34-Jähriger soll Frau erstickt haben: «Wahn und Rausch»?

Zwei junge Frauen wurden in einem Wohnhaus in Brake Opfer brutaler Gewalttaten. Eine von ihnen überlebte nicht, die zweite erlitt schwere Verletzungen. Der mutmaßliche Täter steht nun vor Gericht.
Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. © David-Wolfgang Ebener/dpa/Symbolbild

Ein ungläubiges, aber klares Kopfschütteln ließ keinen Zweifel: Die Mutter wird dem mutmaßlichen Mörder ihrer Tochter trotz dessen Reuebezeugung nicht vergeben. Der Mann soll die 26-Jährige am 10. Dezember vorigen Jahres in Brake mit einem Handtuch erstickt haben und wenig später im selben Wohnhaus eine heute 26-jährige Frau mit einem Messer schwer verletzt haben. Sie überlebte nur mit Glück. Sie und auch die Mutter der Getöteten nahmen als Nebenklägerinnen persönlich an der Verhandlung am Oldenburger Landgericht teil.

«Ich kann nur erahnen, wie schwer es Ihnen fällt, hier zu sitzen. Geben Sie bitte auf sich Acht», sagte der Vorsitzende Richter am Dienstag an beide Nebenklägerinnen gewandt. Nur wenige Meter trennten sie von dem Angeklagten, dessen Verteidigerin zum Auftakt eine Erklärung verlas. Er sei damals wie «im Wahn und im Rausch» gewesen, gibt sie die Worte ihres Mandanten wieder. Er bereue die Taten zutiefst, habe aber niemanden töten oder verletzen wollen. Später fügt er selbst noch auf Nachfragen hinzu: «Ich verstehe das selber nicht.»

Der einschlägig vorbestrafte Mann hatte die junge Frau, die er schon lange Zeit vorher kannte, im Dezember zu sich nach Brake eingeladen und dann mit ihr Kokain konsumiert, das er vorher besorgt hatte. Beide schliefen in seiner Wohnung miteinander. Danach eröffnete er der Frau, dass er sich umbringen wolle, und sie ihm dabei helfen solle. Sie stürzte auf den Balkon und schrie. Er riss sie zurück und erstickte sie laut Anklage letztlich mit einem Handtuch.

Wenig später attackierte er den Angaben zufolge im Treppenhaus des Wohnblocks eine 26-jährige Nachbarin, wobei er sie mit einem Messer am Auge verletzte. Dann habe er sie an den Haaren in die Wohnung gezerrt, berichtete die angegriffene Frau selbst, die am Dienstag teilweise unter Tränen als Zeugin aussagte. In der Wohnung fügte ihr der Mann eine zwölf Zentimeter lange Schnittwunde am Hals zu. Sie sagte dem Angreifer, dass sie nichts sehen könne. Der habe nur erwidert: «Du wirst nie mehr etwas sehen. Du wirst nie mehr etwas sagen.»

Nur mit Glück gelang ihr die Flucht. Die Frau war nach der Tat monatelang arbeitsunfähig, leidet unter den psychischen Folgen und verfügt wegen der Verletzungen über eine eingeschränkte Sehfähigkeit. Spezialkräfte der Polizei nahmen den 34-Jährigen damals fest. Am Dienstag gab er bei vielen Fragen an, sich nicht mehr erinnern zu können - auch nicht daran, dass er die Beamten vor der Festnahme mit Kurzhanteln beworfen haben soll und schließlich mit einem Taser außer Gefecht gesetzt wurde. Er hatte sich vorher selbst erhebliche Schnittverletzungen zugefügt.

Die Verteidigerin des Angeklagten signalisierte, dass ihr Mandant das unfassbare Leid bereue und sich auch bei den Angehörigen entschuldigen wolle. Der Nebenklage-Anwalt der Mutter machte klar: «Es bleibt unerklärlich, egal welche Fragen wir beantwortet bekommen.» Für den Prozess sind insgesamt vier Verhandlungstage angesetzt. Er wird am 5. Mai fortgesetzt.

© dpa
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