall in früheren Runden durchaus akzeptiert - er wundere sich, warum das diesmal nicht so sei.

© dpa
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