Verband: Prostituiertenschutzgesetz führt zu Angst

Die politische Sprecherin des Berufsverbands für erotische und sexuelle Dienstleistungen (BesD), Johanna Weber, hat ihre Kritik am Prostituiertenschutzgesetz erneuert. «Fast gar keine möchte bei der Behörde als Prostituierte registriert sein», sagte Weber der Deutschen Presse-Agentur. Es gebe eine weit verbreitete Angst, dass die Information weitergegeben werde, sagte sie vor einer Veranstaltung des BesD in Oldenburg. Das 2017 in Kraft getretene Gesetz sieht unter anderem eine Anmeldepflicht für Sexarbeiterinnen und die Registrierung mit einem entsprechenden Ausweis vor.
Johanna Weber, politische Sprecherin des Berufsverbands erotische und sexuelle Dienstleistungen e.V. (BesD). © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Der BesD hatte am Sonntag zu einem Tag der offenen Tür in das Dominastudio «Nordic Oldenburg» geladen. Rund 50 Menschen hätten sich vorab angemeldet, sagte Weber. Bei der Veranstaltung erzählten auch Frauen, die in dem Studio tätig sind, von ihrem Arbeitsalltag.

Weber sagte zum Prostituiertenschutzgesetz, dass der Schutz der Daten der Prostituierten grundsätzlich sehr gut funktioniere, doch das Vertrauen, dass dies so bleibe, sei nicht sehr hoch. Insbesondere für Sexarbeiterinnen, die dauerhaft in Deutschland lebten, sei das Gesetz schwieriger als für andere. Diese sagten: «Wenn ich dann zur Anmeldestelle gehe, vielleicht arbeitet da ja die Cousine von meinem Nachbarn und schon geht das rund», sagte Weber. «Wir sagen, dass eine Registrierung als Prostituierte eigentlich zu nichts geführt hat.»

Das Prostituiertenschutzgesetz wird gegenwärtig einer Bewertung unterzogen. Ein fertiger Evaluationsbericht soll das Bundesfrauenministerium bis zum 1. Juli 2025 dem Deutschen Bundestag vorlegen.

Der BesD setzt sich nach Aussage Webers deutschlandweit für alle in der Sexarbeit tätigen Menschen ein. Der Verband habe mehr als 700 Mitglieder aus allen Bereichen der Branche. Er wurde 2013 in Köln gegründet.

© dpa
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