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Hochwasser hält Niedersachsen in Atem: Talsperren voll

Das Hochwasser lässt die Menschen in Niedersachsen nicht zur Ruhe kommen. Tausende Helfer sind über die Feiertage im Einsatz gewesen, um Deiche mit Sandsäcken zu stützen. Entwarnung ist nicht in Sicht. Überlaufende Stauseen im Harz verschärfen die Situation.
Hochwasser in Niedersachsen
Eine Absperrbake und ein Schild mit der Aufschrift "Hochwasser". © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Tagelanger Dauerregen hat in weiten Teilen Niedersachsens über die Feiertage für eine angespannte Hochwasserlage gesorgt. Zahlreiche Flüsse traten über die Ufer und verwandelten die Umgebung in Seenlandschaften. In Northeim in Südniedersachsen und Uplengen im Kreis Leer brachen Dämme, in Rinteln (Kreis Schaumburg) und Sandkrug (Landkreis Oldenburg) gab es Evakuierungen. Im Harz liefen zwei Talsperren über, die Stadt Braunschweig bereitete sich auf einen Anstieg des Pegelstandes am späten Dienstagabend vor. Feuerwehr und Technisches Hilfswerk waren im Dauereinsatz, um Dämme zu sichern. Auch in Bremen war die Lage teils angespannt.

Ministerpräsident Stephan Weil besuchte am Dienstag vom Hochwasser betroffene Gebiete, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Bei einem Besuch in Northeim, wo ein Damm gebrochen war, dankte der SPD-Politiker den zehntausenden Helfern für ihren Einsatz über die Feiertage.

Am Abend erklärte Weil: «Die Hochwasserlage in Niedersachsen ist landesweit sehr angespannt.» Die Okertalsperre im Harz sei bereits zu mehr als 100 Prozent gefüllt. Über den Überlauf der Staumauer werde mehr als doppelt so viel Wasser in die Oker abgegeben wie an normalen Tagen. «Allerdings scheint zumindest vorerst eine weitere Verschlechterung nicht zu drohen.» Im Landkreis Hildesheim sei die Lage ebenfalls extrem angespannt. Besonders betroffen seien Sarstedt und Ruthe, dort sei der Katastrophenfall festgestellt worden.

Mit Entspannung rechnen die Behörden trotz nachlassenden Regens auch in den nächsten Tagen nicht. «Tatsächlich ist die Lage in ganz Niedersachsen sehr angespannt», sagte die Direktorin des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz, Anne Rickmeyer.

Zwar hob der Deutsche Wetterdienst seine Unwetterwarnungen wegen starken Regens am Dienstag auf. «Das heißt aber nicht, dass wir jetzt überall schon fallende Wasserstände haben», sagte Rickmeyer. «Ich bin jetzt erst mal froh, dass es zwei bis drei Tage nicht regnen soll.» Es werde aber noch dauern, bis das Wasser, das nun in den Flüssen sei, in die Nordsee abgeflossen sei. 49 Pegel im Land zeigten am Dienstagnachmittag die Warnstufe, die vor Überflutungen von Gebäuden warnt.

Braunschweig bereitete sich am Dienstag auf einen Anstieg des Pegelstandes der Oker vor, mit dem die Stadt am späten Abend rechnete. «Die Lagebeurteilung des Krisenstabs geht unverändert davon aus, dass sich die durch die Oker und ihre Nebenflüsse verursachten Überschwemmungen auf die in den Hochwasseralarmplänen ausgewiesenen, bekannten Überschwemmungsgebiete beschränken werden», hieß es am frühen Abend von der Stadt Braunschweig. Die Menschen in den Überschwemmungsgebieten seien aufgerufen, eigene Schutzvorkehrungen zu treffen. «An drei Stellen im Stadtgebiet wurde Sand zur Entnahme aufgeschüttet. Bürgerinnen und Bürger, die Sandsäcke zum Hochwasserschutz benötigen, können diese hier selbst befüllen.»

Am Morgen war im Harz die Okertalsperre vollgelaufen und der automatische Notüberlauf geöffnet worden. In einer großen Fontäne ergoss sich das überschüssige Wasser in den Fluss. An der Talsperre beobachteten am Dienstag Hunderte Schaulustige das Geschehen. «Das ist eine außergewöhnliche Lage», sagte Andreas Lange, Bereichsleiter für Ressourcen und Prokurist beim Betreiber Harzwasserwerke.

Zuletzt habe es eine solche Situation 1994 gegeben. 20 Kubikmeter Wasser pro Sekunden fließen nun aus der Talsperre in den Fluss. Auch die Innerstetalsperre sei inzwischen voll. An den anderen vier Talsperren im Harz sehe es aber noch besser aus. Ein Teil des überschüssigen Wassers aus der Okertalsperre könne derzeit noch in die Granetalsperre abgeleitet werden, die noch nicht voll sei.

Auch an der Mittelweser rechnet NLWKN-Chefin Rickmeyer mit steigenden Pegelständen. Zwar sei in Hannoversch Münden, wo sich Fulda und Werra zur Weser vereinen, offenbar der Höchststand erreicht. Aber im weiteren Flussverlauf werde es noch dauern, bis dieser Scheitel ankomme. «Da erwarten wir in den nächsten Tagen auch noch Höchstwasserstände.» Auch die Stadt Oldenburg rechnet an der Hunte erst in den nächsten Tagen mit dem Höchststand.

Laut Landesbranddirektor Dieter Rohrberg seien allein 100 000 Feuerwehrleute in Niedersachsen im Dauereinsatz. Hinzu kämen Kräfte des Technischen Hilfswerks und anderer Hilfsorganisationen.

Die Feuerwehr Bremen teilte am Dienstagabend mit, wegen hoher Wasserstände stünden stadtweit einige Wege, Gärten und zum Teil auch Keller unter Wasser. Die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle verzeichne ein sehr hohes Notrufaufkommen. Seit dem frühen Morgen habe sich die Lage in den Bereichen Katrepel, Lehesterdeich und Timmersloh verschärft. In dem Bereich zwischen der Wümme und der Katrepeler Landstraße stünden zahlreiche Grundstücke unter Wasser.

Die Region Hannover traf am Dienstag eine weitere Vorsichtsmaßnahme: Die Einheiten des Katastrophenschutzes in der Region seien unter Einsatzvorbehalt gestellt worden. «Dadurch ist es möglich, bei sich verändernder Lage schnellstens Rettungskräfte zu mobilisieren und so angemessen reagieren zu können, beispielsweise bei eventuellen Evakuierungen», teilte die Region Hannover am Abend mit. Außerdem hieß es: «Wir weisen in aller Deutlichkeit darauf hin, dass das Befahren von gesperrten Straßen verboten ist und konsequent ordnungs- oder strafrechtlich verfolgt wird.»

Bereits am Montag waren in Northeim im Süden und Uplengen bei Leer Dämme gebrochen. In Northeim sei das Wasser zum Glück nur in eine angrenzende Kiesgrube geflossen, sagte Landesbranddirektor Rohrberg. In Rinteln (Kreis Schamburg) wurden am Dienstag die Bewohner einer Straße in der Nähe der Stadtmauer evakuiert, weil die Keller vollzulaufen drohten. In Sandkrug im Landkreis Oldenburg waren am Montagabend Häuser an zwei Straßen evakuiert worden.

© dpa
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