Löcher in Emder Feuerschiff gebohrt: Haftstrafe

Durch vier Bohrlöcher im Rumpf strömen Tausende Liter Hafenwasser in den Maschinenraum des Emder Museums-Feuerschiffes «Amrumbank/Deutsche Bucht». Nun ist ein Mann für die Sabotage verurteilt worden - die drängendste Frage bleibt aber offen.
Das Museums-Feuerschiff-Amrumbank/ Deutsche Bucht liegt am am Ratsdelft in der Innenstadt. © Sina Schuldt/dpa/Bildarchiv

Mit vier Bohrlöchern im Rumpf hat ein 46 Jahre alter Mann versucht, das Emder Museums-Feuerschiff und Wahrzeichen der Stadt «Amrumbank/Deutsche Bucht» zum Sinken zu bringen. Nun hat das Emder Amtsgericht den Angeklagten am Dienstag wegen Sachbeschädigung und Diebstahls zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sieben Monaten verurteilt. Richter Henrik Gläsel sah es als erwiesen an, dass der Mann Mitte Juni 2021 in das 127 Jahre alte Schiff eingebrochen war und mit einer mitgebrachten Bohrmaschine im Maschinenraum die Löcher unterhalb der Wasserlinie in den Schiffsrumpf gebohrt hatte. «Das taten Sie in der Absicht, das Feuerschiff zu versenken», sagte Gläsel in Richtung des Angeklagten. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. (Aktenzeichen: 6Ds 520 Js 33550/21 (25/22))

Dass der Einbruch und die Sabotage bereits am Tag nach der Tat entdeckt wurden, war einem Zufall geschuldet, wie der Vorsitzende des Vereins des Museums-Feuerschiffes, Heinz-Günther Buß, vor Gericht berichtete. Die acht Jahre alte Tochter des Schiffsingenieurs des Vereins hatte bei einem Spaziergang am Ratsdelft mehrere geöffnete Bullaugen und eine leichte Schieflage an dem knallroten Schiff ausgemacht. Der Einbruch wurde daraufhin schnell entdeckt, allerdings waren bereits fast 20 Kubikmeter Hafenwasser in das gerade erst für rund fünf Millionen Euro frisch sanierte Schiff gelaufen. «Aus vier Löchern strömte Wasser. Das war ein richtiger Wasserstrahl», erinnerte sich Buß. Bis heute habe der Verein mit den Folgen und Kosten der Tat zu kämpfen. Es entstand ein Schaden von rund 125.000 Euro.

Der Angeklagte gab die Tat bei der Verhandlung ohne Umschweife zu: «Ich bin einfach rein und habe die Löcher gebohrt», sagte der 46-Jährige, der nach eigener Aussage wegen Thrombosen in beiden Beinen jetzt im Rollstuhl sitzt. Dazu habe er eine Scheibe eingeschlagen und sich über die Kombüse Zugang verschafft. Nach der Tat stahl er zudem noch zwei Kilodosen Gummibärchen, weswegen ihn das Gericht auch wegen Diebstahls verurteilte. Dass er das Feuerschiff zum Sinken bringen wollte, kündigte der 46-Jährige sogar Bekannten an, die nun als Zeugen aussagten. Doch diese glaubten ihm erst nicht.

Warum der Mann das Schiff überhaupt sabotierte, blieb jedoch bis zum Schluss unklar. «Meine Tat ist mehr eine Botschaft gewesen», sagte der vorbestrafte Emder, der zuvor auch mehrmals in psychiatrischer Behandlung war. Er habe gewollt, dass die Menschen «auf die Bremse treten» und kritisierte, dass es den Menschen «immer nur ums Geld» gehe. Was er genau damit meinte, blieb offen. Der 46-Jährige sagte zudem, dass das Ende seiner Alkoholabhängigkeit Anfang 2021 und die Corona-Pandemie bei ihm zu einem «Umbruch» geführt hätten. «Ich bin da ein bisschen durchgedreht innerlich.»

Anzeichen für eine verminderte Schuldfähigkeit, etwa durch eine psychische Erkrankung, die ein Gutachter in dem Prozess bei dem Angeklagten festgestellt hatte, sahen weder die Staatsanwaltschaft noch das Gericht. «Er wusste, was er tat und er wusste, dass es falsch war», sagte die Staatsanwältin. Die Verteidigung hatte kein konkretes Strafmaß benannt, aber gefordert, die Strafe zur Bewährung auszusetzen.

Das Gericht folgte bei dem Urteil weitgehend dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die eine Strafe von einem Jahr und zehn Monaten gefordert hatte. Der Angeklagte habe einen «erheblichen Schaden» angerichtet und sei weder vermindert einsichtsfähig noch vermindert steuerungsfähig gewesen, sagte Richter Gläsel. Gegen eine Bewährungsstrafe habe zudem das lange Vorstrafenregister gesprochen.

© dpa
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