Mehr Badetote in Niedersachsen

Wenn es draußen heiß wird, sehnen sich viele Menschen nach dem kühlen Nass - nach Meer, Strand, aber auch Seen und Flüssen. Dabei drohen Gefahren: Zwischen Januar und Juli 2022 starben in Niedersachsen mehr Menschen bei Badeunfällen. Die DLRG sieht klare Gründe dafür.
Die Rettungsschwimmerinnen Linda (hinten) und Charlotte beobachten vom Hauptturm der DLRG am Ostseestrand auf der Halbinsel Darss-Fischland-Zingst den Badebetrieb. © Jens Büttner/dpa

Die Zahl der tödlichen Badeunfälle in Niedersachsen ist in den ersten sieben Monaten 2022 spürbar gestiegen. Insgesamt ertranken von Januar bis Juli 23 Menschen in dem Bundesland beim Baden - im Vorjahreszeitraum waren es 15, wie die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) am Donnerstag im schleswig-holsteinischen Ostseebad Damp zur Zwischenbilanz mitteilte. «Der trockene und sehr warme Mai hat viele Menschen direkt zu Wassersport und Erholung an die Gewässer gelockt», erklärte DLRG-Präsidentin Ute Vogt.

In Bremen allerdings gab es im laufenden Jahr bislang weniger Badetote: Dort ertranken zwei Menschen - nach drei Badetoten im Vorjahreszeitraum. Bundesweit stieg die Zahl der ertrunkenen Menschen nach DLRG-Zahlen von Januar bis Juli im Vergleich zum Vorjahr um 15 auf mindestens 199. Seit Beginn der Badesaison Anfang Mai zählten die Lebensretter 136 Tote, 9 mehr als im Vorjahreszeitraum. Die Mehrzahl der Unfälle ereignet sich demnach im Binnenland in zumeist unbewachten Gewässern, in Flüssen und Seen ertranken 180 Menschen - das entspricht 90 Prozent der Fälle.

«Wir appellieren an die Vernunft der Menschen, nicht in völlig unbeaufsichtigten Seen und schon gar nicht in Flüssen schwimmen zu gehen», mahnte Vogt. «Wenn dort etwas passiert, ist die Aussicht auf lebensrettende Hilfe oft gleich null.» In Nord- und Ostsee starben bisher vier Menschen, 2021 waren es 16. Insgesamt starben die meisten Menschen in Bayern (42) beim Baden, gefolgt von Nordrhein-Westfalen (30) und Niedersachsen.

In Niedersachsen ertranken jeweils sechs Menschen in einem See oder Fluss, fünf in einem Teich, zwei in einem Kanal. Die übrigen starben etwa in Hafenbecken oder im Meer. Wie vor einem Jahr waren in beiden Bundesländern vor allem Männer betroffen. In Niedersachsen waren in dem Zeitraum 20 Männer unter den Opfern, aber nur drei Frauen. In Bremen starben zwei Männer, eine Frau war nicht unter den Badetoten. Allein im Juli ertranken in Niedersachsen 8 Menschen, im Mai und Juni waren es jeweils 2, im April 5 und im Februar 4.

In der Altersgruppe zwischen einem und 40 Jahren ertranken in Niedersachsen in dem Zeitraum bis Juli vier Menschen, in den Altersgruppen darüber waren es 17. In zwei Fällen lag keine Altersangabe vor.

«Die Zahl der Ertrunkenen wäre noch deutlich größer, wenn Rettungsschwimmerinnen und Rettungsschwimmer nicht auch immer wieder zur Stelle wären», sagte der Leiter Verbandskommunikation im DLRG-Präsidium, Frank Villmow. «Immer wieder zeigt sich, dass vor allem Selbstüberschätzung, übermütiges Handeln und Unkenntnis über Gefahren zu Unfällen führen.» In vielen Fällen stellten die Retter demnach fest, dass die Geretteten kaum oder gar nicht schwimmen können.

DLRG-Präsidentin Vogt betonte, in der Corona-Pandemie hätten viel weniger Kinder als üblich Schwimmen gelernt. Außerdem seien nur halb so viele Rettungsschwimmer ausgebildet worden wie in normalen Jahren - viele Freibäder suchten nun vergeblich nach Personal für die Badeaufsicht. Der DLRG sei es deutlich schwerer gefallen, die Stationen an Nord- und Ostsee zu besetzen. «Sowohl in der Schwimm- als auch in der Rettungsschwimmausbildung sind weitere große Anstrengungen nötig, um das Verlorene aufzuholen», forderte Vogt. Sie warnte davor, die Schwimmbäder angesichts der Gasknappheit im Herbst und Winter flächendeckend zu schließen.

© dpa
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