Mehr Geld für Metaller auch in Niedersachsen

Lange stand eine Metall-Tarifrunde nicht mehr unter einem so hohen Problemdruck. Fünf Verhandlungen und etliche Warnstreiks waren nötig, um zu einem Ergebnis zu gelangen. Das Paket liegt jetzt auch für Niedersachsen vor - es bringt Entlastung und Risiken gleichermaßen.
Ein Beschäftiger aus einem Metallbetrieb bei einer Demonstration für höhere Löhne. © Jens Büttner/dpa/Symbolbild

Auch in Niedersachsen bekommen die Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie bald deutlich mehr Geld, um einen Teil der Rekordinflation ausgleichen zu können. Gewerkschaft und Arbeitgeber übernahmen am Freitag den Pilot-Tarifabschluss aus dem Südwesten in den zentralen Punkten. Bei ihren Abschlussverhandlungen in Hannover einigten sich die IG Metall und der Branchenverband Niedersachsen-Metall auf einen neuen Vertrag bis Ende September 2024.

Das Paket entspricht im Kern der Vereinbarung in Baden-Württemberg aus der vergangenen Woche. Es sieht Erhöhungen der Entgelte und der Ausbildungsvergütungen in zwei Stufen vor: um 5,2 Prozent zum 1. Juni 2023 sowie um weitere 3,3 Prozent zum 1. Mai 2024.

Wie in anderen Tarifgebieten soll es überdies eine steuer- und abgabenfreie «Inflationsprämie» von insgesamt 3000 Euro geben. Diese wird in zwei Hälften jeweils im Januar, spätestens aber im Februar der beiden Jahre 2023 und 2024 gezahlt, wie die IG Metall mitteilte. Für Azubis gibt es 1100 Euro, aufgeteilt in zwei Mal 550 Euro. Die genauen Zeitpunkte können bei Bedarf in einem gewissen Umfang variiert werden, um den Unternehmen mehr Flexibilität zu erlauben.

Die Arbeitgeber bewerteten den Abschluss nach der langen Tarifauseinandersetzung über fünf Runden und mit zahlreichen Ausständen als unterm Strich positiv. Er sei allerdings das derzeit äußerste Mögliche, weil die Energie- und Rohstoffkosten schon stark belasteten. «Das ist an der Grenze dessen, was man beschließen kann», sagte Verhandlungsführer Torsten Muscharski für Niedersachsen-Metall.

Er hatte sich für Öffnungsklauseln für besonders betroffene Firmen eingesetzt. «Die Entgelterhöhung selbst ist schon ein sehr großer Schluck aus der Flasche», warnte Muscharski. «Diese Kosten müssen wir tatsächlich erst mal weitergeben können.» Überzeugt habe ihn jedoch das Entgegenkommen der IG Metall bei der langen Laufzeit des neuen Tarifvertrags sowie bei der «zeitlichen Differenzierung»: Bestimmte Bausteine der Lohnzuwächse können verschoben oder notfalls nach dem Ende eines schlechten Geschäftsjahres sogar ganz gestoppt werden.

Der niedersächsische IG-Metall-Bezirksleiter und -Verhandlungsführer Thorsten Gröger gab sich am Ende ebenfalls zufrieden. Der Abschluss zeige, dass man die Belegschaften der etwa für den Automobil- und Maschinenbau wichtigen Branche «in dieser schweren Zeit mit den Teuerungen nicht im Stich gelassen» habe. «Die Einigung nimmt ein wenig den Druck von den Portemonnaies der Beschäftigten.»

Die Gewerkschaft hatte spürbare Aufschläge gefordert, um Kaufkraft und Konsum inmitten der Rekordteuerung zu stabilisieren. Zuletzt war die Inflationsrate vielerorts aber noch über das vereinbarte Lohnplus geklettert, so dass unterm Strich dennoch Einbußen beim Reallohn stehen könnten. Gröger rief die Politik auf, durch weitere Schritte für zusätzliche Entlastung von Verbrauchern und Betrieben zu sorgen.

Über mehrere Wochen war es zu Warnstreiks gekommen, weil die IG Metall dem Arbeitgeberlager eine zu zögerliche Haltung vorgeworfen hatte. Nun haben neben den flexiblen Bausteinen noch weitere Instrumente wie eine «Energie-Notfallklausel» Eingang in den Tarifvertrag gefunden, die im Fall des Falles Abweichungen zulassen. Zudem bleibt das «Transformationsgeld» von 18,4 Prozent eines Monatslohns erhalten, es wird im kommenden Jahr aber nicht angehoben. Der technische Umbruch verlangt den Firmen hohe Investitionen ab.

© dpa
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