Niedersächsische Häfen setzen aufs Geschäft mit der Energie

Die Nachwirkungen von Corona und der Krieg in der Ukraine haben den Häfen in Hamburg und Bremen 2022 das Geschäft verdorben. Bei den Häfen in Niedersachsen sieht das hingegen anders aus.
Das Containerschiff „Morten Maersk“ liegt an einer Kaimauer am Containerterminal JadeWeserPort. © Hauke-Christian Dittrich/dpa/Archivbild

Flüssigerdgas, Wasserstoff, Windkraft - die niedersächsischen Seehäfen sehen ihre Zukunft als Drehscheibe für die deutsche Energieversorgung. Bei der Vorstellung der Häfenbilanz sagte Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD), 2022 sei in Rekordzeit bei Wilhelmshaven ein Terminal zur Anlandung von verflüssigtem Erdgas (LNG) gebaut worden. Ein zweiter Terminal in Stade solle möglichst Ende 2023 in Betrieb gehen. Danach sei ein zweiter, fest installierter Anleger wiederum in Wilhelmshaven geplant.

Der Norden Deutschlands übernehme damit Verantwortung für die Energieversorgung des Industriestandorts Deutschland. «Wir sind das Tor für Energie», sagte der Minister am Donnerstag in Oldenburg. Viele Offshore-Windkraftanlagen werden von niedersächsischen Häfen aus gebaut und versorgt. Dies gilt vor allem für Cuxhaven. Gerade bei Windkraft hofft auch das Land Bremen auf eine größere Rolle für Bremerhaven und plant dort eine neue Hafenanlage, den Energy-Port.

Sechs Prozent mehr Umschlag

Die Seehäfen an der niedersächsischen Küste sind Brake, Cuxhaven, Emden, Leer, Nordenham, Oldenburg, Papenburg, Stade und Wilhelmshaven. Anders als der Hamburger Hafen oder die Bremer Häfen legten die niedersächsischen Häfen vergangenes Jahr beim Umschlag um sechs Prozent im Vergleich zu 2021 zu. 54,45 Millionen Tonnen Fracht gingen über die Kaikante.

Im Geschäft spiegelten sich aber die Verwerfungen des Jahres 2022: Nachwirkungen von Corona, gestörte Lieferketten und die Suche nach anderen Energieträgern wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. So legte der Umschlag fester Massengüter um 24 Prozent auf 14,99 Millionen Tonnen zu, weil viel mehr Kohle importiert wurde. Auch mehr Öl wurde eingeführt.

Am Jade-Weser-Port in Wilhelmshaven wurden aber 4,1 Prozent weniger Container umgeschlagen, insgesamt waren es 683 400 Standardcontainer (TEU). Die anderen auf Container spezialisierten norddeutschen Häfen erlebten 2022 ebenfalls Rückgänge: In Hamburg betrug das Frachtminus 6,8 Prozent, in Bremen und Bremerhaven 7,4 Prozent.

«Das erste Halbjahr lief noch sehr gut», sagte André Heim, Geschäftsführer der landeseigenen Marketinggesellschaft Seaports of Niedersachsen. Im zweiten Halbjahr hätten die verschiedenen Krisen auf den Containerumschlag gedrückt. In Emden und Cuxhaven wurden rund 1,43 Millionen Neufahrzeuge verladen, ein Plus von knapp 12 Prozent.

In den Häfen wird gebaut

Die Bedeutung der niedersächsischen Häfen sei wegen der Umstellungen in der Energieversorgung gewachsen, sagte Holger Banik, Geschäftsführer von Niedersachsen Ports. 2023 will die landeseigene Infrastrukturgesellschaft rund 175 Millionen Euro investieren - ein Großteil ist für den LNG-Terminal Stade bestimmt. Zugleich sollen bestehende Hafenanlagen für 53 Millionen Euro modernisiert werden. In Emden ist ein weiterer Großschiffsliegeplatz in Vorbereitung.

Lies sagte, einstweilen werde über die neuen Anlagen fossiles Erdgas eingeführt - auch aus der umstrittenen Fracking-Methode. Zu erwarten sei aber, dass mit der Zeit immer mehr Gas und Wasserstoff aus erneuerbarer Energie eingeführt werde. Verarbeitung und Transport der Energie werde Wertschöpfung an die Küsten bringen und Arbeitsplätze schaffen, sagte der Minister: «Energie bringt Industrie.»

Minister für norddeutsche Häfenkooperation

«Wir wollen Häfenkooperation, um uns international besser aufzustellen», sagte Lies. Eine Aufgabenteilung zwischen den Containerhäfen Hamburg, Bremerhaven und Wilhelmshaven ist seit Jahren im Gespräch, es ist aber nie zu Vereinbarungen gekommen. Die Mitbewerber Rotterdam und Antwerpen gewinnen Marktanteile dazu. Lies setzte seine Hoffnungen darauf, dass die Bundesregierung mit den Ländern eine nationale Hafenstrategie ausarbeiten werde.

© dpa
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