Özdemir: Moorschutz ist Klimaschutz

Jahrhundertelang rangen die Menschen den Mooren mühsam Land zur Nutzung ab. Die Klimakrise hat alles verändert. Moore sollen wieder vernässt werden. Aber was passiert mit den Bauern, die dort Flächen bewirtschaften?
Cem Özdemir (Bündnis 90/Die Grünen), Bundesagrarminister. © Axel Heimken/dpa/Archivbild

Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (Grüne) hat den Schutz der Moore in Deutschland als zentralen Baustein für den Klimaschutz bezeichnet. Moore seien nicht nur gut fürs Klima, sondern auch für die biologische Vielfalt. «Moorschutz ist eine Kernbereich des natürlichen Klimaschutzes», sagte Özdemir am Dienstag bei einer Fachtagung zur Zukunft der Moore in Bremen.

Ihm sei es wichtig, mit den Landwirten eine offene und ehrliche Debatte zu führen. «Ja, wir wollen als Bundesregierung den Klimaschutz durch den Schutz unserer Moorböden stärken. Gleichzeitig sehe und verstehe ich die Sorgen bei denen, die Flächen in Moorgebieten bewirtschaften und deren Lebensunterhalt davon abhängt.»

Niedersachsens Landwirte pochen bei den anstehenden Klimaschutzmaßnahmen in Moorgebieten auf ein Mitspracherecht. «Wir erwarten eine frühzeitige und ehrliche Kommunikation auf wissenschaftlich-abgesicherter Basis», hieß es in einem Positionspapier des Landvolks Niedersachsen. Präsident Holger Hennies machte klar: «Der geforderte Moorschutz hat die Dimension des Kohleausstiegs.»

Man erkenne an, dass die Freisetzung von Treibhausgasen durch Moorflächen, die von Menschen genutzt würden, verringert werden müsse. «Was wir aber ganz dringend verhindern wollen, dass die Leute kalt enteignet werden», sagte Hennies.

In Niedersachsen seien etwa 5000 bis 8000 Betriebe betroffen, die Flächen in Moorgebieten hätten. Diese Betriebe dürften nicht schleichend aus Moorgebieten «heraus geekelt» werden. «Die Gesellschaft und auch der Bundeslandwirtschaftsminister müssen wahrnehmen, hier sind Menschen, die hier wohnen, leben und arbeiten, und das schon seit Jahrhunderten.»

Insgesamt leben in Niedersachsen nach Schätzung des Landvolks mehr als 500.000 Menschen in den kultivierten Moorregionen. Rund 38 Prozent der bundesweiten Moorflächen liegen in dem Bundesland. Bei den Hochmooren sind es 73 Prozent. Das Land trage als wichtiger Agrarstandort eine besondere Verantwortung für die in den Mooren gebundenen Kohlenstoffe, betonte das Umweltministerium auf seiner Internetseite.

Das Trockenlegen zur landwirtschaftlichen Nutzung und das Abtorfen habe die Moore stark geschädigt. Durch schonende Bewirtschaftung sowie Wiedervernässung könne ein erheblicher Beitrag geleistet werden, damit die Moore zu Kohlenstoffsenken würden. Die Bundesregierung will in den nächsten Jahren Milliarden Euro in «natürlichen Klimaschutz» und in Moorprogramme investieren.

© dpa
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