Bilder im Gerichtssaal erinnern an getötete Mutter

Mit großen Porträtbildern erinnern Angehörige beim Prozessauftakt in Hildesheim an die erstochene 35-Jährige. Wegen Mordes angeklagt ist ihr früherer Partner. Der Mann legt ein Geständnis ab.
Der Angeklagte steht bei Prozessauftakt in einem Saal vom Landgericht Hildesheim. © Moritz Frankenberg/dpa

Sie wollte einen Anwaltstermin wahrnehmen, um sich scheiden zu lassen. Ihr Ehemann passte sie an ihrem Auto ab und tötete sie mit mindestens 13 Messerstichen. Die Attacke in der Innenstadt von Burgdorf bei Hannover Anfang Mai löste Entsetzen aus. Seit Freitag muss sich der 37-jährige Ehemann aus Wathlingen im Landkreis Celle wegen heimtückischen Mordes aus niedrigen Beweggründen vor dem Landgericht Hildesheim verantworten. Er war nach dem Verbrechen zunächst geflüchtet, wurde aber am selben Tag festgenommen.

Beim Prozessstart sind alle Besucherplätze belegt. Angehörige haben gerahmte Porträtbilder der Getöteten dabei - sie zeigen eine attraktive Frau mit langen Haaren und großen Augen. Die Atmosphäre ist ruhig und bedrückt. Er habe nichts dagegen, wenn die Bilder mitgebracht werden, sagt der Vorsitzende Richter Rainer de Lippe. Sie sollten nur während der Verhandlung umgedreht und nicht hochgehalten werden, um die Neutralität zu wahren.

Vier Schwestern des Opfers treten als Nebenklägerinnen auf. Als der Angeklagte in den Saal geführt wird, bricht eine von ihnen in Tränen aus. Während der Anklageverlesung schluchzt eine andere Schwester. Der schlanke, schwarz gekleidete mutmaßliche Mörder wirkt dagegen gefasst und zeigt äußerlich keine Gefühlsregung.

Der Angeklagte habe sich am Nachmittag des 3. Mai seiner an ihrem geparkten Auto stehenden Ehefrau genähert, um sie zu töten, sagt Oberstaatsanwalt Marcus Preusse. Die Tatwaffe - ein Küchenmesser - hatte er laut Anklage in einer Bauchtasche dabei. Die attackierte Frau erlitt insgesamt 15 Stichverletzungen und starb knapp eine Stunde später im Rettungswagen an Herz-Kreislaufversagen durch Verbluten. Passanten hatten noch erste Hilfe geleistet.

Laut Anklage wusste der 37-Jährige von einem Anwaltstermin seiner Frau in Burgdorf. Der Verteidiger des mutmaßlichen Mörders, Matthias Waldraff, liest am ersten Prozesstag eine kurze Erklärung vor. Der Angeklagte bedauere es «unendlich und zutiefst», am 3. Mai seine Ehefrau getötet zu haben, sagt der Rechtsanwalt. «Er versteht, dass seither viele Menschen Hass gegen ihn empfinden.» Er wisse, dass er von Seiten seiner Kinder und der Familie seiner Frau nicht auf Vergebung hoffen dürfe. Beim Verlassen des Saals beschimpfen ein Junge und ein Mann den Angeklagten.

Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft wollte der in der Türkei geborene Deutsche seine Frau für ihre Trennung von ihm bestrafen. Durch die Trennung habe er sein Ansehen in der Öffentlichkeit beschädigt gesehen.

Allen Familienmitgliedern der Getöteten, vor allem ihren Eltern, gehe es sehr schlecht, sagt Nebenklage-Anwältin Antje Heister nach dem ersten Verhandlungstag. Es habe schon vor dem Messerangriff in Burgdorf häusliche Gewalt und auch einen Platzverweis gegen den Täter gegeben. Die Frau selbst habe ihren Schwestern gegenüber die Befürchtung geäußert, dass er sie umbringen würde, und zwar ganz gleich, ob sie ihn verlässt oder bei ihm bleibt.

Der Prozess wird am 1. November fortgesetzt. Dann will sich der Angeklagte nach Angaben seines Verteidigers ausführlicher äußern. Zudem sind als Zeugen unter anderem eine Polizistin und ein Polizist geladen. Für den Prozess sind insgesamt 16 Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil könnte nach dieser Planung erst im Januar 2023 gesprochen werden.

© dpa
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