Stahlkonzern Salzgitter feiert Rekordhalbjahr

Gestiegene Preise lassen die Gewinne beim Stahlhersteller Salzgitter auf Rekordniveau sprudeln. Das Management in Niedersachsen sieht aber eine schwächere zweite Jahreshälfte und warnt vor den kaum absehbaren Risiken durch den Krieg.
Eine Mitarbeiter geht bei der Salzgitter AG an aufgewickeltem Stahl vorbei. © Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

Deutschlands zweitgrößter Stahlhersteller Salzgitter hat ein Rekordhalbjahr abgeliefert, erwartet aber eine schwächere Entwicklung in der zweiten Jahreshälfte. Hinzu kommt die Sorge um die Gasversorgung. «Gas ist natürlich die große Frage des zweiten Halbjahres», sagte Vorstandschef Gunnar Groebler am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatte der Konzern mit Hauptsitz in Niedersachsen über das höchste operative Halbjahresergebnis seiner Unternehmensgeschichte informiert.

Preiserhöhungen haben dem Stahlproduzenten im zweiten Quartal in die Hände gespielt. Aufgrund von Gewinnsprüngen bei der Stahlerzeugung, der Verarbeitung des Materials und im Handel stieg der Vorsteuergewinn (EBT) im ersten Halbjahr daher um mehr als das Dreifache auf rund 970 Millionen Euro, wie das im SDax notierte Unternehmen mitteilte. Der Außenumsatz erhöhte sich im zweiten Quartal gegenüber dem Vorjahr um die Hälfte auf 6,6 Milliarden Euro. Unter dem Strich blieben Salzgitter 781 Millionen Euro nach 231 Millionen im Vorjahr.

Der Konzern bestätigte seine im Juni erhöhte Prognose, nach der für 2022 mit einem Erlös von 13 Milliarden Euro nach zuvor erwarteten knapp 11 Milliarden Euro gerechnet werde. Das Management wies dabei aber ausdrücklich auf «Unsicherheiten» und «kaum quantifizierbare Prognoserisiken» durch den Krieg in der Ukraine hin. «Bei aller Freude über das herausragende Ergebnis verkennen wir nicht die Risiken infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine», sagte Finanzvorstand Burkhard Becker.

«Wir haben eine Task Force und bereiten uns bestmöglich auch auf eine mögliche Gasmangellage vor», sagte der Konzernchef Groebler der dpa. Derzeit realisiere das Unternehmen bereits einen um 20 Prozent verringerten Gasverbrauch im Vergleich zum Vorjahr. Zudem unterstrich der Konzern seine Mitwirkung bei der Erweiterung der deutschen Gasversorgung. «Aktuell produzieren wir über 80 Kilometer Pipelinerohre zur Anbindung der LNG-Terminals Wilhelmshaven und Brunsbüttel an das deutsche Gasnetz», sagte Finanzchef Becker.

Unabhängig von der Gasversorgung blicken die Verantwortlichen in Salzgitter auf ein schwieriges Restjahr voraus. «Das zweite Halbjahr wird anstrengender als die ersten sechs Monate», sagte Groebler auch mit Blick auf die Preisentwicklung. «Wir wollen nicht verhehlen, dass die Preiswelle vorbei ist und wir deutlich schwächere Stahlpreise für das zweite Halbjahr erwarten», sagte er. Es werde eine Normalisierung geben.

Im dritten Quartal will Salzgitter die Umstellung auf eine emissionsärmere Stahlerzeugung weiter forcieren. Im Juli hatte der Aufsichtsrat die Investitionspläne zum Aufbau einer CO2-armen Produktion mit Wasserstoff gebilligt. In einer ersten Phase sollen dafür 723 Millionen Euro aus eigenen Mitteln fließen, nach Konzernangaben handelt es sich um die größte Investition seit dem Börsengang 1998. «Wir sind bereits in der Umsetzung zur Transformation der Stahlindustrie», sagte Groebler.

Mit dem sogenannten Salcos-Projekt will Salzgitter schrittweise bis zu 95 Prozent der jährlich verursachten CO2-Emissionen einsparen. Mit den bisherigen 8 Millionen Tonnen steht der Konzern nach eigenen Angaben allein für 1 Prozent des Ausstoßes in Deutschland. Zentral für die Umsetzung sei aber auch das Mitwirken aus der Politik. «Zur Förderung des Salcos-Programms haben wir positive Signale aus Hannover und Berlin. Derzeit erwarten wir von der EU in Brüssel eine Bestätigung zur Rechtmäßigkeit der Fördersummen», sagte Groebler.

© dpa
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