Klimaaktivisten kapern LNG-Baustelle in Wilhelmshaven

Vor einem prominenten Politikerbesuch haben Klimaaktivisten die Baustelle für das geplante Gas-Importterminal in Wilhelmshaven besetzt. Die Behörden waren vorbereitet - allerdings an einem anderen Ort.
Ein Transparent mit „Stop Gas Lock-In, Enter Future.“ hängt auf der Baustelle für die Gaspipeline. © Hauke-Christian Dittrich/dpa

Mehrere Hundert Klimaaktivisten haben in Wilhelmshaven gegen das geplante Importterminal für Flüssigerdgas (LNG) protestiert. Die Gruppierung «Ende Gelände» teilte mit, man habe die Baustelle am Freitagmorgen besetzt. Dabei handele sich um eine Aktion des zivilen Ungehorsams «gegen den geplanten Ausbau fossiler Gasinfrastruktur». Die Aktivisten saßen auf Baufahrzeugen und Baumaterial, besetzten einen Kran und zeigten Transparente mit Slogans wie «Sauberes Gas ist eine Lüge». Viele von ihnen trugen einen weißen Schutzanzug und eine grüne Maske.

Die Polizei sprach von rund 200 bis 300 Teilnehmern an zwei Standorten: dem Hafen Jade-Weser-Port sowie Hooksiel, wo eine Pipeline zur Anbindung an das Gas-Fernleitungsnetz entstehen soll. Die Demonstration sei nicht angemeldet gewesen. «Ende Gelände» sprach von bis zu 400 Teilnehmern.

Laut Polizei wurden bis zum Nachmittag drei Sachbeschädigungen erfasst, dabei handele es sich um leichte Beschädigungen an Baufahrzeugen. Ansonsten verlaufe der Protest «relativ ruhig und friedlich». Nach Kenntnis der Polizei seien am Freitag keine Arbeiten an der Baustelle geplant gewesen. Eine Räumung sei zunächst nicht angedacht, sagte ein Polizeisprecher. Wie viele Polizisten im Einsatz waren, sagte er nicht.

Die Aktivistin Luka Scott von «Ende Gelände» bezeichnete die Lage als «ruhig und entspannt». Mit Blick auf die Klimakrise erklärte sie, die Gruppierung werde sich einem «fossilen Rollback» hin zu Gasimporten «entschieden entgegenstellen und den Bau von LNG-Terminals verhindern».

Das niedersächsische Innenministerium teilte mit, bei den Aktivisten handele es sich um Teilnehmer eines Klimaprotestcamps in Hamburg aus dem linken Spektrum, die sich am Morgen mit mehreren Bussen auf den Weg gemacht hätten. Ursprünglich sei eine Demonstration in Stade angemeldet gewesen, wo ebenfalls ein LNG-Terminal entstehen soll, die Busse hätten dann aber das Ziel Wilhelmshaven eingeschlagen. Die Polizei sei dennoch mit ausreichend Kräften im Einsatz.

Am Nachmittag trafen Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil und Energieminister Olaf Lies in ihrer Funktion als SPD-Landesspitze zu einem bereits länger geplanten Besuch der LNG-Baustelle in Wilhelmshaven ein. «Verstecken ist nicht», hatte Lies zuvor mit Blick auf die Protestaktion gesagt. Einen direkten Kontakt mit den Aktivisten gab es aber bis zum Nachmittag nicht.

Das LNG-Terminal in Wilhelmshaven soll noch in diesem Winter den Betrieb aufnehmen. Geplant ist ein Umschlag von bis zu 7,5 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr - das sind etwa 8,5 Prozent des deutschen Gasbedarfs. Niedersachsens Energieminister Lies erhofft sich in Wilhelmshaven zudem noch ein zweites Terminal, das nach seiner Einschätzung von 2023 an LNG aufnehmen könnte.

© dpa
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