Ex-Werder-Manager Lemke verteidigt Hoeneß nach Katar-Kritik

Der frühere Bremer Manager und Aufsichtsratschef Willi Lemke hat sich nach der Lobrede von Uli Hoeneß auf den umstrittenen WM-Gastgeber Katar «zumindest» zum Teil auf die Seite seines ehemaligen Fußballkollegen gestellt. «Er hat in vielen Punkten recht. Durch die WM öffnet sich Katar für die Welt, es hat schon positive Veränderungen in der Gesellschaft gegeben, und es wird weitere geben», sagte Lemke im Interview der «Sport Bild» (Mittwoch). Auch die Internationale Arbeitsorganisation (ILO) der Vereinten Nationen würde die Situation der 1,8 Millionen Arbeitsmigranten nicht so negativ sehen wie viele Kritiker in Deutschland, die einen WM-Boykott fordern.
Der ehemalige Fußball-Manager Willi Lemke bei einer Verleihung. © Christian Charisius/dpa/Archiv

Lemke war als Sport-Sonderbotschafter der Vereinten Nationen oft in der Golf-Region. Natürlich müssten die Migranten «für relativ wenig Geld sehr hart arbeiten in sehr schwierigem Klima» und die Unterkünfte böten von «sehr vernünftig» bis «sehr unzumutbar» alles, so Lemke. «Aber wir dürfen unsere Standards nicht auf die ganze Welt übertragen», sagte der 76-Jährige, der an Saisonarbeiter in Deutschland aus Bulgarien und Rumänien erinnerte, «die in den Schlachthöfen von Subunternehmen ausgebeutet werden und im Sommer zum Teil in den angrenzenden Wäldern übernachtet haben, um mehr Geld für die Familien zu Hause überweisen zu können».

Der frühere Bayern-Boss Hoeneß hatte am Sonntag während einer Diskussion um die umstrittene Menschenrechtslage in dem Emirat beim «Doppelpass» von Sport1 in der Sendung angerufen und den ehemaligen DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig als «König der Scheinheiligen» bezeichnet. «Die WM und das Engagement des FC Bayern und andere Sportaktivitäten in der Golf-Region werden dazu führen, dass die Arbeitsbedingungen für die Arbeiter dort besser werden und nicht schlechter werden. Das sollte man endlich mal akzeptieren und nicht ständig auf die Leute draufhauen», polterte Hoeneß.

Ausbeuten würden die 200.000 Katarer ihr gut 1,8 Millionen Gastarbeiter nicht, sondern ihnen Arbeit geben. Die Migranten würden aufgrund der schlechten Wirtschaftslage in ihren Heimatländern «Schlange stehen» für einen Job in Katar. Lemke ergänzte: «Die angeblichen 15.000 Toten auf den WM-Baustellen, die weltweit kolportiert werden, sind eine nicht belegte Zahl - auch wenn es natürlich zu viele Todesfälle gab.» Auch er hätte in seiner Zeit bei Werder Bremen nichts dagegen gehabt, «wenn wir uns Richtung Golf-Region orientiert hätten».

© dpa
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