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Frau schildert tödliche Attacke auf Mutter

Eine Angeklagte gesteht, dass sie ihre Mutter erstochen und die gemeinsame Wohnung angezündet hat. Ursprünglich habe sie die 74-Jährige nur für jahrzehntelange schlechte Behandlung strafen wollen.
Landgericht Hannover
Ein Schriftzug und ein Schild hängen am Landgericht Hannover. © Julian Stratenschulte/dpa

Mit 37 Messerstichen soll eine Frau in Hannover ihre 74 Jahre alte Mutter getötet und anschließend die gemeinsame Wohnung in Brand gesetzt haben. Seit Donnerstag muss sich die 50-Jährige vor dem Landgericht Hannover verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr heimtückischen Mord aus niedrigen Beweggründen vor. Die Angeklagte habe aus «tief empfundenem Hass» ihrer Mutter gegenüber gehandelt, sagte die Staatsanwältin. «Sie hatte regelrechte Folterfantasien, wie sie sich an dieser rächen könnte.» Von den Folterfantasien gibt es handschriftliche Aufzeichnungen. Die Frau sitzt in Untersuchungshaft.

Am ersten Prozesstag beschrieb die Deutsche ausführlich den Tathergang. Sie habe ihre Mutter nach Weihnachten 2023 überfallen, k.o. schlagen, fesseln, knebeln und bestrafen wollen, sagte die Frührentnerin, die wegen Depressionen in therapeutischer Behandlung war. «Ich wollte sie nicht töten, ich wollte, dass sie mit ihrer Schuld weiterleben muss.» Ihr Plan sei gewesen, ihrer Mutter den Kopf kahl zu rasieren und ihr Geldprobleme zu bereiten. Danach wollte sich die 50-Jährige nach eigener Aussage am Silvestertag 2023 selbst umbringen. Laut Anklage fühlte sich die Tochter seit ihrer Kindheit von ihrer Mutter nicht geliebt und wertgeschätzt.

Ihre Mutter sei größer und stärker als sie selbst gewesen, deshalb sei sie frühmorgens mit einem Hammer in der einen und einem Messer in der anderen Hand ins Schlafzimmer gegangen und habe sich auf die Brust der im Bett liegenden 74-Jährigen gesetzt. Erst als die Mutter zu schreien begonnen habe, sei sie in Panik geraten und «vollkommen ausgerastet». In sachlichem Ton sagte die Angeklagte: «Ich wollte ihr Herz treffen, damit sie endlich Ruhe gibt, damit keine Nachbarn kommen und die Polizei holen.»

Tatsächlich blieb das Verbrechen zunächst unbemerkt. Der Anklage zufolge setzte die Tochter am Neujahrstag die Wohnung in Brand, um den Mord an der Mutter zu vertuschen. Dazu soll die 50-Jährige Wände mit Brandbeschleuniger eingesprüht und Brandherde in mehreren Zimmern, nur nicht in ihrem eigenen entzündet haben. Um ihre Mutter noch im Tod zu demütigen, habe die Angeklagte «volluriniertes Katzenstreu» über ihr ausgeschüttet und einen Scheiterhaufen auf ihrem Kopf errichtet, sagte die Staatsanwältin.

Nach eigenen Angaben wollte die 50-Jährige durch das Feuer selbst sterben. Ihr eigenes Zimmer habe sie nur nicht mit brennbarem Material ausgelegt, weil hier ihre beiden Katzen überleben sollten.

«Warum waren Sie so wütend auf Ihre Mutter?», fragte die Vorsitzende Richterin Britta Schlingmann die selbstbewusst auftretende Angeklagte. Sie habe mit ihrer Mutter nicht vernünftig reden können, erwiderte die 50-Jährige. «Sie hat mich als Punchingball benutzt, immer niedergemacht.» Ihre Mutter habe sie für faul gehalten, dabei habe sie Depressionen gehabt. Nach ihrer Scheidung sei sie wegen ihrer finanziellen Not etwa vor zwölf Jahren in die Wohnung der Mutter gezogen. Dort hätten beide nebeneinanderher gelebt.

Einmal habe sich die Mutter beim Kauf einer Kaffeemaschine bei der Marke vertan und ihr die Schuld gegeben, beklagte sich die Tochter. Auch sei die Mutter eifersüchtig gewesen, weil sich die beiden Katzen in der Wohnung lieber zu ihr gelegt hätten. Reue wegen des tödlichen Gewaltexzesses, in dessen Folge die 74-Jährigen verblutete, äußerte die Frührentnerin nicht. Sie weinte aber, als es um ihre eigenen psychischen Verletzungen als Kind ging.

Medikamente gegen ihre Depressionen hatte die Angeklagte nach eigener Aussage zum Tatzeitpunkt nicht genommen. Sie habe die Alternativmedizin und Kräuterheilkunde für sich entdeckt und fühle sich dadurch befreiter, sagte die Bürokauffrau, die vor ihrer Rente im Telefondienst gearbeitet hatte.

Der Prozess wird von einer psychiatrischen Gutachterin verfolgt, die an einem der nächsten Verhandlungstage gehört wird. Neben der Frage, ob die 50-Jährige voll schuldfähig ist, wird zu klären sein, ob sie die Tat geplant hatte.

Wenn sie ihre Mutter nur strafen, aber nicht töten wollte, warum hatte sie dann ein Messer dabei, fragte Richterin Schlingmann die Angeklagte. Ursprünglich sei das Messer als «Motivationsverstärker» gedacht gewesen, um die Mutter einzuschüchtern, erläuterte die Frau. Weil die Mutter geschrien habe, habe sie in Panik auf deren Stimmbänder eingestochen: «Ich wollte nur noch, dass es aufhört. Im Endeffekt ist es jetzt genau andersherum: Sie ist erlöst, und ich kriege die Strafe.»

Der Prozess wird am Freitag (14. Juni) fortgesetzt. Insgesamt sind sechs Verhandlungstage angesetzt. Nach dieser Planung könnte das Urteil am 26. Juli gesprochen werden.

© dpa ⁄ Christina Sticht, dpa
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