Ex-Umweltminister gegen Gasförderung in der Nordsee

In Niedersachsen vollziehen SPD und CDU mit Blick auf die Gasförderung in der Nordsee gerade eine 180-Grad-Wende. Der frühere Umweltminister Trittin hält das für falsch - verteidigt aber ein anderes Projekt mit fossiler Energie.
Jürgen Trittin (Bündnis 90/Die Grünen), Mitglied im Auswärtigen Ausschuss. © Bernd von Jutrczenka/dpa/Archivbild

Der frühere Bundesumweltminister Jürgen Trittin hat sich gegen die geplante Gasförderung vor der Nordseeinsel Borkum ausgesprochen. «Ich halte das Projekt weder für zielführend noch für relevant», sagte der Grünen-Bundestagsabgeordnete der Deutschen Presse-Agentur in Hannover. «Die 60 Milliarden Kubikmeter, die dort liegen, decken in Deutschland nicht mal einen Jahresbedarf. Für den Ersatz von russischem Gas spielt das keine große Rolle.»

Das niederländische Unternehmen One Dyas beabsichtigt schon seit längerem, vor Borkum Erdgas zu fördern. Niedersachsens Landesregierung hatte das noch im vergangenen Herbst mit Verweis auf betroffene Schutzgebiete und Gefahren für den Naturraum Wattenmeer strikt abgelehnt. Vor dem Hintergrund des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine und der deutschen Abhängigkeit von russischem Gas treiben SPD und CDU das Projekt nun jedoch voran.

Trittin sagte, für ihn sei wichtiger, dass der Gasverbrauch gesenkt werde. «Deswegen geht es zum Beispiel bei einem Verbot von Verbrenner-Autos und Öl- und Gasheizungen nicht nur um Klimaschutz, sondern auch um globale Gerechtigkeit. Wir dürfen dem Rest der Welt nicht die Energie wegkaufen», sagte er. «Wenn wir das täten, müssten wir uns fragen, ob die 141 Staaten, die den russischen Krieg verurteilt haben, als Bündnispartner auf Dauer an unserer Seite bleiben.»

Mit Blick auf die in Niedersachsen und Schleswig-Holstein geplanten Terminals zum Import von Flüssigerdgas (LNG) betonte Trittin, es müsse Übergangslösungen geben, bis der Ausstieg aus der fossilen Energie geschafft sei. «Wenn wir kein Geld mehr an Putin überweisen wollen, aber noch eine Zeitlang auf Kohle, Öl und Gas angewiesen sind, müssen wir das woanders her importieren. Dieser Unbequemlichkeit müssen wir uns stellen.» Bei den LNG-Terminals handele es sich zudem um schwimmende Einheiten, die auch wieder weggefahren werden könnten. «Das ist kein Aufbau einer neuen fossilen Infrastruktur», sagte der Grünen-Politiker.

© dpa
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