EWE: Versorgungssicherheit hat Vorrang

Es sind turbulente Zeiten für Energieversorger und ihre Kunden. Der Markt ändert sich dramatisch, die Preise sind im Höhenflug. Viel Hoffnung auf eine kurzfristige Besserung hat der EWE-Konzern nicht.
Blick auf die EWE-Zentrale. © Mohssen Assanimoghaddam/dpa/Archivbild

Der regionale Energieversorger EWE stimmt seine Kunden angesichts der Folgen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine auf weitere Preissteigerungen ein. Gas und Strom seien in den vergangenen Monaten um ein Vielfaches teurer geworden. EWE werde die Preisentwicklung letztlich an die Kunden weitergeben müssen, sagte EWE-Vorstandschef Stefan Dohler am Donnerstag bei einer Pressekonferenz.

«Wir wollen das aber so moderat mit Augenmaß tun, wie wir es irgendwie können», betonte Dohler. «Wir wollen uns nicht daran reich machen. Wir müssen aber auch unser Unternehmen schützen und wirtschaftlich agieren.» In diesem Jahr hatte der Konzern die Preise für Gas und Strom bereits einmal deutlich angehoben. Beim Strom solle aber jetzt zunächst die Abschaffung der EEG- Umlage von 3,72 Cent pro Kilowattstunde zum 1. Juli «eins zu eins» an die Kunden weitergegeben werden.

Für 2021 vermeldete EWE einen Umsatzanstieg auf rund 6,1 Milliarden Euro (2020: rund 5,6 Milliarden). Das Nettojahresergebnis stieg zwar um 103,3 Prozent auf 597,5 Millionen Euro. Der Betrag stehe aber nur auf dem Papier und sei «kein kassenwirksamer Gewinn», so Finanzvorstand Wolfgang Mücher.

Die Ergebnissteigerung erkläre sich durch Energiebezüge, die EWE zuvor sicherte und weiterverkaufte, aber zu deutlich höheren Marktpreisen am Stichtag 31.12.2021 bilanzieren musste. Das Operative Ergebnis vor Zinsen und Steuern (OEBIT) lag den Angaben zufolge bei 354,7 Millionen Euro und damit 19,8 Prozent unter dem Ergebnis des vorherigen Geschäftsjahres mit 442 Millionen Euro.

Dohler machte klar, dass es jetzt vor allem darum gehe, die Versorgungssicherheit zu gewährleisten und sich auf alle Szenarien vorzubereiten. «Die enorme Abhängigkeit von einem Anbieter wie Russland ist ein Fehler und darf sich nicht wiederholen. Aktuell wäre ein Lieferausfall bei Gas für Deutschland nicht zu kompensieren.» Ein sofortiger Lieferstopp würde Deutschland sehr hart treffen.

Bei EWE tagt täglich ein Krisenstab, um die aktuelle Situation zu analysieren. Zu den Szenarien gehört für EWE auch, darüber nachzudenken, ob das Kohlekraftwerk in Bremen nicht wie bisher geplant im Sommer 2023 stillgelegt wird, sondern eventuell noch einige Jahre darüber hinaus genutzt werden soll.

Auch Flüssigerdgas (LNG) sei eine Alternative zu russischen Erdgas. EWE ist in die vom Land Niedersachsen initiierte Task-Force zum beschleunigten Aufbau und Anbindung des LNG-Terminals in Wilhelmshaven direkt eingebunden.

Die EWE AG versorgt nach eigenen Angaben im Nordwesten Deutschlands, in Brandenburg und auf Rügen sowie in Teilen Polens rund 1,4 Millionen Privat- und Firmenkunden mit Strom. Dazu kommen 0,7 Millionen Erdgaskunden sowie rund 0,7 Millionen Kunden bei Telefon und Internet.

Das 9500 Mitarbeiter zählende Unternehmen gehört 21 Städten und Landkreisen in Nordwestdeutschland. Seit Frühjahr 2020 hält der Infrastruktur-Investor Ardian 26 Prozent der Anteile.

© dpa
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