Mercedes baut E-Autos in Deutschland: Werk Bremen dabei

29.06.2022 Der Schwenk bei Mercedes zu Luxusautos hat Spekulationen ausgelöst. Fallen kleinere Autos künftig ganz weg? Nun gibt es eine Vereinbarung zum Absichern von Standorten. Alle Fragen sind jedoch nicht beantwortet.

Ein Mercedes-Stern prangt am Mercedes-Werk Untertürkheim. © Fabian Sommer/dpa/Archivbild

Mercedes will große deutsche Fabriken mit neuen Elektroautos auslasten und damit auch die Beschäftigung absichern. Das vereinbarte der Autobauer mit den Arbeitnehmervertretern nach wochenlangem Tauziehen, wie beide Seiten am Mittwoch in Stuttgart mitteilten.

Die Fahrzeugwerke Bremen, Rastatt und Sindelfingen im Großraum Stuttgart seien damit bis ins nächste Jahrzehnt ausgelastet, sagte Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali. «Es ist ein Durchbruch gelungen.»

Das Werk im badischen Rastatt mit rund 6500 Beschäftigten bleibe ein Zentrum für Kompaktfahrzeuge, teilte der Hersteller mit. Bisher laufen dort unter anderem die A- und B-Klasse vom Band. Da Mercedes inzwischen vor allem auf schwere Luxusautos setzt, die mehr Gewinn bringen, hatten Spekulationen über ein Auslaufen der beiden Baureihen auch bei Arbeitnehmern Befürchtungen ausgelöst.

Die Fabriken in Rastatt und im ungarischen Kecskemét werden nun vom übernächsten Jahr an Modelle auf Basis einer neuen Elektroplattform bauen. Es wird bei kleineren Autos aber nur noch vier statt bisher sieben Karosserievarianten geben. Zur Zukunft der A- und B-Klasse äußerte sich Mercedes-Vorstand Jörg Burzer nicht explizit. Es sei zu früh, sich auf einzelne Modelle festzulegen. «Wir gehen davon aus, dass wir Rastatt voll auslasten», versicherte er.

Zusammen wurden im vergangenen Jahr rund 323.000 A- und B-Klasse-Autos gebaut. Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer erwartet, dass die A- und B-Klasse auf Dauer wegfallen werden.

Insgesamt investiert Mercedes bis 2026 über zwei Milliarden Euro in europäische Fabriken. Sindelfingen, wo die Luxuslimousine S-Klasse gebaut wird, bleibt das Kompetenzzentrum für Topfahrzeuge. Dort arbeiten rund 35.000 Menschen. In Bremen, wo rund 12.500 Beschäftige arbeiten und unter anderem die C-Klasse vom Band läuft, soll es von Mitte des Jahrzehnts an ein Modell auf der Basis einer neuen Plattform geben. Bis 2030 ist Mercedes nach eigenen Angaben bereit, überall dort vollelektrisch zu werden, «wo es die Marktbedingungen zulassen».

Bremens Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt begrüßte den Entschluss ausdrücklich: «Die Entscheidung ist in vielfacher Hinsicht ein wichtiges und weitreichendes Signal für Bremen.» Sie zeige zum einen das große Vertrauen des Mutterkonzerns in den Standort und bezeuge so die guten zukünftigen Perspektiven des Werks. «Durch die Produktion werden aber auch langfristig Arbeitsplätze gesichert - nicht nur im Werk, auch bei den Zulieferbetrieben.»

Mercedes setzt auch auf ein eigenes Netzwerk für Batterien. Es gibt unter anderem Fabriken im sächsischen Kamenz, in Stuttgart-Untertürkheim und an internationalen Standorten.

Ungeachtet eingeschränkter Gaslieferungen nach Deutschland leidet der Mercedes-Benz nicht unter Engpässen. «Die Gasversorgung ist momentan gesichert bei Mercedes-Benz», sagte Burzer. Der Hersteller habe bereits im vergangenen Jahr einen Vertrag zum Bezug von Grünstrom abgeschlossen, sagte Burzer. Grünstrom stammt aus Anlagen, die Strom aus erneuerbaren Energien herstellen.

Der Autobauer habe in Europa bereits alle Blockheizkraftwerke abgestellt. Mercedes setze zurzeit im bestimmten Umfang auch auf Öl und andere fossile Energieträger. Der Hersteller wolle die Bundesregierung bei ihren Maßnahmen unterstützen, sagte Burzer.

Angesichts der deutlich verringerten Gaslieferungen aus Russland hatte Berlin vor rund einer Woche die Alarmstufe des Notfallplans Gas ausgerufen. Der Notfallplan hat drei Stufen: Die jetzt ausgerufene Alarmstufe ist die zweite. Die dritte wäre die Notfallstufe.

© dpa

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