Seehafenbetriebe fordern Verdi zu Kompromissbereitschaft auf

Sieben Verhandlungsrunden haben Seehafenbetriebe und Verdi vergeblich um einen neuen Tarifvertrag gerungen. Das Ergebnis: Heftige Streiks wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Die Arbeitgeber appellieren nun an die Verantwortung beider Seiten für die systemrelevanten Häfen.
Ein Containerschiff legt am Containerterminal Eurogate im Waltershofer Hafen in Hamburg an. © Christian Charisius/dpa/Archivbild

Im festgefahrenen Tarifkonflikt um die Löhne der Hafenarbeiter haben die Arbeitgeber die Gewerkschaft Verdi zu Kompromissbereitschaft aufgefordert. Ein Kompromiss müsse gefunden werden «im Sinne der Verantwortung, die wir gemeinsam dafür haben, dass die Seehäfen funktionieren», sagte die Verhandlungsführerin des Zentralverbandes der deutschen Seehafenbetriebe (ZDS), Ulrike Riedel, der Deutschen Presse-Agentur. Beide Seiten haben in bislang sieben Verhandlungsrunden um einen neuen Tarifvertrag für die Hafenarbeiter an den Nordseehäfen zu schließen. Begleitet waren die Verhandlungen von drei Warnstreiks, mit denen Verdi zuletzt in der vorigen Woche die Abfertigung von Schiffen für 48 Stunden lahmgelegt hatte.

«Die Schwierigkeit in diesen Verhandlungen ist, dass wenn wir über Lösungswege diskutieren, Verdi sehr wenig kompromissbereit ist», kritisierte Riedel. «Wir sprechen über Szenarien und Angebote, aber Verdi bleibt bei der Ursprungsforderung, so dass Annäherungsschritte im Moment nicht belastbar sind. Aber wir brauchen Annäherung, wir brauchen einen Kompromiss, und das heißt immer, dass beide Seiten nachhaltig Schritte auf den anderen zugehen.»

Eine derart heftige Tarifauseinandersetzung mit Streiks in den Häfen liegt in der kleinen, aber wichtigen Branche mehr als 40 Jahre zurück. Aus Sicht der Arbeitgeber ist Verdi von einem langjährigen, eher konsensorientierten Kurs abgekommen. «Es gab lange Jahre das gemeinsame Verständnis, dass keine Seite die andere überfordern darf», sagte Riedel. Beide Seiten hätten immer im Blick behalten, was ein Abschluss für die unterschiedlich leistungsfähigen Sparten der Hafenbranche bedeute. «Ich erlebe das in dieser Runde nicht mehr so.»

Die Gewerkschaft ist mit einem Forderungspaket in die Verhandlungen gegangen, das nach Verdi-Angaben in der Spitze Lohnerhöhungen von bis zu 14 Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten bedeutet. Weitere Arbeitskämpfe sind bis Ende August ausgeschlossen. «Verdi stellt das Thema Inflation absolut in den Mittelpunkt» sagte Riedel.

Angesichts der aktuell hohen Teuerung um die acht Prozent habe die Arbeitgeberseite zuletzt versucht, «über das Thema Laufzeit einen Kompromiss zu finden zwischen dem Thema hohe Forderung und Inflationsausgleich und dem Thema, wie können wir es sicherstellen, dass die Betriebe das auch wirtschaftlichen leisten können. Der ZDS beziffert das aus mehreren Komponenten bestehende Angebot über eine Laufzeit von 24 Monate mit 12,5 Prozent für die Containerbetriebe und 9,6 Prozent in konventionellen Betrieben sowie 5,5 Prozent für angeschlagene «Beschäftigungssicherungsbetriebe», die einem Sanierungstarifvertrag unterliegen.

«Es fällt mir nicht ganz leicht, mir vorzustellen, an welchen Stellschrauben wir jetzt noch drehen sollen», sagte Riedel. «Mit Blick auf die lange Laufzeit ist die Frage einer Anpassung im zweiten Jahr ein Punkt, über den wir im Moment noch diskutieren und wo wir über mögliche Mechanismen und Kriterien gesprochen haben. An dieser Stelle könnten wir mit Sicherheit noch einsteigen und das verfeinern», deutete sie einen möglichen Lösungsweg an.

© dpa
Weitere News
Top News
Fußball news
Nationalmannschaft: Sammer Kandidat nach Bierhoff-Aus - Flicks Trennungsschmerz
People news
Leute: «Großartige Komikerin» - «Cheers»-Star Kirstie Alley ist tot
Tv & kino
Castingshow: «DSDS»: Der Tag von Dieter Bohlens Rückkehr steht fest
Internet news & surftipps
Ausweis: EU-Staaten einig: Digitaler Identitätsnachweis rückt näher
Das beste netz deutschlands
Werkzeug zur Miete: iPhone und Mac: Apple startet Self-Service-Reparatur
People news
Zivilklage: Gericht: Juan Carlos kann sich auf Immunität berufen
Familie
AOK-Studie: Familien in Deutschland geht es schlechter
Das beste netz deutschlands
Warntag: Ist Cell Broadcast auf Ihrem Smartphone aktiv?
Empfehlungen der Redaktion
Regional hamburg & schleswig holstein
Tarifkonflikt: Verdi besteht auf Reallohnsicherung für alle Hafenarbeiter
Wirtschaft
Nordseehäfen: Tarifstreit für Hafenarbeiter gelöst
Wirtschaft
Tarifkonflikt: Stillstand in Nordseehäfen - keine Streiks bis Ende August
Regional hamburg & schleswig holstein
Tarifkonflikt: 48-stündiger Warnstreik der Hafenarbeiter beendet
Regional hamburg & schleswig holstein
Gewerkschaft: 24-Stunden-Warnstreik droht deutsche Seehäfen lahmzulegen
Regional hamburg & schleswig holstein
Schifffahrt: Verhandlungen im Tarifkonflikt für Hafenarbeiter vertagt
Wirtschaft
Tarife: An Deutschlands Seehäfen droht wegen Warnstreiks Stillstand
Regional niedersachsen & bremen
Gewerkschaft Verdi: Warnstreiks der Hafenarbeiter legen Schiffsabfertigung lahm