Strecke von Spiekerooger Pferdebahn soll länger werden

Mit einer Pferdestärke können sich Urlauber auf Spiekeroog über die autofreie Insel fahren lassen. Die historische Pferdebahn ist bei Gästen beliebt. Doch wieder macht das Deichtor, durch das die Trasse verläuft, den Insulanern Sorgen.
Die Spiekerooger Pferdebahn passiert auf ihrer planmäßigen Tour das Deichschart vor dem Inselbahnhof. © picture alliance/Ingo Wagner/dpa/Archivbild

Um die traditionsreiche Pferdebahn auf der Nordseeinsel Spiekeroog langfristig zu erhalten, soll die Strecke ausgebaut werden. «Wir wollen die Trasse verlängern bis zum alten Rettungsschuppen», sagte Hille Schreiber, zweiter Vorsitzender des Inselmuseumsvereins. Der Verein betreibt die historische Bahn von 1885. Die Trasse soll dann über eine Weiche von der bisherigen Strecke vom Inseldorf zum Westend abzweigen und über einen bislang stillgelegten Trassenteil verlaufen. Fahrgäste sollen so die Wahl bekommen, mit dem Waggon mit einer Pferdestärke ans Westend oder mehrere hundert Meter weiter Richtung Süden zum Rettungsschuppen gezogen zu werden.

«Die Schienen sind schon gekauft», sagte Schreiber. Auch die nötigen Schwellen hat der Verein schon besorgt. Diese waren zuvor für die Inselbahn auf der Nachbarinsel Wangerooge verlegt. Noch fehlt eine passende Weiche, die in die Strecke eingebaut werden müsste, und auch eine Genehmigung für das Vorhaben im Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer steht noch aus. Die Kosten beliefen sich nach ersten Schätzungen auf rund 300.000 Euro, sagte Schreiber. Diese wolle der Verein mithilfe der Kurverwaltung stemmen. 2024 könnte der Ausbau beginnen.

Dass die Insulaner den alten Streckenteil überhaupt reaktivieren wollen, hängt mit einem Deichtor, Deichschart genannt, zusammen, durch das der «Waggon 21» vom Inselort gen Westen von den Zugpferden gezogen wird. «Wir müssen damit rechnen, dass der Deich erhöht wird. Dann müsste das Deichschart dicht gemacht werden», sagte Schreiber. Der Bahnhof müsste dann um mehrere hundert Meter vor den Deich verlegt werden - dadurch wäre die bislang rund 800 Meter lange Strecke aber auch kürzer. Um die Pferdebahn weiter attraktiv zu halten, soll sie deshalb gen Süden verlängert werden.

2020 bremste das Deichtor schon einmal die Pferdebahn aus. Das damalige Tor war marode und musste erneuert werden. Da der kleinen Inselgemeinde dafür jedoch das Geld fehlte, rief der Museumsverein zu einer Spendenaktion auf. Die nötige Summe von rund 100.000 Euro kam mithilfe von Insulanern, Gästen und Betrieben binnen weniger Wochen zusammen, sodass das Tor erneuert werden und die Pferdebahn im vergangenen Jahr wieder ihren Betrieb aufnehmen konnte.

Die Spiekerooger Pferdebahn von 1885 ist eine Rarität. Europaweit ist es nach Angaben der Insel die einzige Pferdebahn, die noch auf ihrer traditionellen Trasse verkehrt. Einst wurde sie für den Transport von Waren genutzt, heute ist sie vor allem bei Inselgästen beliebt. Rund 15.000 Menschen pro Jahr beförderte die Bahn zuletzt.

© dpa
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