Remarque-Zentrum: Plattensammlung des Schriftstellers

Der Schriftsteller Erich Maria Remarque war ein großer Musikliebhaber mit einer großen Plattensammlung. Diese lässt sich nach und nach in Osnabrück im wahrsten Wortsinn erhören - inklusive der Original-Knackser und Knisterer, die alten analogen Schallplatten oft eigen ist.
Schallplatten vom Schriftsteller Erich Maria Remarque werden ausgestellt. © Friso Gentsch/dpa

Ob Fred Astaire, Johann Sebastian Bach, die Beatles oder der Geiger Helmut Zacharias - die Schallplattensammlung des in Osnabrück geborenen Schriftstellers Erich Maria Remarque war über Genres und Interpreten hinweg bunt gemischt. Das Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrum in der Heimatstadt des 1970 gestorbenen weltberühmten Schriftstellers («Im Westen nichts Neues») will nun nach und nach diese Sammlung für Besucher erlebbar machen. Dazu seien 647 Schellack-Platten, 99 Vinyl-Langspielplatten und 4 Vinyl-Singles digitalisiert worden, sagten am Mittwoch der Leiter des Remarque-Friedenszentrums, Thomas Schneider und die für die Inventarisierung der Platten zuständige Mitarbeiterin Claudia Junk.

Musik habe für Remarque, der aus einer kulturfernen kleinbürgerlichen Familie stammte, seit seiner Jugend eine große Rolle gespielt, sagte Schneider. Bevor er Schriftsteller wurde, habe er kleinere Kompositionen verfasst. Selber Platten gesammelt habe er seit den 1920er Jahren bis zu seinem Tod. Aus Tagebucheinträgen sei bekannt, dass er gerne «Grammophon» gehört habe, auch in Begleitung von Gästen. «Man aß und trank und hörte dabei Musik», erzählte Schneider. Nur welche Musik sei bislang nicht richtig bekannt gewesen - daher sei die nun erschlossene Sammlung für die künftige Remarque-Forschung wichtig, auch wenn sie sicherlich nicht vollständig sei.

Remarques musikalisches Interesse war offensichtlich breit gefächert. Viele Aufnahmen stammen von Marlene Dietrich - beide Künstler führten in den 1930er Jahren eine Beziehung. Neben klassischer Musik habe der Schriftsteller gerne Chansons gehört, Edith Piaf zum Beispiel, aber auch die Sängerin Greta Keller oder den Kammersänger Richard Tauber, die seinerzeit sehr bekannt waren, sagte Junk. Aber auch spanische oder südamerikanische Musik finden sich unter den Aufnahmen. Remarque habe auch viel persönlichen Kontakt mit Musikern und Dirigenten im Exil gehabt, sagte Schneider.

Der 1898 geborene Remarque war Anfang der 30er Jahre in die Schweiz emigriert und lebte auch in den USA. Die Plattensammlung stammt von der New York City University, die von Remarques Witwe Paulette Goddard als Alleinerbin eingesetzt wurde. Die Hochschule habe die Tonträger schon 2015 der Osnabrücker Forschungseinrichtung als Dauerleihgabe überlassen. Der Essener Musiker Stephan Schulte digitalisierte die Plattenaufnahmen. Das habe anderthalb Jahre gedauert, berichtete er.

«Viele Aufnahmen musste ich erst von einer dicken Schicht von Staub, Fingerabdrücken und Nikotin befreien», erzählte er. Zerbrochene Schellack-Platten habe er mit Klebestreifen wieder zusammengesetzt, um sie abspielbar zu machen. Knack- und Knistergeräusche habe er digital so weit wie möglich reduziert - ganz weg sind sie nicht.

Da die Plattenhüllen nicht mehr zur Verfügung standen - Remarque hatte sie offenbar weggeschmissen - habe sie zusammen mit einem Team studentischer Hilfskräften anhand der Plattenetiketten Details zu den Aufnahmen recherchiert, welches Label, welche Musiker beteiligt waren, wann die Aufnahmen entstanden oder um welche Pressung es sich handelte, erzählte Junk. Nun gehe es darum, nach und nach die Aufnahmen auf den Abhörstationen inklusive aller recherchierter Daten im Remarque-Zentrum einzupflegen. Pro Woche schaffe sie etwa zehn Titel, sagte Junk - eine Arbeit noch für die nächsten drei bis fünf Jahre.

Aus Urheberrechtsgründen sind die digitalisierten Aufnahmen inklusive der Hintergrundinfos nur im Erich-Maria-Remarque-Friedenszentrum zu hören und nicht online verfügbar.

© dpa
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