Weihnachtsbotschaften im Zeichen des Ukraine-Konflikts

Die Konflikte in der Ukraine und auch im Iran stehen im Zentrum der Weihnachtsbotschaften der Kirchen. Vom Fest der Liebe sollten Zeichen des Mitgefühls und der Hilfe ausgehen, hieß es in den Botschaften.
Die Türme vom Dom sind bei trübem Wetter am Horizont zu sehen. © Moritz Frankenberg/dpa

Die Weihnachtsbotschaften der Kirchen stehen in diesem Jahr auch in Niedersachsen ganz im Zeichen des Ukraine-Konflikts.

Der hannoversche evangelische Landesbischof Ralf Meister richtete seinen Gruß speziell an die in Deutschland lebenden Menschen aus der Ukraine: «Eine Zeit von Krieg und Flucht ist über Europa gekommen.» Ohne zuverlässige Versorgung mit Licht und Wärme kämen in der Ukraine Kinder auf die Welt. Manche werdenden Mütter verließen ihr Land. «Ich wünsche Ihnen, dass Sie während dieser Feiertage ein wenig von Gottes Nähe erleben können. Mögen Sie in Deutschland Menschen finden, die zu Geschwistern im Glauben und zu Freundinnen und Freunden für Sie werden. Ich wünsche Ihnen Kraft und eine beständige Hoffnung», sagte er.

Die Landeskirche in Hannover verwies darauf, dass die orthodoxe Mehrheit der Menschen in der Ukraine Weihnachten nach dem julianischen Kalender am 7. Januar feiert. Die Mitglieder der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche feiern nach dem gregorianischen Kalender, also am 25. Dezember.

Auch der Bischof der Landeskirche Oldenburg, Thomas Adomeit, spannte einen Bogen von der Weihnachtsgeschichte zu heutigen Konflikten. «Wenn ich in den Nachrichten die zerstörten Häuser in der Ukraine sehe, dann denke ich an den zugigen Stall in Bethlehem», sagte er. Wenn er die Proteste im Iran sehe, denke er an das Volk in Judäa vor 2000 Jahren, das von einem diktatorischen Kaiser unterdrückt worden sei. Doch die Botschaft von der Geburt Jesu mache Hoffnung auf eine friedlichere Welt. «Auf Frieden in der Ukraine und überall dort, wo sich Menschen gegenseitig Gewalt antun.»

Die Weihnachtsbotschaft ist für den katholischen Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer der Gegenakzent zu Gewalt, Spaltung und Hass, zu Egoismus, Selbstoptimierung und Teilnahmslosigkeit: «Die Botschaft der Krippe ist eine Botschaft des Zusammenhalts und der Solidarität.» Krieg und Krise zehre, aber jede und jeder könne in seinem Umfeld dazu beitragen, völlig unabhängig davon, ob sie oder er besonders gläubig ist oder nicht. Menschlichkeit sei universal, genau wie Gottes Liebe zu allen Menschen. Menschlichkeit beginne im Kleinen, Gott habe an Weihnachten auch klein angefangen. «Es war zuerst nur ein winziges Zeichen der Rettung, das von einem Stall in Bethlehem ausgegangen ist. Trotzdem hat es die ganze Welt berührt», sagte er.

Gott wohne nicht in einer Kirche, sondern in den Menschen, sagte der evangelische Landesbischof Christoph Meyns im Braunschweiger Dom: «Wir geben die Welt nicht auf, wir setzen uns ein für das Gemeinwohl, im eigenen Land und für Menschen in anderen Ländern, wir stehen den Opfern von Krieg und Gewalt bei, wir setzen uns ein für die Aussöhnung von Feinden, wir bekämpfen Armut und globale Ungerechtigkeiten, wir bewahren die Schöpfung.»

Weihnachten fordere Christen dazu auf, sich Menschen in Not zuzuwenden, betonte Bischof Franz-Josef Bode an Heiligabend im Osnabrücker Dom: «Wir werden dieses Kind nur finden, wenn wir es nicht nur im Dom, in den Feiern dieser Nacht und an den aufgebauten Krippen suchen, sondern mehr noch im Draußen, in der Begegnung mit den Menschen, die unsere Zuwendung besonders brauchen, die auf welche Weise auch immer ins Abseits, in die Entfremdung geraten sind.»

Der christliche Glaube habe immer eine öffentliche und politische Dimension, weil er eine Anwaltschaft bedeute für alle Menschen, besonders für die Armen und Schwachen. «Gerade in ihrem derzeitigen großen Vertrauensverlust wird die Kirche nur wieder Fuß fassen in den Herzen der Menschen, wenn sie wirklich dient und sich nicht der Menschen bemächtigt, sondern sie ermächtigt, bestärkt und aufrichtet zu einem menschenwürdigen Leben», so der katholische Theologe.

© dpa
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