VW: 2,4 Milliarden Euro in Kooperation mit KI-Firma in Chin

Fahrzeuge als «intelligente» Maschinen, die autonom fahren - das soll spätestens ab Mitte des Jahrzehnts das wichtigste Thema in der Autobranche sein. Wie so oft gibt China dabei das Tempo vor. Europas größter Hersteller tut sich dort nun mit einem Spezialisten zusammen.
Das Markenhochhaus von Volkswagen auf dem Gelände des Autokonzerns in Wolfsburg. © Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

Der Volkswagen-Konzern will mit einer Großinvestition in die Entwicklung eigener Technologien für das autonome Fahren auf dem wichtigsten Automarkt China einsteigen. Die Software-Sparte Cariad und ihr Partner Horizon Robotics bestätigten am Donnerstag die geplante Gründung einer Gemeinschaftsfirma.

Die Deutschen wollen insgesamt etwa 2,4 Milliarden Euro in die Kooperation stecken und mit einer 60-Prozent-Beteiligung die Mehrheit an dem Unternehmen halten. Für das Joint-Venture im engeren Sinn sind rund 1,3 Milliarden Euro vorgesehen. Stimmen die Behörden zu, soll der Schritt bereits im ersten Halbjahr 2023 umgesetzt sein.

Es geht um das Co-Design von Software und spezialisierten Mikrochips für das hoch automatisierte und am Ende auch autonome Fahren. Hier gilt China als ein Markt mit besonders hoher Dynamik. Horizon Robotics befasst sich mit künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen und Vernetzungsplattformen für Verkehrssysteme.

Nach Angaben aus Konzernkreisen vom Mittwoch würde das Joint-Venture nach Anlaufproblemen einen zentralen Baustein der Digitalisierungs- und China-Strategie von Europas größter Autogruppe bilden. Ziel ist es, auch im Geschäft mit eigener Software und Elektronik lokale Expertise in der Volksrepublik aufzubauen und unabhängiger zu werden.

«Wir werden unsere Entwicklungsressourcen hier deutlich ausbauen», sagte Volkswagens China-Vorstand Ralf Brandstätter. Binnen kurzer Zeit solle die Zahl der Fachleute auf über 1200 wachsen. «Bei der Halbleiter-Entwicklung sitzen wir dann nicht mehr am Spielfeldrand, sondern stehen mit auf dem Platz. Das gilt insbesondere für das Design von Halbleitern, die Grundlage für das autonomen Fahren sind.»

Außerdem wolle man nicht mehr so stark wie bisher auf große externe Lieferanten angewiesen sein. Laut Cariad-Chef Dirk Hilgenberg wird es einen Konzernvertreter in der Leitung von Horizon Robotics geben. In China arbeitet VW bereits seit langem in der Fahrzeugproduktion und seit einiger Zeit auch bei Batteriezellen mit inländischen Anbietern zusammen. Die Kooperation bei Software fürs autonome Fahren soll sich vorerst ausschließlich auf Modelle in der Volksrepublik beziehen.

«Eine Übertragung unserer hier entwickelten Technologien auf andere Märkte ist zunächst nicht vorgesehen», erklärte Brandstätter. «Es geht erst einmal darum, sie im Land selbst möglichst schnell zum Einsatz zu bringen.» Bis 2030 dürften laut seiner Schätzung dort 50 bis 60 Prozent aller Autos mit intelligenter Vernetzungstechnik unterwegs sein. Das erarbeitete Know-how stehe anschließend jedoch allen Bereichen des Volkswagen-Konzerns zur Verfügung.

Weitere Autobauer und Zulieferer haben ebenso ein Auge auf Horizon Robotics geworfen - darunter Continental oder der chinesische Hersteller BYD, wo Sixt über die kommenden Jahre 100 000 E-Fahrzeuge bestellen will. Conti hatte 2021 seinerseits die Gründung eines Joint-Ventures mit Horizon Robotics bekanntgegeben. Die Firma selbst entstand 2015, sie entwickelt KI-Prozessoren sowie Algorithmen für automatisierte Fahrfunktionen und Sicherheit im Straßenverkehr. Chef Kai Yu gab sich am Donnerstag «überzeugt, dass wir ein attraktiver Partner für internationale Automobilhersteller in China sein werden».

VW hatte in den beiden letzten Jahren Marktanteile im Reich der Mitte verloren, was vor allem an der Chip- und Corona-Krise lag. Die Versorgung verbessert sich nach Auffassung des Konzerns jetzt wieder. Ein Problem waren aber auch spezielle Kundenwünsche bei Entertainment- und sonstiger Bord-Software, die sich zunächst nicht bedienen ließen. Bei der zugehörigen Ausstattung gebe es klaren Nachholbedarf, hieß es zuletzt in Wolfsburg.

© dpa
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