Baurohstoffe Kies und Sand bald wohl noch knapper und teurer

Kies und Sand sind die Grundressourcen für zahllose Bauprojekte, die Betonindustrie ist auf sie angewiesen. Das Angebot der deutschen Förderstellen und Baggerseen kann mit der hohen Nachfrage aber immer schlechter mithalten. Fachleute sehen auch hier Versorgungsprobleme.
Bandanlage für den Transport von Sand und Kies. © Waltraud Grubitzsch/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Die zentralen Baurohstoffe Kies und Sand könnten in Deutschland nach Einschätzung von Experten der Bundesregierung noch knapper und teurer werden. Als Gründe dafür nennt die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover etwa Widerstand gegen den Erhalt oder den Ausbau heimischer Förderstätten, zu lange Planungsverfahren sowie die gestiegenen Energiekosten für Abbau und Verarbeitung. Es gebe inzwischen «erhebliche Probleme» bei der Gewinnung von Kies und Sand, hieß es am Donnerstag zur Vorstellung einer neuen Untersuchung der Fachbehörde, die im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums die Rohstofflage analysiert.

Kies wird vor allem in der Produktion von Beton für den Hoch-, Tief- und Straßenbau gebraucht. Auch feinkörnigerer Sand ist dort eine wichtige Ressource. Bereits in den vergangenen zwei Jahren hatten sich viele Baumaterialien verteuert. Die oft mangelnde Versorgung traf - zusammen mit fehlenden Fachkräften und gerissenen Lieferketten - private Häuslebauer ebenso wie die Bauwirtschaft insgesamt.

Eine Auswertung des BGR-Wissenschaftlers Harald Elsner zur Situation von rund 270 der über 2600 deutschen Sand- und Kiesförderstellen ergab nun: «Konkurrierende Nutzungen durch Wasser-, Natur- und Landschaftsschutzgebiete, Infrastrukturanlagen wie Straßen und Schienenwege, die Wohnbebauung sowie Gewerbegebiete» könnten die bestehenden Engpässe bei beiden Baurohstoffen verschärfen. «Zudem stehen häufig private Eigentumsinteressen einem Abbau im Wege.»

Teils ließen sich 50 bis 70 Prozent der Vorkommen nicht mehr fördern. «In einigen Regionen Deutschlands, vor allem in Bayern und Schleswig-Holstein, können Kiesunternehmen bereits heute lokal überhaupt kein Abbauland mehr erwerben.» In den Großräumen Berlin, Köln und Dresden soll die Versorgung mittelfristig schwierig werden.

Das so verknappte Angebot treibt die Bezugskosten für Betonkies und Betonsand. Die BGR schätzt, dass die schon erhöhten Preise «absehbar weiter um 10 bis 15 Prozent im Jahr ansteigen». In der Folge müsse mehr importiert werden, der nötige Mehrtransport belaste die Umwelt.

Dort, wo in der Aufbereitung noch Dieselmaschinen zum Einsatz kommen, zeigten sich deutliche Steigerungen der Energiekosten. «Besser sieht es in größeren Kieswerken aus, die an das Stromnetz angeschlossen sind», so die BGR. «Diese wollen vielfach ihre Energieversorgung auf Photovoltaik umstellen und mit Hilfe von selbst erzeugtem grünen Wasserstoff zeitnah ihre Fahrzeugflotte betreiben.» Schwimmende Solaranlagen auf Baggerseen würden allerdings häufig nicht genehmigt.

Die BGR hatte bereits in einer früheren Studie vor Engpässen gewarnt. Bau-Großaufträge würden teils nicht mehr angenommen und Kiesmengen nach Verfügbarkeit zugeteilt, schrieb Elsner im Frühjahr 2020. Auch das Baugewerbe und die Baustoffindustrie sprachen von einem Mangel. Zuletzt wurde vielerorts mehr Sand nachgefragt, als durch das Angebot gedeckt wurde. Nun könnte das wegen steigender Zinsen ohnehin teurere Bauen möglicherweise noch teurer werden.

© dpa
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