Enercity: Kaum noch Gas in Stromproduktion

Viele Gaskraftwerke drosseln ihren Betrieb in der Stromerzeugung, weil der Rohstoff gespeichert und fürs Heizen aufgehoben werden soll. Auch in Hannover muss der Versorger Enercity deshalb nun einiges verschieben - bei der Elektrizität wie bei der Fernwärme.
Blick auf Transformatoren am Kohlekraftwerk Stöcken, das vom Energieversorger enercity betrieben wird. © Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

Enercity hat die Verbrennung von Erdgas in der Stromproduktion wegen des drohenden Energiemangels im Winter inzwischen stark verringert. «Aktuell ist der Gasstrom bei uns schon fast ganz zurückgefahren», sagte ein Sprecher des hannoverschen Regionalversorgers. Das Heizkraftwerk im Stadtteil Linden beteilige sich hauptsächlich noch an der Stabilisierung auch des überregionalen Netzes, die für viele Energieunternehmen verpflichtend ist.

Die Anlage mit den markanten Schornsteinen («drei Warme Brüder»), in die Enercity zuletzt viel investiert hatte, stehe nicht auf der Abschaltliste der Bundesnetzagentur. Derweil sei die Wärmeversorgung der Kunden mittlerweile «nahezu komplett auf Stöcken übertragen», hieß es mit Blick auf den Kohlemeiler im Norden der Landeshauptstadt.

Welche Folgen längerfristige Einsparvorgaben beim Gas für das Heizkraftwerk hätten, konnte Enercity noch nicht näher beziffern. Die drei Blöcke mit einer elektrischen Leistung von über 250 Megawatt und einer thermischen Leistung von 185 Megawatt nutzen das Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung. Dabei wird derjenige Anteil heißen Dampfes, der in der Stromproduktion nicht für die Bewegung der Turbine und danach für den Generator-Betrieb nötig ist, weiter verwendet. So lassen sich parallel Strom und Fernwärme bei höherer Effizienz gewinnen. Enercity will auch selbst Energie sparen. So bleibt die bekannte rot-violette Beleuchtung der Kraftwerkstürme nun etwa häufiger ausgeschaltet.

Weil aufgrund der russischen Lieferkürzungen möglichst viel Erdgas für Einspeicherung, Heizen und industrielle Zwecke aufgehoben werden soll, sind die Versorger aufgerufen, Gas zur Stromerzeugung vorläufig nur noch in systemrelevanten Anlagen einzusetzen. Gasmeiler, die für das Glätten der schwankenden Ökostrom-Einspeisung nicht nötig sind, sollen sich herausziehen. Zum Ausgleich der wegfallenden Strommenge werden auch Kohlekraftwerke aus der Reserve geholt. Die erste solche Anlage in Deutschland war das frühere Enercity-Kraftwerk in Mehrum (Kreis Peine), das heute dem tschechischen Energiekonzern EPH gehört.

Zum Jahreswechsel sollen erste provisorische Importterminals für verflüssigtes Erdgas (LNG) an der deutschen Nordseeküste ihre Arbeit aufnehmen. Zudem hat die Debatte um den sogenannten Streckbetrieb der drei noch laufenden Kernkraftwerke - eine begrenzte Verlängerung der Reaktorlaufzeiten mit vorhandenen Brennstäben - an Fahrt aufgenommen. Unter ihnen ist das Akw Emsland bei Lingen. Ziel der Energiepolitik ist es, erneuerbare Quellen wie Wind, Sonne, Wasser, Biomasse und Geothermie auch angesichts des Ukraine-Kriegs nun rascher auszubauen. Die fossilen Träger werden allerdings für den Übergang gebraucht.

Die Stadt Hannover hatte bereits im Frühjahr 2021 angekündigt, schneller als zuvor geplant aus der Kohleverstromung aussteigen und bei der Strom- sowie Wärmeproduktion auf regenerative Energien umsatteln zu wollen. Das Kraftwerk Stöcken wird laut damaligem Stand statt ab 2025 nun schon ab 2024 schrittweise vom Netz gehen. Auch aus Biomasse- und Klärschlamm-Verbrennung soll Wärme gewonnen werden. Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) hatte den Bund aufgefordert, die Kommunen beim Umbau der Energieversorgung stärker zu unterstützen.

© dpa
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