VW-Manager: «Co-Design» statt eigener Chips

Daten sollen in der Autobranche schon bald Betriebsstoff und Währung zugleich sein. In den Fahrzeugen selbst werden ganz neue IT-Systeme mit spezieller Software nötig. Die Hardware, auf der all dies laufen kann, bringt auch für den VW-Konzern weitreichende Veränderungen.
Ein Volkswagen Logo spiegelt sich in einer Rolltreppe in der Autostadt im Volkswagen Stammwerk. © Julian Stratenschulte/dpa/Symbolbild

Autonomes Fahren, Infotainment und ständige Updates erfordern in künftigen Autos viel leistungsstärkere, aber auch standardisiertere Mikrochips und Zentralrechner. So ließen sich gleichzeitig Kosten senken und die wegen der Versorgungskrise zuletzt angespannten Lieferbeziehungen bei Halbleitern verbessern, sagte Klaus Hofmockel, Hardware-Entwicklungsmanager bei der IT-Sparte Cariad im Volkswagen-Konzern. «Mittelfristig wollen wir die Varianz der Steuergeräte im Fahrzeug reduzieren», erklärte er. «Ziel ist es, sämtliche Mikrocontroller auf einen Standard zu bringen.» In höher ausgestatteten Wagen seien es heute noch bis zu 100 Steuereinheiten.

«Wir müssen insgesamt neue Wege zu einer stärkeren Zentralisierung der Rechnersysteme im Auto gehen», sagte Hofmockel. «Das erleichtert - neben einfacheren Software-Updates und einfacherer Wartung - am Ende auch den Umgang mit den verschiedenen Lieferketten.» Elektronik ist seit der Corona-Krise für die Autoindustrie schwierig zu bekommen, viele Hersteller konnten weniger produzieren als geplant.

Um bei den entscheidenden Chip-Technologien etwa für die eigenen Großprojekte Artemis oder Trinity gegenüber Konkurrenten wie Tesla mithalten zu können, will VW die Systeme von Anfang an mitplanen. «Es geht uns weniger um ein komplett eigenes Chipdesign», erläuterte Hofmockel jedoch. «Es geht im nächsten Schritt eher um ein Co-Design zwischen Auto- und Halbleiterherstellern - also darum, auf Augenhöhe gemeinsam zu definieren, welche Systeme am besten funktionieren.»

VW hat Bosch und den US-Chipkonzern Qualcomm als Partner ausgewählt. Verfolgt werde ein Stufenplan, sagte Hofmockel. «In der Kooperation mit Qualcomm greifen wir zunächst auf bestehende Chipdesigns zurück, die in das VW-Betriebssystem integriert werden. Später wird dann die Entwicklung maßgefertigter Chips stärker im Vordergrund stehen.»

In den nächsten Generationen kämen immer kleinere Hochleistungschips zum Einsatz. «Das Auto der Zukunft ist ein High-Performance-Computer auf Rädern. Dafür benötigen wir eine enorm hohe Rechenleistung bei gleichzeitig möglichst niedrigem Stromverbrauch», erklärte Hofmockel.

Die Versorgungssicherheit gelte es dabei stets mit zu bedenken. «Wir sind an einem Punkt, an dem man rund fünf Jahre im Voraus bereits ein Commitment gegenüber Halbleiter-Herstellern abgeben muss, welche Chips man künftig in welchen Stückzahlen beziehen will.» Manche Einkaufsbeziehungen mit Zulieferern herkömmlicher Teile seien «eher ein Auslaufmodell. Letztlich geht es darum, Kompetenzen aufzubauen, um High-Performance-Halbleiter bis in die Tiefe zu verstehen.»

Cariad soll als eine Art übergreifende IT-Marke die Entwicklung selbst programmierter Software sowie deren Integration in die Elektronik verschiedener VW-Konzerntöchter anschieben. Zuletzt hakte es in der Umsetzung und bei den weiteren Vorbereitungen. Konzernchef Herbert Diess warb um Verständnis dafür, dass der Aufbau der Sparte unter Umständen noch etwas mehr Zeit braucht als zunächst gedacht.

© dpa
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