Weil gegen Wolke: Spitzenpolitiker im Duell mit Jugendlichen

Einmal im Landtag stehen und den Politikern auf den Zahn fühlen: Vier Jugendliche hatten dazu mitten im Wahlkampf die Gelegenheit. Die Rededuelle hatten ein hohes Niveau - nicht nur zur Schulpolitik.
Die Finalisten des Landeswettbewerbes «Jugend debattiert» diskutieren mit den Spitzenkandidaten. © Julian Stratenschulte/dpa

In einer anspruchsvollen und abwechslungsreichen Debatte haben vier Jugendliche die Spitzenkandidaten zur Landtagswahl um Ministerpräsident Stephan Weil auf die Probe gestellt. Neben dem SPD-Politiker traten am Montag im Landtag auch Bernd Althusmann (CDU), Julia Willie Hamburg (Grüne) und Stefan Birkner (FDP) zu Rededuellen gegen junge Herausforderer wie die 20-jährige Stella Wolke aus Wildeshausen an. Anschließend stellten sie sich den Fragen des überwiegend aus Schülerinnen und Schülern bestehenden Publikums.

Während die Politiker eine Forderung aus ihrem Wahlprogramm vertraten, nahmen die Finalisten des Landeswettbewerbes von «Jugend debattiert» eine Gegenposition ein. Landtagspräsidentin Gabriele Andretta warb zuvor für den Landtag als Ort des fairen und sachlichen Streits. Die Wahl am 9. Oktober falle in eine Zeit, in der sich die Bürger viele Sorgen machten - um das Klima, die Energieversorgung im Winter, den Lehrermangel oder die wachsende Kluft in der Gesellschaft. Dennoch müsse gestritten werden, sagte die SPD-Politikerin, denn wer streite, spreche miteinander und höre dem anderen zu, und das sei ein «Lebenselixier» der Demokratie.

Die Themen der Rededuelle im Überblick:

GANZTAGSSCHULEN - Ministerpräsident Weil, der gegen Stella Wolke antrat, warb für einen Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung an allen Schulen. Den Bedarf dafür sehe er in den Rückmeldungen von Lehrern, die mehr Zeit benötigten, und von Eltern, die beide berufstätig seien. Er betonte allerdings, dass keine Pflicht bestehen solle, das Ganztagsangebot auch anzunehmen. Wolke verwies hingegen auf die zusätzlichen Kosten und warnte davor, dass die Schülerinnen und Schüler dann fast nur noch mit Jugendlichen ihrer Schulform in Kontakt kommen könnten, anders als etwa in Vereinen. Außerdem könnten Schüler Angst haben, etwas zu verpassen, wenn sie nicht am Ganztagesangebot teilnähmen.

AUSBILDUNGSBERUFE - Wirtschaftsminister Althusmann versuchte, das Publikum davon zu überzeugen, dass Ausbildungsplätze stärker gefördert werden sollten als Studienplätze. Ein Meister sei für ihn genauso gut ausgebildet wie ein Bachelor oder Master, sagte der CDU-Kandidat. Allerdings fehlten derzeit Tausende Auszubildende und damit zukünftige Fachkräfte. Die 16-jährige Emilia Fritz aus Northeim hielt dagegen, dass die Ausbildung an sich oft attraktiv sei, weil sie anders als das Studium bezahlt werde - die darauf folgenden Berufe, etwa in der Pflege, hingegen nicht.

KLIMAZIELE - Die Grünen-Fraktionschefin Julia Willie Hamburg argumentierte, die Klimaziele des Landes sollten konkreter per Gesetz geregelt werden als bisher - etwa mit Zielen für den Verkehrssektor und ehrgeizigen Flächenvorgaben für die Windkraft. Das sei die Politik nachfolgenden Generationen schuldig. Ihr Gegenredner, der 18-jährige Mohamed El-Zein aus Uelzen, mahnte aber, dass das bloße Festschreiben im Gesetz das Klima noch nicht schütze. Es brauche zum Beispiel auch schnellere Ausschreibungen und mehr Fachkräfte für die Umsetzung der Ziele. Außerdem müssten die Ziele realistisch bleiben.

INTERNETZUGANG - Stefan Birkner von der FDP setzte sich für ein Grundrecht auf einen Internetzugang ein. Das sei nötig, weil das Internet mittlerweile so wichtig sei wie die Trinkwasserversorgung oder die Müllabfuhr. Außerdem ermögliche der Schritt auch einen besseren Schutz vor staatlicher Überwachung. Der 15-jährige Lukas Kramer aus Göttingen betonte indes, dass nicht alle Grundbedürfnisse auch Grundrechte seien, und nannte die Versorgung mit Wasser, Nahrung, Wohnraum oder sauberer Luft. Im Telekommunikationsgesetz sei ein Recht auf Internet schon heute festgeschrieben, und eine Regelung in der Landesverfassung sei von Einzelpersonen nicht einklagbar.

© dpa
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