Doppelmord: Angeklagter will im Auftrag gehandelt haben

07.07.2022 Teure Pferde, Eifersucht, hohe Schulden: Der Prozess um den Doppelmord und versuchten Mord von Fischerhude erinnert an die Handlung eines TV-Krimis. Nun kommt eine weitere Wendung hinzu.

Der Angeklagte spricht mit seinem Anwalt. © Mohssen Assanimoghaddam/dpa

Der Angeklagte im Prozess um den zweifachen Mord und den versuchten Mord in Fischerhude will im Auftrag die tödlichen Schüsse abgegeben haben. Ein Polizeibeamter sagte am Donnerstag vor dem Landgericht Verden, bei einer sechseinhalbstündigen Vernehmung im Januar habe der 64-Jährige behauptet, der Bruder beziehungsweise Sohn der Getöteten habe ihm die Tatwaffe gegeben und ihn mit den Morden beauftragt. Er habe ihm auch ein konkretes Datum für die Tat genannt.

Als Gegenleistung habe der ehemalige Geschäftsfreund in Aussicht gestellt, dass die getrennt von dem Angeklagten lebende Freundin wieder zu diesem zurückkommen werde. Diese Wendung in der Darstellung der Tatumstände sei überraschend gekommen, sagte der Polizeibeamte: «Da waren wir tatsächlich ein bisschen perplex.» Vor Gericht schweigt der Angeklagte bisher. Während der Aussage des Beamten brach der Angeklagte mehrfach in Tränen aus.

Aus Rache soll der Deutsche laut Anklage am 28. Dezember 2021 die Mutter (73) und den Bruder (56) des ehemaligen Freundes getötet haben. So habe der Züchter und Händler von teuren Sportpferden diesen bestrafen wollen. Den Freund, ebenfalls Pferdehändler, habe er für seinen wirtschaftlichen Ruin und seine gescheiterte Beziehung verantwortlich gemacht. Einer zufällig bei der Tat anwesenden Freundin der Familie soll er in den Kopf geschossen haben, damit er unerkannt vom Tatort fliehen konnte. Sie überlebte schwer verletzt.

An diesen Schuss habe sich der 64-Jährige bei der Vernehmung nicht erinnern können, sagte der Polizeibeamte. Er habe die ihm unbekannte Frau angeblich nicht töten wollen. Sie hatte am zweiten Verhandlungstag ausgesagt, das Verhältnis zwischen den beiden Getöteten und dem Bruder beziehungsweise Sohn sei sehr harmonisch gewesen.

Vor der Aussage des Polizisten war der ehemalige Geschäftsfreund des Angeklagten als Zeuge geladen worden. Er erschien aber nicht. Sein Anwalt legte dem Gericht ein ärztliches Attest vor, wonach der 55-Jährige wegen einer posttraumatischen Belastungsstörung nicht vernehmungsfähig sein soll. Das Gericht ordnete an, den Mann durch einen Sachverständigen psychiatrisch zu begutachten. Sollte dieser zu dem Ergebnis kommen, dass der Mann dauerhaft verhandlungsunfähig ist, muss er nicht vor Gericht erscheinen.

Der ehemalige Freund hatte den Angeklagten mit seiner Familie kostenlos auf seinem Gestüt wohnen lassen, nachdem dessen Gestüt in Konkurs gegangen war. Wegen diverser Streitigkeiten hatte der Freund den Angeklagten aber Ende 2021 des Hofes verwiesen. Der Prozess wird 14. Juli fortgesetzt.

© dpa

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