Menschen in Niedersachsen skeptisch bei 9-Euro-Ticket

29.06.2022 Eine deutliche Mehrheit der Menschen in Niedersachsen glaubt einer Befragung zufolge nicht, dass das 9-Euro-Ticket viele Pendler und Reisende zum Wechsel vom Auto auf Bus oder Bahn bewegt. 71 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben demnach Zweifel, ob die bis Ende August geltenden Fahrscheine langfristige Auswirkungen auf das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung haben. Dies ist eines der Resultate des Niedersachsen-Checks von Mitte Juni, mit dem 43 Zeitungen das Meinungsforschungsinstitut Forsa beauftragt hatten.

Fahrgäste steigen in eine Regionalbahn der Deutschen Bahn am Hauptbahnhof Hannover. © Michael Matthey/dpa

Zur Skepsis gegenüber einem nachhaltigen Effekt des 9-Euro-Tickets passt die hohe Bedeutung des eigenen Pkw, die sich ebenfalls in den Ergebnissen widerspiegelt. Drei von vier Befragten erklärten, sie bräuchten das Auto regelmäßig im Alltag, beispielsweise für den Weg zur Arbeit, zum Arzt oder in der Freizeit. Dabei äußerten sich vor allem Einwohner kleinerer Orte so (87 Prozent). Kritiker des 9-Euro-Tickets hatten schon vor dessen Start zum 1. Juni bemängelt, dass ein solches Angebot wenig helfe, solange der öffentliche Nahverkehr nicht über ein hinreichend dichtes Netz außerhalb der Ballungszentren verfüge.

Entsprechend fallen die Antworten zum Zustand des ÖPNV aus. Nur ein Drittel der Teilnehmer findet das Angebot gut, während 62 Prozent damit unzufrieden sind. Unter den Nutzern vertreten 76 Prozent die Meinung, die Politik engagiere sich nicht genug für den Nahverkehr.

Verkehrsminister Bernd Althusmann schlug die dauerhafte Einführung eines bundesweiten Nahverkehrstickets vor. Das 9-Euro-Ticket dürfe kein «Strohfeuer ohne Perspektive» sein, sagte der CDU-Politiker der Deutschen Presse-Agentur. Die Mobilitätswende gelinge nur, wenn die mit der Sonderaktion gewonnenen Neukunden langfristig an den Nahverkehr gebunden würden.

Dafür müsse der Bund die Länder unterstützen, sagte Althusmann. Ein großer Teil der ÖPNV-Finanzierung läuft über die sogenannten Regionalisierungsmittel. Es gab Streit über eine ausreichende Abdeckung der Länderbudgets.

Für ein Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde auf Autobahnen gibt es mehrheitlich Zustimmung: 58 Prozent der Befragten fänden eine Umsetzung gut. Eine allgemeine Geschwindigkeitsbegrenzung von 30 Kilometern pro Stunde innerorts lehnen hingegen 55 Prozent ab.

© dpa

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