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Großreederei MSC soll Zukunft des Hamburger Hafens sichern

Hamburg und die weltgrößte Containerreederei MSC wollen mit einer strategischen Partnerschaft die Zukunft des Hafens sichern. Künftig wollen sie zu fast gleichen Teilen den Hafenlogistiker HHLA betreiben. Die Ankündigung kommt überraschend.
HHLA
Neue elektrische Lagerblöcke am Container Terminal Burchardkai der Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA). © Christian Charisius/dpa

Die weltweit größte Containerreederei MSC will beim Hamburger Hafenlogistiker HHLA einsteigen. Der in Genf ansässige Konzern und die Hansestadt unterzeichneten am Mittwoch einen verbindlichen Vorvertrag zur Gründung einer strategischen Partnerschaft, wie beide Seiten mitteilten. Derzeit hält die Stadt rund 69 Prozent an der börsennotierten HHLA. Diese soll künftig in einem Joint Venture gemeinsam geführt werden, wobei die Stadt 50,1 Prozent und MSC 49,9 Prozent der Anteile halten.

Um dies zu ermöglichen wird MSC für alle derzeit frei gehandelten Aktien ein Übernahmeangebot zum Preis von 16,75 Euro je Aktie machen. Gleichzeitig werde MSC sein Ladungsaufkommen in Hamburg von 2025 an deutlich erhöhen. Von 2031 an sollen es mindestens eine Million Standardcontainer pro Jahr sein.

Hamburgs Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) sprach auf einer Pressekonferenz im Rathaus von einer wegweisenden Transaktion, die zu einer strategischen Partnerschaft der Stadt mit einer der weltweit führenden Reedereien führe. «Dies kann unserer gesamten maritimen Wirtschaft die Schubkraft geben, die in schwierigen Zeiten gebraucht wird.»

MSC-Chef Soren Toft sagte, mit dieser «sehr wichtigen und strategischen Zusammenarbeit» werde die Hansestadt zu einem Knotenpunkt für sein Unternehmen. «In Zukunft werden wir uns viel tiefer, viel enger an Hamburg anbinden.» MSC sei ein wachsendes Unternehmen. «Jetzt unterstreichen wir, ein deutlicher Teil unseres Wachstums kommt hier in Hamburg.»

In der Hafencity soll eine neue Deutschlandzentrale entstehen, auch die Kreuzfahrtsparte MSC Cruises soll hier einen neuen Heimathafen bekommen. Mit zusätzlich 700 Arbeitsplätzen werde sich dabei die Mitarbeiterzahl in Hamburg mehr als verdoppeln, sagte Toft.

Bei der Hamburger Opposition waren die Reaktionen unterschiedlich - sei reichten von Ausverkauf des Hafens bis zu einem Rettungsring, den MSC der Stadt angesichts sinkender Umschlagszahlen hinwerfe. Die Gewerkschaften meldeten wegen des als weitgehend mitbestimmungsfrei geltenden Familienunternehmens MSC Bedenken an, Industrieverband und Handelskammer begrüßten die Pläne.

«Die HHLA bleibt in der Hamburger Konzernfamilie», betonte Wirtschaftssenatorin Melanie Leonhard (SPD). Die Stadt halte weiter die Mehrheit, «aber mit einem starken Partner». Zudem blieben Grund und Boden im Hafen vollständig im Besitz der Stadt.

Im Vordergrund der Verhandlungen mit MSC hätten zwei Punkte gestanden, sagte Finanzsenator Andreas Dressel (SPD): «Wir müssen die Mehrheit behalten und wir müssen die Mitbestimmung gewährleisten.» Beides habe man mit MSC erreicht. «Wir haben als Stadt auch weiterhin das Vorschlagsrecht für die CEO- und die Aufsichtsvorsitz-Positionen.»

Kürzlich hatte der Milliardär Klaus-Michael Kühne die Führung der HHLA scharf kritisiert und seine Bereitschaft zur Übernahme der Aktienmehrheit an der Hafengesellschaft signalisiert. Der Senat hatte darauf kühl reagiert. Nach Bekanntgabe der Partnerschaft mit MSC zeigte sich Kühne empört.

Die geplante Lösung sei ein Affront vor allem gegenüber Hapag-Lloyd als größtem Nutzer und damit größtem Reederei-Kunden des Hamburger Hafens, sagte er der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» und dem «Hamburger Abendblatt». «Ersten Zugriff auf eine Minderheitsbeteiligung an der HHLA hätte man natürlich einem echten Hamburger Unternehmen wie Hapag-Lloyd einräumen müssen.»

Er könne Hapag-Lloyd, an der er über seine Kühne Holding 30 Prozent hält, nur dringend raten, selbst ein Übernahmeangebot für 49,9 Prozent der HHLA-Aktien abzugeben. «Wenn Hapag-Lloyd es nicht tun würde, erwägt meine Kühne Holding AG, es kurzfristig zu tun», sagte er der Zeitung.

Bei Hapag-Lloyd gab man sich hingegen zurückhaltend. Man nehme die Ankündigung zur Kenntnis, sagte Reederei-Chef Rolf Habben Jansen der dpa. «Wir gehen davon aus, dass dies unsere Zusammenarbeit mit der HHLA nicht beeinträchtigen wird.»

Der geplante Einstieg von MSC und die vage Aussicht auf einen Bieterwettkampf sorgten bei den HHLA-Aktien am Mittwoch für ein Kursfeuerwerk. Binnen Stunden nach Bekanntgabe sprang der Kurs sprang um fast die Hälfte auf 17,22 Euro nach oben. Die HHLA-Aktien setzten damit ihren guten Lauf der vergangenen Tage fort, die bereits von Fantasie hinsichtlich des Einstiegs neuer Investoren getragen war.

MSC ist die größte Container-Reederei der Welt, vor der dänischen APM-Maersk. Der Container-Arm umfasst nach Unternehmensangaben 760 Schiffe, die 520 Häfen in 155 Ländern anlaufen. Über die Tochter TiL ist das Unternehmen bereits an rund 70 Terminals weltweit beteiligt.

In Bremerhaven ist MSC in einem Joint Venture mit Eurogate am MSC Gate Bremerhaven beteiligt. Diese 50-Prozent Beteiligung solle weiterlaufen, sagte Toft. Allerdings werde man sich künftig stärker auf Hamburg konzentrieren.

«In der Folge der Beteiligung an der HHLA kann es zu Ladungsverlagerungen im deutschen und europäischen Containerumschlag kommen», teilte das Bremer Ressort für Wirtschaft, Häfen und Transformation mit. «Ob dies Auswirkungen auf die Ladungsvolumina in Bremerhaven haben wird, kann noch nicht abschließend bewertet werden.»

© dpa
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