Wasserstoffzug fährt 1175 Kilometer mit einer Tankfüllung

Im Kampf gegen den Klimawandel könnten Verbrennungsmotoren auf der Schiene bald die letzte Stunde schlagen. Denn auf einer Fahrt quer durch Deutschland wird klar: Wasserstoffzüge sind Dieselzügen bei der Reichweite keineswegs unterlegen.
Ein Wasserstoffzug (Modell «Coradia iLint»). © Moritz Frankenberg/dpa/Archivbild

Ein Wasserstoffzug auf Rekordfahrt quer durch Deutschland hat die Marke von 1000 Kilometern Reichweite geknackt. Der von Alstom entwickelte und mit Wasserstoff angetriebene Coradia iLint habe 1175 Kilometer zurückgelegt und schließlich in München Halt gemacht, sagte ein Alstom-Sprecher am Freitag. Die Tanks enthielten rund 250 Kilogramm Wasserstoff. Die Zielmarke von 1000 Kilometern erreichte der Wasserstoffzug, der im norddeutschen Bremervörde aufgebrochen war, am Donnerstagabend beim bayerischen Mühldorf am Inn. 1000 Kilometer entsprechen der Reichweite üblicher Dieselzüge, wie der Sprecher sagte.

Normalerweise fährt der Zug auf der 126 Kilometer langen Strecke zwischen Cuxhaven, Bremerhaven, Bremervörde und Buxtehude - und ersetzt dort 15 Diesel-Züge. Auf der Rückreise wird der Wasserstoffzug geschleppt. Über Salzgitter werde der Zug nach Berlin zur Verkehrstechnikmesse Innotrans gebracht, die in der kommenden Woche beginnt, sagte der Sprecher. Dort werde der Wasserstoffzug für Publikumsfahrten eingesetzt.

Ende August hatte in Niedersachsen das erste Netz mit Wasserstoffzügen für Passagiere den Betrieb aufgenommen - nach Einschätzung der Landesnahverkehrsgesellschaft das weltweit erste. Zunächst 6, bis zum Jahresende schließlich 14 wasserstoffbetriebene Regionalzüge sollen früheren Angaben zufolge stündlich zwischen Buxtehude und Cuxhaven fahren. Die im Betrieb emissionsfreien Züge sind nach Angaben des Herstellers die ersten mit einer Wasserstoff-Brennstoffzelle angetriebenen Personenzüge. In einer Brennstoffzelle wird aus Wasserstoff und Sauerstoff Strom erzeugt, der Zug fährt also elektrisch.

Die Landesnahverkehrsgesellschaft hatte sich 2012 auf die Suche nach Alternativen zu Dieselzügen gemacht. «Uns gehören 126 Dieseltriebzüge, die wir bei verschiedenen Bahnen in Niedersachsen einsetzen», sagte die Sprecherin der Geschäftsführung der Landesnahverkehrsgesellschaft, Carmen Schwabl. «Wir werden keine Dieselfahrzeuge mehr kaufen, um noch mehr für den Klimaschutz zu tun.» Je nach den Gegebenheiten auf anderen nicht elektrifizierten Streckennetzen werde entschieden werden, ob dort Züge mit Wasserstoff- oder Batteriebetrieb zum Einsatz kommen. Mit den Wasserstoffzügen werden den Angaben zufolge 1,6 Millionen Liter Diesel pro Jahr und 4400 Tonnen CO2 eingespart.

© dpa
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