Landvolk: Politik und Naturschützer kooperieren positiv

Der «Niedersächsische Weg» soll Umweltschützer und Landwirte bei der Lösung von Naturschutzproblemen an einen Tisch bringen. Das bislang bundesweit einmalige Projekt wird jetzt zwei Jahre alt. Eine Bilanz.
Eine Biene sitzt auf einem Blühstreifen am Rande eines Feldes in Wunstorf. © Julian Stratenschulte/dpa/Archivbild

Zwei Jahre nach dem Start einer Kooperation zwischen Landesregierung und Naturschützern zieht der Bauernverband eine positive Bilanz. «In der Summe ist es etwas Einmaliges in Deutschland, dass es so ein lebendiges Verhandlungsmodell zwischen Naturschutzverbänden, Landwirtschaftsorganisationen und der Politik gibt», sagte der Präsident des Landvolks Niedersachsen, Holger Hennies, der Deutschen Presse-Agentur.

Beim sogenannten Niedersächsischen Weg haben Umweltverbände, Landvolk und die Landesregierung gemeinsam über Gesetzesverbesserungen für Arten-, Natur- und Gewässerschutz verhandelt.

Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) stellte am Mittwoch die ersten sogenannten Biodiversitätsberater vor, die in den drei Pilotregionen Peine/Wolfenbüttel, Lüchow-Dannenberg und dem Emsland arbeiten sollen. Sie sollen Landwirte in Fragen des Biotop- und Artenschutzes beraten und die Arbeit der ökologischen Stationen in Niedersachsen ergänzen. Die Beratung sei ein wichtiger Beitrag, um gemeinsam mit der Landwirtschaft mehr biologische Vielfalt in der Agrarlandschaft zu erzielen, sagte Landesumweltminister Olaf Lies.

Der «Niedersächsische Weg» sei als dauerhafter Prozess angelegt, sagte Hennies. Jedes Jahr sollten die Erfolge kontrolliert und Konzepte weiterentwickelt werden. Dabei gehe es nicht nur um gesetzliche Auflagen für Naturschutzgebiete oder Gewässerrandstreifen, sondern auch um die Umsetzung freiwilliger Maßnahmen wie Wiesenvogelschutz oder Biotopvernetzung. In dieser Form sei die Kooperation auch ein Vorbild für andere Länder.

Verbessert werden könnte noch die Beratung von Landwirten außerhalb der Schutzgebiete. «Die gezielte Naturschutzberatung vor Ort braucht viel Fachkompetenz, aber auch Personalstärke», sagte Hennies.

Positiv sei, dass die beteiligten Verbände auch auf persönlicher Ebene besser miteinander vernetzt seien. Dieser direkte Kontakt sei ein Vorteil, der nicht unterschätzt werden dürfe. Auch die Politik in Niedersachsen hole sich inzwischen Rat bei Fachfragen in den Gremien.

Auch bei oft deutlich unterschiedlichen Interessen seien Kompromisse zwischen Landwirtschaft und Naturschutz möglich, wenn alle guten Willens seien, betonte Hennies. Umweltschützer und Landwirte hätten ein gemeinsames Interesse an einem erfolgreichen Naturschutz.

Der Naturschutzbund Niedersachsen (Nabu) begrüßte die Benennung der ersten Biodiversitätsberater, notwendig seien aber mindestens 30 im gesamten Land. Dafür müssten weitere finanzielle Mittel bereit gestellt werden.

Ohne den «Niedersächsischer Weg» wäre man in Niedersachsen mit dem Biotop- und Artenschutz nicht so weit gekommen, sagte der Nabu-Landesvorsitzende Holger Buschmann. Dennoch gebe es noch viel zu tun: «Das Artensterben schreitet ununterbrochen voran, noch immer werden zu viele Naturflächen versiegelt oder für andere Zwecke zerstört und manche Prozesse des Niedersächsischen Weges schreiten insgesamt zu langsam voran - so zum Beispiel die Aktualisierung der Roten Listen gefährdeter Arten - oder haben noch zu wenig Auswirkungen auf kommunaler Ebene.»

© dpa
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