«Hey Heide» zwischen Heideglück und Heidegrauen in Lüneburg

Die Lüneburger Heide ist en vogue. Immer mehr junge Leute entdecken die Wanderpfade. Eine Ausstellung in Lüneburg widmet sich dem Thema mit witzigen, skurrilen und auch traurigen Aspekten.
Nele Kröger, Künstlerische Leitung, hält in der Ausstellung eine kleine Tasse in den Händen. © Philipp Schulze/dpa/Archivbild

Roy Blacks «Auf der Lüneburger Heide» in Dauerschleife, Wanderstöcke, Bierkrüge und Zinnteller. Das ist die eine Seite der Ausstellung «Hey Heide! Kitsch. Kunst. Mythos.» von diesem Samstag an in der Lüneburger Kulturbäckerei. «Diese Ausstellung ist nicht klassisch touristisch, wir wollen die Heide entdecken», sagte Geschäftsführer Carsten Junge. «Das ist eine ganz witzige, manchmal skurrile Geschichte, die wir gemacht haben.»

Das Naturhistorische habe man weggelassen, dafür sich auf zwei Etagen mit lila und grünem Hintergrund der Kulturlandschaft gewidmet. «Ich glaube, dass jeder, der die Ausstellung besucht, nach sechs bis acht Wochen in die Heide fährt. Sie macht neugierig», findet Junge. Die Beschäftigung mit der Heimat werde stärker, das Publikum auch im Inlandstourismus jünger: «Die Deutschen haben Nachholbedarf.»

Und wer wusste schon, dass John Lennon 1966 als Hauptdarsteller in dem Film «Wie ich den Krieg gewann» in der Heide gedreht hat? Oder dass Box-Weltmeister Max Schmeling regelmäßig den Heideköniginnen in Amelinghausen die Krone aufsetzte? Aufgetrieben hat das Team auch das damals umstrittene Nacktbild von Hildegard Knef, als sie für den Film «Die Sünderin» posierte und einen Nachkriegsskandal auslöste. Einblicke gibt es zudem in die geheimnisvolle FKK-Kultur am Rand der Heidepfade vor dem Zweiten Weltkrieg.

Um einen Blick von außen auf die Kulturlandschaft zu werfen, wurde die Kuratorin Daniela Sannwald mit der Zusammenstellung beauftragt. «Es ist eine unglaublich vielfältige Ausstellung», sagte die Berlinerin. Allein zwischen den Schriftstellern Hermann Löns (1866-1914) und Arno Schmidt (1914-79) lagen hundert Jahre. «Beide würde man allein wegen ihrer Haltung zu Frauen heute nicht mehr verehren», meinte sie. «Löns war Antisemit und ist von den Nationalsozialisten vereinnahmt worden», ergänzte Junge.

Der Untertitel «Von Heideglück bis Heidegrauen» spielt auf die Vergangenheit des Nationalsozialismus im Konzentrationslager Bergen-Belsen an. Fotos des Grabsteins von Anne Frank und ausgemergelten Frauen sind aber nur ein Teil der Exponate. Kurios sind die Erinnerungen an das Celler Notgeld, das nach dem Ersten Weltkrieg ein regionales Zahlungsmittel war. Ganz bewusst verzichtete man auf touristische Themen wie die Freizeitparks in der Heide-Region.

© dpa
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