Umgang mit Tests soll zwei Wochen vor Schulbeginn feststehen

Am Mittwoch ist der letzte Schultag in Niedersachsen vor den Sommerferien. Bei der Frage nach einer Corona-Schutzvorkehrung, die in diesem Schuljahr über weite Strecken zum Einsatz kam, besteht noch keine Klarheit.
Medizinische Masken und Schultaschen hängen in einer Schulgarderobe. © Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/ZB/Symbolbild

Rund zwei Wochen vor Beginn des neuen Schuljahres soll in Niedersachsen feststehen, wie mit Corona-Tests verfahren wird. Das kündigte das Kultusministerium in Hannover am Dienstag an. Am Donnerstag beginnen die Ferien im Bundesland für 1,1 Millionen Schülerinnen und Schüler, das neue Schuljahr startet dann Ende August. Ob es dann eine verpflichtende Testphase gibt oder an die Freiwilligkeit appelliert wird, sei derzeit noch offen. In diesem Schuljahr waren nach mehreren Ferien tägliche Tests vorgeschrieben; seit mehreren Monaten gibt es keine Testpflicht mehr für Schüler.

Die Landesregierung will einen möglichen Corona-Herbst und -Winter im Vorwege absichern. Vom 1. August bis zum Jahresende sollen dafür ausreichend Corona-Tests zur Verfügung stehen, wie die Staatskanzlei mitteilte. Davon könnten dann etwa Schüler, Kita-Kinder oder Landesbedienteste profitieren.

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) kündigte an, mit Hochdruck daran zu arbeiten, die personelle Unterstützung weiter verbessern zu wollen. Dies gelte auch für die Kindertageseinrichtungen. In diesem Schuljahr sank die Unterrichtsversorgung auf den niedrigsten Wert seit 19 Jahren. Der Minister dankte den Lehrern, Erziehern und dem weiteren Personal für ihren Einsatz im weiteren Corona-Schuljahr und bei der Integration von rund 15.000 ukrainischen Kindern und Jugendlichen.

Die Bildungspolitik von Tonne in diesem Schuljahr stößt bei den Grünen auf überwiegend negatives Echo. «Die Schulen stehen derzeit vor riesigen Herausforderungen, denen Minister Tonne nicht durch ausreichende Maßnahmen begegnet», sagte die Grüne-Fraktionsvorsitzende Julia Willie Hamburg auf dpa-Anfrage.

Auch durch die schlechte Unterrichtsversorgung spitze sich die Lage an den Schulen zu. Hamburg fordert den Ausbau multiprofessioneller Teams und verlässliche finanzielle Grundlagen dafür. Das jüngst von Tonne vorgelegte Maßnahmenpaket werde nicht die nötige Wirkung entfalten. Damit will Niedersachsen Hunderte dringend benötigte neue Lehrerinnen und Lehrer anwerben. So wird die Zahl der zum neuen Schuljahr zu besetzenden Vollzeitstellen um weitere 730 auf rund 2300 angehoben.

Mit Blick auf die Politik in der Corona-Pandemie erhielt Tonne aber auch Lob von der Oppositionspolitikerin. «Es war gut, dass er in der Corona-Pandemie Schulleitungen von Grundschulen entlastet hat und diese Entlastung jetzt nach Protest auch beibehält.» Es sei zudem positiv zu bewerten, dass es in Niedersachsen lange eine Testpflicht und Testangebote für die Schulen gegeben habe. Hamburg bekräftigte ihre Forderung nach mehr Lüftungssystemen an Schulen.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) begrüßte das Maßnahmenpaket. Es löse allerdings nicht einmal die ärgsten Nöte der Unterrichtsversorgung an den Schulen, sagte der GEW-Landesvorsitzende Stefan Störmer. Mit Blick auf die Corona-Pandemie erläuterte er: «Es ist ersichtlich, dass das tägliche Testkonzept nach den Ferien die Sicherheit in den Schulen erheblich erhöhte. Flächendeckende Schulschließungen konnten so vermieden werden.» Der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte äußerte sich ähnlich.

Der Kinderschutzbund in Niedersachsen teilte mit, Kinder und Jugendliche könnten nicht gleich gut mit der Corona-Pandemie umgehen. Dies schlage sich auch in den schulischen Leistungen nieder.

Das Lehrkräftegewinnungspaket ist nach Einschätzung des CDU-Bildungspolitikers Christian Fühner ein guter Ansatz, kommt aber viel zu spät. Fühner warf Tonne ein politisch-taktisches Manöver vor der Landtagswahl im Herbst vor. Das Corona-Management sei für alle Beteiligten eine große Herausforderung gewesen. Die Regelungen seien teilweise zu kurzfristig gekommen, insgesamt sei Niedersachsen aber auf einem vernünftigen Weg. SPD und CDU regieren in Niedersachsen gemeinsam. Am 9. Oktober wird ein neues Landesparlament gewählt.

© dpa
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