Doppelmord: Angeklagter soll aus Rache getötet habe

13.06.2022 Die Anklage im Doppelmord von Fischerhude klingt wie der Plot eines Fernsehkrimis: Es geht um teure Pferde, wirtschaftlichen Ruin, eine gescheiterte Beziehung, Freundschaft, Hass und Rache. Seit Montag läuft der Prozess am Landgericht Verden.

Der Angeklagte sitzt vor Prozessbeginn im Gerichtssaal. © Sina Schuldt/dpa

Hass und Rache sollen nach Auffassung der Staatsanwaltschaft Verden das Motiv für den Doppelmord und den versuchten Mord in Fischerhude sein. Mit der Tat habe der Angeklagte einen ehemaligen Freund und Geschäftspartner bestrafen wollen, sagte eine Vertreterin der Staatsanwaltschaft am Montag zu Beginn des Prozesses vor dem Landgericht Verden. Ihn habe der Angeklagte für seinen wirtschaftlichen Ruin und für die in die Brüche gegangene Beziehung zu seiner Lebensgefährtin verantwortlich gemacht.

Der 64-jährige Angeklagte soll am 28. Dezember 2021 die Mutter (73) und den Bruder (56) seines ehemaligen Freundes in deren Bauernhaus in dem Künstlerdorf in Niedersachsen erschossen haben. Eine zufällig anwesende Cousine der Frau soll er in den Kopf geschossen haben, damit er unerkannt vom Tatort habe fliehen können. Die 53-Jährige überlebte nur deshalb schwer verletzt, weil sie sich totgestellt habe, sagte die Staatsanwältin. Der Angeklagte habe heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen gehandelt.

Der Staatsanwaltschaft zufolge war der Angeklagte - ein Züchter von teuren Sportpferden - in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Sein Gestüt war in Konkurs gegangen. Der Freund, ebenfalls Pferdezüchter, habe den Angeklagten mit seiner Familie kostenlos auf seinem Gestüt wohnen lassen. Nach einem halben Jahr sollten die vier ausziehen, weil dann die Mutter und der Bruder des Freundes - die späteren Opfer - das Nebengebäude bewohnen sollten.

Doch der Angeklagte sei geblieben und habe weiter «auf großem Fuß» gelebt. Von seinem Freund habe er sich 100 000 Euro geliehen, er habe dessen Gestüt managen und ein Restaurant eröffnen wollen. Als Sicherheit habe er Geräte und Trecker auf das Gelände gestellt. Rund zwei Wochen vor der Tat habe er die Maschinen entfernt, «um sie selber weiter zu nutzen oder sie zu verkaufen», wie die Staatsanwältin sagte.

Daraufhin habe der ehemalige Freund ihm Hausverbot auf dem Gestüt erteilt. «Der Angeklagte erkannte, dass er finanziell endgültig gescheitert war», sagte die Staatsanwältin. Kurz darauf habe sich seine Lebensgefährtin von ihm getrennt, sie habe mit den Kindern auf dem Hof bleiben dürfen.

Um sich zu rächen, habe er den Entschluss gefasst, die Mutter und den Bruder seines ehemaligen Freundes zu töten. Der Angeklagte habe vorgehabt, dem ehemaligen Freund «Schmerzen zuzufügen und dessen Leben ebenfalls zu zerstören», sagte die Staatsanwältin.

Am Tattag habe die Cousine der Mutter dem Angeklagten arglos die Haustür geöffnet. Zunächst soll der Angeklagte auf den 56-Jährigen in dessen Einliegerwohnung geschossen haben. Anschließend feuerte er auf die Cousine, dann erschoss er die 73-Jährige im Schlaf. Sie war sofort tot. Nach diesen Taten sei der Angeklagte noch einmal zu dem 56-Jährigen zurückgekehrt, habe bemerkt, dass er noch lebe und habe erneut geschossen.

Laut Anklage nahm er die Handys seiner Opfer, zwei Dokumente von teuren Pferden sowie Fahrzeugpapiere mit. Das schwer verletzte Opfer rettete sich zu Nachbarn. «Ob Spätfolgen der Verletzungen bleiben, weiß man erst nach Abschluss der Behandlung», sagte die Staatsanwältin. Der ehemalige Freund des Angeklagten sei «schwer traumatisiert». Am Tag nach der Tat stellte sich der Angeklagte der Polizei.

Die Verteidigung kündigte für den nächsten Verhandlungstag am 27. Juni eine Stellungnahme ihres Mandanten an. Für den Prozess sind bis Ende Dezember mehr als 30 Verhandlungstage angesetzt.

© dpa

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