Römischer Münzschatz in Ostfriesland entdeckt

Auf einem Acker mitten in Ostfriesland entdecken Sondengänger und Archäologen 96 Denare aus der römischen Kaiserzeit - ein besonderer Fund so weit nördlich des Römischen Reiches. Experten haben mehrere Theorien, wie die antiken Münzen dorthin gekommen sein könnten.
Ein Fotojournalist fotografiert zahlreiche römische Münzen. © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Römische Relikte mitten in Ostfriesland: Nach einem Fund von 96 Silbermünzen aus der römischen Kaiserzeit haben Archäologen und Hobby-Sondengänger den Schatz am Dienstag erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Die Experten sprechen von einer kleinen Sensation. «Römische Münzen zu finden ist vielleicht der Traum von Sondengängern in Ostfriesland oder Norddeutschland», sagte Hobby-Sondengänger Sebastian Heibült. «Die kommen hier praktisch nicht vor, denn die Römer haben hier wenige Spuren hinterlassen.»

Heibült und vier weitere ehrenamtliche Sondengänger hatten die antiken Denare nach monatelanger Suche in Zusammenarbeit mit Archäologen im Frühjahr 2021 verstreut im Boden eines Ackers in Filsum im Landkreis Leer entdeckt.

«Das ist tatsächlich eine kleine Sensation, weil noch nie so viele römische Münzen in den letzten 100 Jahren hier gefunden worden sind», sagte der Präsident der Ostfriesischen Landschaft, Rico Mecklenburg, bei der Präsentation des Schatzes in Aurich. Bei dem kommunalen Regionalverband für Kultur, Wissenschaft und Bildung ist das Archäologische Forschungsinstitut für Ostfriesland angesiedelt.

Die entdeckten Münzen stammen Experten zufolge aus dem 1. und 2. Jahrhundert nach Christus. Darauf deuten die Abbildungen römischer Kaiser. Die jüngste Münze ist demnach ein Denar mit dem Bild des Kaisers Septimius Severus (193-211). Die Münze ist wie die meisten anderen Funde nicht besonders gut erhalten, aber laut den Experten eindeutig zuweisbar.

Die genaue Fundstelle bei Filsum war schon einmal bekannt, dann aber wieder in Vergessenheit geraten. Denn um 1850 gab es dort schon einmal einen Münzfund. Historischen Überlieferungen zufolge soll ein Hirtenjunge einst wohl aus Langeweile schwere Klumpen in ein Gewässer geworfen haben - bis einer zerbrach und silberne Münzen hervor kamen. Diese Münzen gingen im Privatbesitz jedoch nach und nach verloren.

«Dann kam der Zufall», sagte der Leiter des Forschungsinstituts, Jan Kegler. Bei einer Revision des Magazinbestandes der Stadtarchäologie in Stade wurden Münzen aus dem 4. Jahrhundert wiedergefunden, die aus Ostfriesland stammen sollten. Gehörten sie zu dem Filsumer Münzfund?

Experten des Archäologischen Forschungsinstituts startete zusammen mit den ehrenamtlichen Sondengängern ein Forschungsprojekt, um neu nach dem Schatz zu suchen. Ohne die Hilfe der Ehrenamtlichen mit ihren Metallsonden sei der Fund nicht möglich gewesen, sagte Kegler. Eine Fläche von sieben Hektar sei von den Sondengängern über Monate hinweg abgesucht worden. «Eine gewaltige Aufgabe.» An einem Samstag sei dann von den Sondengängern der unverhoffte Anruf gekommen, erinnerte sich der Archäologe. «Jan, du musst unbedingt kommen.»

Erst fanden Hobby-Sucher nur etwa ein Dutzend Münzen. Mithilfe eines Baggers wurde schließlich eine rund 2000 Quadratmeter große Fläche Schicht für Schicht abgetragen. Am Ende blieben 96 Münzen und Münzfragmente. «Wenn man so etwas im Hinterkopf hat, so etwas zu suchen und man findet es dann, das kann man sich überhaupt nicht vorstellen, was für ein Gefühl das ist», sagte Sebastian Heibült.

Wie die Münzen nach Filsum kamen, ist nicht mehr nachvollziehbar. Niedersachsen und Ostfriesland lagen außerhalb der Grenzen des römischen Reiches. «Dafür gibt es verschiedene Theorien», sagte Kegler. Denkbar sei etwa, dass die Münzen mitgebrachter Sold von Söldnern von der römischen Grenze gewesen sein könnten. Sie könnten aber auch mit dem Tausch von Waren nach Ostfriesland gekommen sein. Hinweise auf eine römische Siedlung oder ein Versteck nahe dem Fundort gebe es keine, sagte der Archäologe.

Den Sammlerwert der Münzen schätzen die Experten auf mehrere Tausend Euro. Größer sei der historische Wert, sagte Kegler. «Offensichtlich haben wir hier einen kleinen Puzzlestein entdeckt, der Geldtransfer oder Materialtransfer außerhalb des Römischen Reiches illustriert.»

Insgesamt wurden bislang niedersachsenweit 124 solcher antiken Funde dokumentiert, von denen allerdings viele unvollständig erhalten sind. Die Forscher gehen davon aus, alle Münzen von Filsum gefunden zu haben. Der Silberschatz soll bald in einer Ausstellung zu sehen sein.

© dpa
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