Schutzdünen auf Nordseeinseln werden für den Winter gerüstet

27.06.2022 Rund 20 Sturmfluten haben im vergangenen Winterhalbjahr an den Ostfriesischen Inseln genagt. Damit die Inseln für die nächste Sturmflutsaison geschützt sind, kommt im Sommer schweres Gerät zum Einsatz. Auf Norderney ist die Logistik besonders komplex.

Ein Bagger arbeitet an der Küste. © Volker Bartels/dpa/Archivbild

Nach den teils schweren Sandverlusten auf den Ostfriesischen Inseln infolge der rund 20 Sturmfluten im vergangenen Winter werden die Schutzdünen nun für die nächste Saison gerüstet. Im Fokus stehen vor allem die Inseln Norderney, Langeoog und Wangerooge, wie der zuständige Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) kürzlich mitteilte. Während eine Dünenverstärkung auf Wangerooge bereits kurz vor dem Abschluss steht, soll unter Einsatz von schwerem Gerät auf Langeoog und Norderney in den nächsten Wochen erst richtig losgelegt werden.

Insgesamt plant die Behörde, für die Arbeiten rund 15 Millionen Euro zu investieren - die Mittel kommen aus der der Bund-Länder Gemeinschaftsaufgabe zur Verbesserung der Agrarstruktur und des Küstenschutzes. Zudem hat die Landesregierung Sondermittel in Höhe von fünf Millionen Euro zugesagt. Insgesamt werden bei den drei Vorhaben rund 600.000 Kubikmeter Sand neu verbaut.

Durch die höheren Wasserstände und den Wellengang bei Sturmfluten sei es auf allen Inseln an den Schutzdünen zu Erosionen gekommen, sagte der Leiter der zuständigen NLWKN-Betriebsstelle in Norden, Frank Thorenz. Bei den Baumaßnahmen gehe es nun darum, die Schutzfunktion der Dünen vollkommen wieder herzustellen. Mit Sandaufspülungen, Dünenverstärkungen und Sandfangmaßnahmen werde das Prinzip des «Bauens mit der Natur» verfolgt.

Die Schutzdünen sichern ähnlich wie Deiche das Innere der Inseln und damit die Siedlungen vor Überflutungen. Auf Langeoog und Wangerooge wurden große Sanddepots, die als Verschleißkörper vor den Schutzdünen aufgebaut worden waren, durch die Sturmfluten abgetragen. Auf Norderney nagte die Nordsee an einem Abschnitt sogar so sehr an den Schutzdünen, dass sich bis zu 20 Meter tiefe Abbruchkanten bildeten.

Alle Baumaßnahmen erfolgten in Absprache mit den Inselgemeinden, betonte Thorenz. Auswirkungen auf den Tourismus mitten in der Hauptsaison ließen sich allerdings nicht ausschließen, da für die Arbeiten nur ein kleines Zeitfenster bis zum Beginn der nächsten Sturmflutsaison im Herbst zur Verfügung stehe. Bis Oktober soll alles fertig sein. Ein Überblick, was der NLWKN auf den drei Inseln plant:

- Norderney: An dem besonders betroffenen Strandabschnitt Kugelbake sollen zwei bestehenden Dünenketten verstärkt werden. Dazu sollen unter anderem auf rund 900 Metern Länge 125.000 Kubikmeter Sand verbaut werden. Die Schutzdüne ist für die Insel wichtig, da sie den östlichen Teil der Stadt und auch das Trinkwassergewinnungsgebiet vor Überflutungen absichert. Der Sand soll mit einem Spezialschiff westlich von Norderney vom Meeresboden gesaugt und dann vor den betroffenen Küstenabschnitt transportiert werden.

Über eine 350 Meter lange Spülleitung wird das Material dann von dem Schiff an Land gepumpt und von dort mit Dumpern in die Dünenkette gebracht. «Das ist logistisch eine sehr, sehr große Herausforderung», sagte Thorenz. Bislang habe es ein solches Verfahren in dieser Dimension auf den Ostfriesischen Inseln noch nicht gegeben. Die Kosten der Maßnahmen belaufen sich auf knapp 3,7 Millionen Euro.

- Langeoog: Vor den Schutzdünen des sogenannten Pirolatals auf Langeoog haben die Sturmfluten das Sanddepot auf rund 700 Metern Länge fortgespült. Dort sollen nun rund 450.000 Kubikmeter Sand mit einer Breite von knapp 50 Metern aufgespült werden. Diese Maßnahme sei alternativlos, sagte Thorenz - ansonsten bräuchte Langeoog wie die übrigen Inseln auch einen baulichen Küstenschutz. Bislang kommt die Insel als einzige ohne ein festes Deckwerk aus. Die Dünen vor dem Pirolatal schützen die wichtige Süßwasserlinse der Insel.

Ähnlich wie auf Norderney wird der Sand mit einem Spezialschiff westlich von Langeoog aus dem Meer geholt. Dann kommt eine zwei Kilometer lange Stahlrohrleitung zum Einsatz, die den Sand an den Strand spült. 6,5 Millionen Euro kostet die Maßnahme. Bei mäßigem Sturmflutgeschehen soll der Schutz laut Experte Thorenz drei bis fünf Jahre halten. Die letzte Aufspülung gab es allerdings bereits 2020.

- Wangerooge: Östlich des Badestrandes auf Wangerooge trafen die Sturmfluten das Sanddepot vor den sogenannten Nord-Ost-Dünen. Auf 600 Metern Länge wurde bereits ein Großteil der geplanten 25.000 Kubikmeter Sand aufgeschüttet. Diese Arbeiten sollen schon bald abgeschlossen werden, sagte Thorenz.

© dpa

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