GEW warnt vor Lehrermangel im neuen Schuljahr

Am Donnerstag geht in Niedersachsen die Schule wieder los, doch die Probleme sind auch nach den Ferien noch die alten, warnt die Gewerkschaft GEW: Vor allem personell müsse das Land nachlegen.
Stühle stehen in einem Klassenzimmer auf den Tischen. © Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Symbolbild

Niedersachsens Schulen fehlen vor dem neuen Schuljahr laut der Bildungsgewerkschaft GEW rund 10.000 Beschäftigte, davon 7000 Lehrer. Der GEW-Landeschef Stefan Störmer forderte daher ein parteiübergreifendes Bekenntnis zu einer nachhaltigeren Bildungspolitik. Konkret solle das Land einen Nachtragshaushalt von einer Milliarde Euro beschließen und diese Investitionen in den kommenden Jahren fortsetzen, sagte Störmer am Montag in Hannover.

«Es sieht so aus, dass wir wieder mit ganz erheblichen Mängeln in das neue Schuljahr starten», sagte Störmer. «Auf dem Rücken der rund 105 000 Schulbeschäftigten lasten die Versäumnisse der Sparpolitik der letzten 20 Jahre.» Verantwortlich dafür seien sowohl die SPD, die das Kultusministerium derzeit führt, als auch CDU, Grüne und FDP, die in den 20 Jahren zeitweise ebenfalls an der Regierung waren.

Bereits im vergangenen Schuljahr war die Unterrichtsversorgung im Land mit 97,4 Prozent so niedrig wie zuletzt vor 19 Jahren. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) hatte daraufhin im Juni ein Maßnahmenpaket vorgestellt, mit dem das Land mehr Lehrer anwerben will. Dazu zählen finanzielle Prämien sowie die erleichterte Einstellung von Quereinsteigern, Studierenden und Pensionären.

Besserung ist laut GEW jedoch nicht in Sicht: Denn während das Land bis zu 2300 Stellen für das neue Schuljahr ausgeschrieben habe, hätten in diesem Sommer landesweit nur knapp 1470 angehende Lehrkräfte ihr Referendariat abgeschlossen. Dabei beziffert die Gewerkschaft den Bedarf sogar auf 7000 Lehrer. Diese seien nötig, um mit einer Vertretungsreserve künftig besser für kurzfristige Ausfälle etwa wegen Krankheiten gewappnet zu sein.

Auch der Verband Niedersächsischer Lehrkräfte (VNL) erklärte, bestenfalls drei Viertel der ausgeschriebenen Stellen seien bisher besetzt worden. Besonders betroffen seien davon die nicht-gymnasialen Schulformen. «Der Ausfall vieler Unterrichtsstunden an unseren Schulen ist leider fast schon zu einem Normalzustand geworden. Das darf nicht sein», sagte der VNL-Vorsitzende Torsten Neumann.

Ein Sprecher des Kultusministeriums betonte, das Land mobilisiere «alle Kräfte und viele Ressourcen, um ausreichend Lehrkräfte und weiteres pädagogisches Personal einzustellen». Das Maßnahmenpaket wirke: «Wir stellen so viele grundständig ausgebildete Lehrkräfte und Quereinsteiger ein, wie es der Markt ermöglicht.» Allerdings sei man in diesem Jahr auch wegen der Kinder aus der Ukraine in einer Sonderlage mit 32 000 zusätzlichen Schülern. «Allen sollte klar sein, dass wir besondere Bedingungen haben in diesem Jahr. Wir werden auch im Schuljahr noch nachjustieren und handeln», sagte der Sprecher.

Die GEW erneuerte zudem ihr Werben für die Anhebung der Gehälter von Grund-, Haupt- und Realschullehrern, für die Schaffung weiterer Studienplätze für angehende Lehrer sowie für bessere Arbeitsbedingungen, um die Beschäftigten im Dienst zu halten. Dazu zähle eine geringere Unterrichtsverpflichtung, sagte Störmer, denn derzeit erreiche an den allgemeinbildenden Schulen nur jeder vierte Lehrer, der aufhört, das Regelalter - an den Berufsschulen sogar nur jeder fünfte. Viele entschieden sich trotz Lohnverzichts für einen früheren Ruhestand, weil sie am Ende ihrer Kräfte seien, hieß es.

Mit Blick auf das Coronavirus sprach sich die Gewerkschaft weiter für das Testen und Masketragen aus - beides ist nicht verpflichtend, wird vom Kultusministerium aber empfohlen. Der Umgang mit der Pandemie ist es zugleich, der das Zeugnis der GEW für Kultusminister Tonne rettet: In der Corona-Politik habe der SPD-Politiker Augenmaß bewiesen, lobte Störmer. Allerdings seien viele andere Probleme an den Schulen dadurch in den Hintergrund geraten.

© dpa
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