Belegschaft gegen Übernahme von Airbus-Tochter durch Mubea

25.04.2022 Der Autozulieferer Mubea hätte gerne die Airbus-Tochter Premium Aerotec Varel übernommen. Doch daraus wird nun nichts. Eine große Mehrheit der rund 1200 Beschäftigten hat sich für einen Verbleib beim Flugzeugbauer Airbus entschieden. Nun stehen Umstrukturierungen an.

Das Firmenlogo der Airbus-Tochter Premium Aerotec am Gebäude des Unternehmens in Varel. © Sina Schuldt/dpa/Symbolbild

Die Belegschaft der Airbus-Tochter Premium Aerotec im niedersächsischen Varel hat sich mit großer Mehrheit für einen Verbleib im Konzern und gegen eine Übernahme durch den Autozulieferer Mubea entschieden. In einem Mitgliederentscheid der IG Metall votierten 74,5 Prozent der Teilnehmenden für einen Verbleib beim Flugzeugbauer Airbus, wie die Gewerkschaft am Montag mitteilte. Die Wahlbeteiligung habe bei rund 94 Prozent oder 1173 der rund 1200 Beschäftigten gelegen, sagte der norddeutsche Bezirksleiter und Verhandlungsführer der IG Metall, Daniel Friedrich.

Die Belegschaft hatte über ihre Zukunft entscheiden dürfen, weil die IG Metall und die Betriebsräte ein Vetorecht haben, das sie Airbus Anfang Februar nach einer Serie von Warnstreiks und langwierigen Verhandlungen über die Bedingungen eines Airbus-Konzernumbaus abgerungen hatten. Das kommt jetzt mit dem Mitgliederentscheid zum Tragen. «Wir haben immer deutlich gemacht, dass wir diesem Votum folgen werden, das ist gelebte Demokratie», sagte Friedrich.

Schon zuvor hatten sich Airbus und die Gewerkschaft den Angaben zufolge für den Fall eines Verbleibs auf eine Restrukturierung, eine Mindestbeschäftigung von 1000 Vollzeitstellen sowie eine Weiterentwicklung der Arbeitsinhalte in Varel verständigt. «Die Vereinbarung sichert die Zukunft von Varel bis 2030 ab. Es ist gut, dass jetzt alle Beteiligten Klarheit haben», sagte Friedrich. Betriebsratschef Jürgen Bruns sprach von einem eindeutigen Votum der Belegschaft. «Viele hängen halt mit dem Herzen an diesem Konzern.»

Ein Airbus-Sprecher erklärte, dass der Flugzeugbauer, die IG Metall und auch der Betriebsrat noch vor wenigen Wochen eine Partnerschaft mit dem Zulieferer Mubea empfohlen hätten. Diesem Rat sei die Belegschaft nicht gefolgt. Nun müsse der Bereich Einzelteilfertigung innerhalb von Airbus umstrukturiert werden. Dies solle ohne betriebsbedingte Kündigungen umgesetzt werden. «Die Integration der Standorte Augsburg, Varel und Braşov in die Airbus Aerostructures GmbH kann nur nach einer erfolgreichen Restrukturierung erfolgen, die bis spätestens 30. Juni 2025 abgeschlossen sein sollte», sagte der Sprecher.

Noch Mitte März hatte der Chef der Muhr und Bender KG (Mubea), Thomas Muhr, in Betriebsversammlungen um die Zustimmung der Belegschaft geworben, hatte mittelfristig einen erheblichen Stellenaufbau und zusätzliche hohe Investitionen bis 2027 in Aussicht gestellt. Varel sollte zudem als weltweite Zentrale der Mubea-Sparte Aviation die führende Rolle im Ausbau des bestehenden Luftfahrtgeschäftes einnehmen. Dafür sollten unter anderem Entwicklung, IT und Vertrieb neu in Varel angesiedelt werden.

Entsprechend enttäuscht reagierte nun das Unternehmen aus dem sauerländischen Attendorn. «Wir bedauern diese Entscheidung», sagte ein Sprecher. Mubea halte jedoch unverändert an seiner Strategie fest, sein Luftfahrtgeschäft zu einem starken zweiten Standbein auszubauen. Mubea beliefert als Leichtbauspezialist mit 2,5 Milliarden Euro Umsatz vor allem die Autoindustrie, ist mit der Tochter Flamm aber auch im Luftfahrtsektor unterwegs und gehört seit Jahren zu den Airbus-Zulieferern. Wachstumspotenzial verspricht sich Mubea von Geschäften auch mit anderen Flugzeugbauern.

© dpa

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