Güterzugunfall: Bis zur Bergung kann es «noch Tage dauern»

Ein Güterzug fährt auf einen stehenden Zug auf - explosives Propangas entweicht aus zwei umgestürzten Kesselwaggons. Die Aufräumarbeiten beschäftigen die Rettungskräfte schon seit Tagen. Eines ist noch völlig unklar.
Ein entgleister Triebwagen vom aufgefahrenen Güterzug liegt beschädigt auf Schienen und Bahndamm. © Michael Matthey/dpa/Archivbild

Nach dem schweren Unfall zweier Güterzüge im Landkreis Gifhorn erschwert die Kälte die Arbeit der Einsatzkräfte. Am späten Montagabend sei das Abfackeln des explosiven Propangases aus einem umgestürzten Kesselwaggon zwischenzeitlich gestoppt worden, sagte ein Feuerwehrsprecher am Dienstag. Schließlich wurde seit dem Vormittag das Gas an einem Waggon weiter abgefackelt, an einem weiteren zunächst soweit wie möglich abgepumpt. Um das Propangas abfackeln zu können, muss es nach Angaben des Sprechers vom flüssigen in einen gasförmigen Zustand übergehen, dafür müssen die Waggons erwärmt werden.

Denn dann könne die Fackel deutlich mehr Gas verbrennen als derzeit, weil der Druck steige, erklärte der Sprecher. Noch im Laufe des Tages solle an einem weiteren Waggon eine zweite Fackel eingesetzt werden. Dafür müsse aber erst Gas abgepumpt werden, dies sei wegen der Schieflage der umgestürzten Wagen aber nur zur Hälfte möglich. Die Bahn habe ein Interesse daran, dass die Bergung «schnellstmöglich» beginne, allerdings sei der Zeitplan bis dahin unklar. «Es wird noch Tage dauern», sagte der Sprecher.

Am Donnerstagmorgen war es auf der Strecke zwischen Hannover und Berlin zu dem Unfall gekommen. Zunächst hielt ein Güterzug an einem Signal. Nach Erkenntnissen der Ermittler gab eine Mitarbeiterin der Deutschen Bahn die Strecke fälschlicherweise für einen weiteren Güterzug mit 25 mit Propangas gefüllten Kesselwagen frei. Dieser kollidierte mit dem stehenden Zug, vier Waggons kippten auf die Seite, mindestens einer wurde so stark beschädigt, dass Gas ausströmte. Der Lokführer erlitt leichte Verletzungen, die Oberleitung wurde massiv beschädigt. Gegen die Bahnmitarbeiterin wird wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr und fahrlässiger Körperverletzung ermittelt.

Nach Angaben der Deutschen Bahn wird die Strecke wegen der Aufräumarbeiten noch bis mindestens 27. November gesperrt bleiben. Züge werden weiträumig umgeleitet. Bahnreisende müssen sich weiter auf Ausfälle und Verspätungen von mindestens 90 Minuten einrichten.

Zwei der umgekippten Kesselwagen wurden «noch gar nicht behandelt», wie der Feuerwehrsprecher sagte. Die Anschlüsse an den Wagen wurden bei der Kollision zerstört. Dies sei aber behoben. Im Einsatz an der Unfallstelle waren nach Angaben der Feuerwehr neben ortsansässigen Kräften auch Werksfeuerwehren etwa von Chemieparks.

Ein möglicher Weg, die Waggons zu erwärmen, sei die Berieselung mit warmem Wasser, sagte der Feuerwehrsprecher. Allerdings habe die Deutsche Bahn Bedenken geäußert, weil das Wasser das Erdreich aufweiche und die Bergung mit großen Kränen erschwere. Eine Bergung sei aber erst möglich, wenn das entzündliche Gas abgefackelt sei. Eine weitere Möglichkeit sei es, eine Art Zelt über dem Waggon zu errichten. Dies werde «in die Überlegungen einbezogen».

Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisierte die Fahrgastinformationen der Deutschen Bahn. Zwar seien für viele Züge die Ersatzhalte in Uelzen, Salzwedel und Stendal angegeben, die zu erwartenden Verspätungen fänden sich allerdings nicht überall oder seien «deutlich zu optimistisch», teilte der Verband mit. Von Verspätungen erführen Fahrgäste daher oft erst im Zug - was zu Unsicherheit führe, ob die Anschlüsse erreicht werden.

© dpa
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