Kostenexplosion bringt Krankenhäuser in Not

Den Krankenhäusern laufen die Kosten davon, die Einnahmen sind zu gering. Wieviel Hilfe brauchen die Kliniken, um weiter arbeiten zu können?
Ein Hinweisschild mit der Aufschrift «Krankenhaus» weist den Weg zur Klinik. © Marcus Brandt/dpa/Symbolbild

Angesichts der dramatisch steigenden Sach- und Personalkosten geht den Krankenhäusern in Niedersachsen das Geld aus. «Viele Häuser werden dieses Jahr mit einem negativen Ergebnis abschließen», sagte am Donnerstag Martin Pohlmann vom Caritas-Landesverband Oldenburg. Es seien seitens der Politik rasche Hilfen nötig, weil die Liquidität nicht mehr gegeben sei.

Die finanzielle Situation sei bei allen Krankenhäusern derzeit angespannt, sagte Helge Engelke, Geschäftsführer der Niedersächsischen Krankenhausgesellschaft. «Die ersten Häuser haben Insolvenz angemeldet, viele versuchen noch, über Zuschüsse ihrer Träger ihre Defizite auffangen zu können.»

Die Gründe liegen laut Pohlmann und Engelke in den Kostenexplosionen bei den Energie- und Sachmittelpreisen. Zugleich sei die Belegung der Kliniken auf einem niedrigen Niveau, was sich negativ auf die Einnahmen auswirke. Bei den anstehenden Tarifverhandlungen seien Gehaltszuwächse im zweistelligen Prozentbereich zu erwarten.

Die vom Härtefallfonds für die Krankenhäuser in Niedersachsen vorgesehenen Hilfen von 600 Millionen Euro reichten bei weitem nicht aus. «Der tatsächliche Finanzbedarf der Krankenhäuser in Niedersachsen beläuft sich auf 1,2 Milliarden Euro», sagte Engelke. Während bei kommunalen Häusern die Kommunen die Defizite auffangen könnten, gebe es diese Möglichkeit für kirchliche und private Kliniken nicht.

Die Krankenhäuser seien seit Jahren unterfinanziert, sagte Pohlmann. Engelke forderte einen Strukturwechsel bei der Finanzierung. Wichtig seien aber in der aktuellen Lage schnelle Hilfen. Die von Bundesgesundheitsminister Lauterbach in dieser Woche vorgestellten Reformpläne seien zwar richtig, deren Umsetzung werde aber noch fünf Jahre dauern. «Darauf können wir nicht warten», sagte Engelke.

Auf die schwierige Lage aufmerksam machen wollen 13 Krankenhäuser im Oldenburger Land am Freitagabend: Um 18 Uhr soll für 15 Minuten das Licht ausgemacht werden. Das sei ein symbolischer Akt, sagte Pohlmann. «Der Krankenhausbetrieb in den Notaufnahmen, den OPs und den Stationen wird natürlich fortgesetzt.»

© dpa
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