Aufsichtsrat genehmigt Fahrplan für CO2-arme Stahlproduktion

Das Geschäft mit Stahl läuft nach der Corona-Delle wieder besser. Die Hersteller brauchen das Geld auch, um in den nächsten Jahren den Umbau in Richtung klimaschonendere Produktion finanzieren zu können. Bei der Salzgitter AG ist eine wichtige Entscheidung dazu gefallen.
Eine Mitarbeiter geht bei der Salzgitter AG an aufgewickeltem Stahl vorbei. © Julian Stratenschulte/dpa/Archivbild

Der Aufsichtsrat von Deutschlands zweitgrößtem Stahlerzeuger Salzgitter hat die Investitionspläne zum schrittweisen Aufbau einer CO2-armen Produktion mit Wasserstoff gebilligt. Die Kontrolleure stimmten am Mittwoch zu, für die erste Phase 723 Millionen Euro aus eigenen Mitteln des Konzerns bereitzustellen. Zudem erhofft sich Salzgitter eine öffentliche Förderung des Projekts «Salcos». Hier seien die Prüfungen noch nicht ganz abgeschlossen. «Wir haben aber sehr starke Signale und sind zuversichtlich, dass die Genehmigung auch dafür kommt», sagte Vorstandschef Gunnar Groebler der Deutschen Presse-Agentur nach der Sitzung am Nachmittag.

Laut Groebler ist Salzgitter der erste große Stahlproduzent, der derartige Investitionsentscheidungen für die neue Technik in großem Stil angeschoben hat. Der konkrete Förderantrag, der derzeit noch bearbeitet werde, betreffe ein Programm der Europäischen Union.

«Salcos» war über längere Zeit vorbereitet worden. Noch im Sommer könne nun eine erste Versuchsanlage in Betrieb gehen, erklärte Groebler. «Wir finalisieren zunächst eine Art «Mini-Salcos», dafür haben wir jetzt alle Bausteine zusammen.» Ab Ende 2025 solle die wasserstoffbasierte Stahlherstellung dann regulär und großtechnisch starten. Sie wird etappenweise ins bestehende Hüttenwerk integriert - und ein erster Hochofen stillgelegt, «wenn «Salcos 1» stabil läuft». Von 2026 an sollen mehr als eine Million Tonnen Stahl pro Jahr mit der klimaschonenden Variante entstehen. «Das ist unser Anspruch.»

Es geht um ein «grünes» Verfahren, das auch andere Konzerne wie der Konkurrent Thyssenkrupp einsetzen wollen. Dabei nutzt man reinen Wasserstoff (H2). Dieser entzieht - anstelle des Kohlenstoffs aus der üblichen Kokskohle - dem Rohstoff Eisenerz den gebundenen Sauerstoff. Als Produkt bleibt neben Roheisen, das in Stahllegierungen eingeht, Wasserdampf (H2O) statt des Treibhausgases Kohlendioxid (CO2). In der letzten Ausbaustufe dieser sogenannten Direktreduktion sollen ab Ende 2033 über 95 Prozent des sonst entstehenden CO2-Ausstoßes wegfallen.

Voraussetzung ist die Verfügbarkeit ausreichender Mengen Wasserstoff. Das Element kommt auf der Erde hauptsächlich in Verbindungen wie Wasser, Ammoniak oder Kohlenwasserstoffen vor und muss daher zuerst selbst energieintensiv aus diesen gewonnen werden. Zusätzlich wird Erdgas (Methan) für die Direktreduktion eingesetzt. «Denn zum Ende des Jahrzehnts wird die Wasserstoffwirtschaft in Deutschland wohl noch nicht zu 100 Prozent aufgebaut sein», schätzte Groebler. Salzgitter will auf großtechnische Elektrolyse-Anlagen zurückgreifen, mit denen Wasser in Wasserstoff und Sauerstoff aufgespalten wird.

Der Gesamtprozess der «grünen» Stahlerzeugung ist nur dann bilanziell klimaschonend, wenn der dafür nötige Strom wiederum aus erneuerbaren Quellen wie der Wind-, Solar- oder Wasserkraft stammt. 2021 hatte Salzgitter sieben Großwindräder und zwei Elektrolyse-Einheiten am Hauptsitz in Betrieb genommen. Auch Eon, Siemens und Linde sind beteiligt.

Die «Salcos»-Technologie erfordert hohe Investitionen, für die sich Salzgitter dank wieder deutlich verbesserter Geschäftszahlen gerüstet sieht. 2021 kamen rund 9,8 Milliarden Euro an Umsatz zusammen, der Nettogewinn landete bei 586 Millionen Euro. Zuletzt ging der Stahlkonzern für 2022 von weiteren Erlös- und Ergebniszuwächsen aus.

Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) sagte, die Investitionspläne seien ein wichtiges Signal für den Weg in eine CO2-freie Stahlproduktion, das den Wirtschaftsstandort Niedersachsen und insbesondere Salzgitter stärke. «Niedersachsens Stahlindustrie setzt damit ein Ausrufezeichen für die Produktion der Zukunft. Es ist auch ein weiterer Schritt hin zu einem klimafreundlichen Industrieland.»

© dpa
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