Nord-Stream-Explosionen weniger Folgen auf Klima als gedacht

Die Explosionen an den Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 dürften sich laut einer Studie chinesischer Wissenschaftler kaum negativ auf das Weltklima auswirken. In einem am Freitag im Fachmagazin «Advances in Atmospheric Sciences» veröffentlichten Beitrag rechneten die Forscher der Chinesischen Akademie der Wissenschaften vor, dass während des Unglücks bis zu 0,22 Millionen Tonnen Methangas entwichen seien.
Pipeline-Knotenpunkt in Lubmin. © Stefan Sauer/dpa/Archivbild

Dies gehe insbesondere aus Beobachtungen von Forscher-Kollegen der chinesischen Universität Nanjing hervor, die hochauflösende Satelliten-Aufnahmen auswerteten. Vorherige Schätzungen, wonach bis zu einer halben Millionen Tonnen Gas entweichen konnten, bezeichnete das Forscher-Team als zu hoch.

Ende September hatten Explosionen mehrere Löcher in die Pipelines in der Ostsee gerissen. Nach den Detonationen waren aus mehreren Lecks tagelang ununterbrochen große Mengen Gas ausgetreten. Der Verdacht der Sabotage steht im Raum.

Das Unglück war den Forschern zufolge der bisher größte dokumentierte Methan-Ausstoß in der Geschichte der Menschheit. Beim zuvor größten Gas-Unfall im Jahr 2015 am kalifornischen Untergrund-Gasfeld Aliso Canyon sei nur etwa halb so viel Gas ausgetreten.

Die Zahlen müssen laut den Forschern jedoch im Verhältnis betrachtet werden. Allein die globale Öl- und Gas-Industrie hätte im Zeitraum zwischen 2008-2017 jährlich bis zu 70 Millionen Tonnen Methan ausgestoßen. Das aus den Pipelines entwichene Gas mache damit nur einen Tag der jährlichen Emissionen des Sektors aus, womit sich eine kaum messbare Auswirkung auf das Klima ergebe.

Die Erwärmungen durch das ausgestoßene Methan seien so minimal, dass sie «in Ökosystemen oder in der menschlichen Gesellschaft nicht wahrgenommen werden können», schlussfolgerte Physiker Xiaolong Chen, der die Studie leitete. Dennoch warnte der Wissenschaftler: Wenn die Menschheit die Ziele des Pariser Klimaabkommens erreichen will, «sollten Schäden an der Infrastruktur wie dieser vermieden werden». Nach CO2 sei Methan schließlich der zweitgrößte Treiber der Erderwärmung.

Der Schlussfolgerung der Studie stimmt auch Sönke Zaehle vom Max-Planck-Institut in Jena zu: «Das halte ich für absolut richtig.» Nicht die kurzfristigen Lecks in den Nord-Stream-Röhren allein seien für die Klimawirkung des Methans in der Atmosphäre verantwortlich, sondern dass es viele solcher Quellen gebe, die lang anhaltend Methan emittierten und daher in der Summe starke Auswirkungen hätten. Hierzu gehören dem Experten der Abteilung für Biogeochemische Signale zufolge neben fossilen Quellen unter anderem auch Feuchtgebiete wie die auftauenden Permafrostböden.

Insgesamt seien die Methoden, die in der Studie verwendet werden, Zaehle zufolge etabliert, wenngleich es auch aufwendigere Verfahren sowohl für die Schätzung der Methan-Menge als auch die Prognose der Klimawirkung gebe. In anderen Arbeiten zu den Nord-Stream-Lecks seien die Wissenschaftler jedoch zu ähnlichen Schlussfolgerungen gekommen.

© dpa
Weitere News
Top News
Fußball news
Bundesliga: Bernstein und Hertha setzen alles auf den Berliner Weg
People news
Niederländisches Königshaus : Oranje-Prinzessin Amalia in der Karibik
Musik news
Rockband: 50 Jahre Kiss: Am Anfang kamen nur zehn Zuschauer
Tv & kino
Featured: Amy Winehouse-Biopic: Was wir bisher über Back To Black wissen
Das beste netz deutschlands
Featured: DeepL Write: So nutzt Du die KI-Schreibhilfe für Texte
Das beste netz deutschlands
Featured: Chat GPT: So nutzt Du den KI-Bot von OpenAI
Internet news & surftipps
Extremismus: SPD-Abgeordneter für 14-Tage-Speicherpflicht für IP-Adressen
Reise
Flüge verspätet und gestrichen: Streik am Düsseldorfer Airport: Diese Rechte haben Reisende
Empfehlungen der Redaktion
Regional mecklenburg vorpommern
Pipelines: Sabotage hinter Nord-Stream-Lecks: Sprengstoffreste gefunden
Ausland
Gas-Pipelines: Staatsanwalt: Sabotage steckt hinter Nord-Stream-Lecks
Ausland
Ostsee: Staatsanwaltschaft: Sabotage-Verdacht bei Gas-Lecks erhärtet
Ausland
Mutmaßliche Sabotage: Pipeline-Lecks: EU prüft Sicherheit kritischer Infrastruktur
Ausland
Nord Stream: EU: Pipeline-Sabotage wahrscheinlich
Ausland
Nord Stream: Pipeline-Lecks: Skandinavier vermuten massive Sprengladung
Ausland
Nord Stream 1: Zeitung: Explosion hat 50-Meter-Loch in Pipeline gerissen
Inland
Pipeline: Lecks an Nord-Stream-Röhren: Bundesanwaltschaft ermittelt